Markise stört nur den Bürgermeister

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So sieht das "Foidlmaier" noch aus.

Reit im Winkl (CH-Z) - Wie kann der Charakter eines denkmalgeschützten Hauses bestmöglich erhalten werden?

Mit dieser Frage, der nachträglichen Genehmigung zweier bereits erstellter kleinerer Bauten und der Neugestaltung des Eingangsbereichs eines Schmuckgeschäftes hatte sich der Bauausschuss des Reit im Winkler Gemeinderats in seiner jüngsten Sitzung zu befassen.

Zu den historisch bedeutsamen Baudenkmälern zählt mitten im Ortskern das Anwesen "Foidlmaier", erbaut im frühen 18. Jahrhundert. Obwohl der Charakter dieses geschichtsträchtigen, denkmalgeschützten Bauernhauses in großen Zügen weitgehend erhalten blieb, hat die Nutzung des Erdgeschosses durch wechselnde Geschäfte zu auffälligen Veränderungen geführt.

Mittlerweile ist hier eine Pizzeria beheimatet, deren Betreiber den Vorplatz stärker gastronomisch zu nutzen gedenkt. Nach dem Antrag des Pächters sollte jetzt eine 45 Quadratmeter große Markise angebracht werden, womit sich Bürgermeister Josef Heigenhauser nicht so recht anfreunden wollte. So befürchtet er, dass diese Markise in einem späteren Antrag womöglich zu einem Wintergarten ausgebaut werden könnte. Zum Genehmigungsverfahren hatte die Größe und die zu geringe Nähe zur vorbeiführenden Bundesstraße geführt.

Auch an der Platzierung verschiedener Werbeaufschriften in Verbindung mit der neuen Markise stießen sich einige Mitglieder des Ausschusses. Schließlich stimmte aber nur der Bürgermeister gegen den Antrag, während die weiteren fünf Ausschussmitglieder dafür votierten. Allerdings sollen ergänzend auch die Aussagen der unteren Denkmalschutzbehörde und des staatlichen Straßenbauamts eingeholt werden.

Um nachträgliche Genehmigung einer bereits errichteten, vier mal vier Meter großen Holzblockhütte bat die Ski- und Snowboardschule. Diese hatte als Unterstellmöglichkeit für diverses Skischulmaterial und als Aufenthaltsmöglichkeit für Skikurskinder auf der Winklmoosalm unweit der Bergstation der neuen Gondelseilbahn diese Hütte gebaut. Allerdings befindet sich dieser Ort im Außenbereich und unterliegt somit der Genehmigungspflicht.

In einem Schreiben an den Bauausschuss stellte nun der Leiter der Skischule, Stefan Heigenhauser, die Dringlichkeit des kleinen Bauwerks dar - aber auch, dass ein Aufbau vor und ein Abbau nach dem Winter aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich sei. "Mir kommt es so vor, als würden sich die Fälle häufen, wo zuerst gebaut und dann erst um Genehmigung nachgefragt wird", monierte Lisa Ruh, man solle doch die richtige Reihenfolge einhalten.

Bürgermeister Heigenhauser sprach demgegenüber davon, dies sei "wohl übersehen worden" und "keine böse Absicht". Außerdem begrüßte er derartige Angebote auf der Winklmoosalm: "Wir können froh sein, wenn da etwas los ist." Einstimmig erteilte der Bauausschuss schließlich die nachträgliche Genehmigung.

Gleich drei Werbeanlagen wollte Anda Radulescu an ihrer Übernachtungspension, dem "Oberschmied", genehmigen lassen, wobei zwei davon ebenfalls bereits stehen. Diese Anlagen sind ein selbstleuchtender Werbepylon und zwei große Werbetafeln. Nachdem eine Tafel und der Pylon unmittelbar an der Grenze zum Nachbargrundstück angebracht werden sollen, sah der Bauausschuss hier einen Verstoß gegen die Werbeanlagensatzung. Eine Genehmigung würde einen Bezugsfall schaffen, dies gelte es zu verhindern, so Bürgermeister Heigenhauser. Nach kurzer Diskussion wurden zwei der Werbeanlagen abgelehnt, nur die Tafel, die am Gebäude angebracht werden soll, fand die Zustimmung der Gemeinderäte.

Befürwortet wurde ein weiterer Antrag der gleichen Antragstellerin. Die gebürtige Rumänin Anda Radulescu betreibt auch den "Alpengasthof" auf der Winklmoosalm. Dort war der unterirdische, 10000 Liter fassende Heizöltank offenbar undicht geworden und musste ausgetauscht werden. Nachdem das Fassungsvermögen auf 13000 Liter erhöht wurde, war dieses Vorhaben dem Bauausschuss vorzulegen. Der hatte allerdings keinerlei Einwände und stimmte zu.

Neu gestaltet werden soll der Eingangsbereich eines Uhren-, Schmuck- und Optikgeschäfts an der Hausbergstraße. Dieser Eingang soll vergrößert und überdacht werden. Nach kurzer Prüfung der Planungsunterlagen stimmten auch hier die Ausschussmitglieder einstimmig zu.

ost/Chiemgau-Zeitung

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