"Man hat euch nichts geschenkt"

80 Absolventen an der Achental-Realschule

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Die besten Abschlussschülerinnen der Achental-Realschule Marquartstein mit einem Notendurchschnitt unter 1,5 sind in diesem Jahr (von links) Franziska Hörterer aus Grassau, Magdalena Mix und Sophie Wimmer, beide Unterwössen neben Schulleiter Christian Thoma.

Marquartstein - Unter Corona-Bedingungen mit weniger Angehörigen als sonst, aber dennoch in feierlichem Rahmen verlief die fröhliche Abschlussfeier in der Turnhalle der Achental-Realschule.

In zwei Etappen wurden insgesamt 80 Schülerinnen und Schüler aus vier 10. Klassen verabschiedet. Sie erhielten das Zeugnis der Mittleren Reife aus den Händen von Schulleiter Christian Thoma und dem jeweiligen Klasslehrer: Regina Frank für die 10a, Thomas Winkler für die 10b, Matthias Schlaffer 10c und Ludwig Hatzl 10d. Die Klassenlehrer richteten vor der Übergabe persönliche Worte an ihre ehemaligen Schüler und wünschten ihnen das Beste für die Zukunft.


15 Schüler haben heuer eine Eins vor dem Komma. Beste Schülerin mit einem Durchschnitt von 1,33 ist Magdalena Mix aus Unterwössen, gefolgt von Franziska Hörterer, Grassau, und Sophia Wimmer, Unterwössen. Die besten Schüler erhielten mit ihrem Zeugnis außerdem eine Urkunde vom Landratsamt Traunstein, Buchgutscheine vom Elternbeirat und einen 50-Euro-Gutschein von der Schule.

"Ihr könnt stolz auf euch sein, denn man hat Euch nichts geschenkt", sagte Rektor Christian Thoma zu Beginn. Es sei eine "völlig normale Prüfung" gewesen, und die Aufgaben hätten bereits lange vor Ausbruch von Covid 19 in Kuverts beim Kultusministerium gelegen.


Die Reihe der kurzen Ansprachen eröffnete die Vorsitzende des Elternbeirats Anke Unterreiner. Sie gratulierte dem "ganz besonderen Abschlussjahrgang", weil sie sich den Realschulabschluss in der Corona-Zeit erkämpfen mussten. Für ihren neuen Weg ermutigte sie die Absolventen, an sich zu glauben, und wünschte ihnen für die neuen Wege im Namen des Elternbeirats viel Kraft, Energie, Mut und weiterhin gute Wegbegleiter. Vom Elternbeirat wurden auch heuer die Abschlussschüler mit besonderem ehrenamtlichen Engagement während ihrer Schulzeit mit einem Geschenk ausgezeichnet. Für soziales Engagement waren dies Leonie Jany und Theresa Nagele, 10b, sowie Magdalena Mix, Djulia Karstedt und Alina Kuntz, 10c. Für ihren Dienst als Schulsanitäter wurden Christina Lenger, Markus Heuschneider, Fabian Furch und Fabian Lukas, alle 10a, geehrt, Theresa Nagele, 10b, sowie Olivia Groll und Julia Gaßner, 10d ausgezeichnet. Obwohl es nicht vorgesehen war, bedankte Djulia Karstedt spontan in einer kurzen Ansprache herzlich bei Lehrern vor allem beim Klassleiter, Schulleitung und Mitschülern für die zwei Jahre an der Achental-Realschule. Obwohl sie es anfangs nicht geglaubt hätte, seien ihr jetzt alle "ans Herz gewachsen".

"Macht es besser als die ältere Generation"

Schulleiter Christian Thoma ging in seiner nachdenklichen Ansprache auf das sehr unterschiedliche, oftmals unvernünftige Verhalten der Menschen während der Pandemie ein. Es gehe nicht darum, nicht erwischt zu werden, sondern vernünftig zu handeln. Erschütternd sei es gewesen, wie viele Menschen den absurdesten, im Netz kursierenden Verschwörungstheorien verfallen seien. "Bildet euch eure eigene Meinung", forderte Thoma die scheidenden Schüler auf. Sie sollten sich nicht wie Jasager und Duckmäuser verhalten oder als Marionetten dubioser Drahtzieher. Dass besonders viel ungebremster Egoismus in den vergangenen Wochen zu beobachten gewesen sei, belegte Thoma an mehreren Beispielen. Leider sei der Mensch nicht "hilfreich und gut" wie es Goethe ausdrückte. Jeder sollte aber gemäß des Kantschen Imperativs, inner bedenken, welche Konsequenz unser Handeln für andere hat. Wenn ein Auto bei Stau auf der Standspur fährt - was, wenn dass jeder täte… . In den letzten Wochen habe sich die Gesellschaft nicht wirklich verändert.

"Die Drahtzieher der Überfluss- und Konsumgesellschaft haben noch immer die Fäden in der Hand - und uns", so Thoma. Hier sei die junge Generation gefragt, forderte er die scheidenden Schüler auf. "Macht das, was ihr uns, der älteren Generation vorwerft, besser". Zuletzt gab den Scheidenden mit auf den Weg:

das soziale Miteinender, die Beziehungen der Menschen untereinander seien wichtiger als jede Zeugnisnote oder jeder Berufsabschluss.

"Wenn ich alleine bin, dann gehe ich ein". Für den weiteren Lebensweg wünschte Christian Thoma den Scheidenden im Namen der ganzen Schule alles Gute und Gottes Segen.

Unterhaltsam war die musikalische Gestaltung der Feier durch heuer nur zwei Musikanten, voll klingenden Songs von Amelie Unterreiner, 9a, und zünftige Stücke auf der Ziach von Lukas Auer, 7d.

Da heuer kein Gottesdienst in der Kirche stattfinden durfte, hatte Diakon Michael Soergel das letzte Wort. Auch er ging auf die schwierige Corona-Zeit ein. Unzufriedenheit im Leben könne oftmals wie ein Virus lauern. Das dürfe keiner zulassen, sondern auf Gott vertrauen. Er wünschte den Anwesenden und besonders den Schulabsolventen Gottes Segen für die Zukunft.

Christiane Giesen

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