Es geht um den Bau eines Gewerbegebiets in Freiweidach

Bürgerinitiative in Marquartstein sammelte Unterschriften zur Einleitung eines Bürgerentscheids

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Die Initiatoren der Bürgerinitiative gegen die geplante Verbauung zwischen Wohngebiet Brandäcker und Sportplatz sammelten 364 Unterschriften und gaben sie am Donnerstagabend im Marquartsteiner Rathaus ab. Hier (von links) Katharina Illner, Werner Poebing, Carina Poebing- Wallentin, Birgit und Frank Buttinger.

Marquartstein - 364 Unterschriften hat die Bürgerinitiative „Stoppt das geplante Misch- und Gewerbegebiet und die Bebauung durch Investoren „am Sportplatz“ in Freiweidach“ inzwischen gesammelt.

Bei der Bürgersprechstunde am Donnerstagabend wurden sie Bürgermeister Andreas Scheck persönlich übergeben. Bereits 290 Unterschriften hätten genügt, um gemäß Artikel 18a der Bayerischen Gemeindeordnung einen Bürgerentscheid herbeizuführen.

Die Bürgerinitiative (BI) um die Initiatoren Frank und Birgit Buttinger, Werner Poebing und Carina Poebing-Wallentin sowie Katharina Illner sind alarmiert, seit sie wissen, dass die Gemeinde Marquartstein zu Beginn vergangenen Jahres auf einem 32 000 Quadratmeter großen Areal an der Freiweidacher Straße Richtung Norden ein genossenschaftliches Wohnbauprojekt verwirklichen möchte und daran anschließend ein Misch- und Gewerbegebiet bis zum Sportplatz.

Die freie Fläche, die nach den Planungen der Gemeinde zwischen Sportplatz und Wohngebiet Brandäcker für ein genossenschaftliches Wohnbauwerk sowie ein weiteres Gewerbe- und Mischgebiet überbaut werden soll.

Als Erstes ist angrenzend an die kleinen Häuser des im Laufe der vergangenen zehn Jahre errichteten Wohngebiets Brandäcker ein großes Wohnprojekt durch die MARO Genossenschaft geplant: drei dreistöckige Gebäude mit einer Wandhöhe von 8,75 Meter und zusätzlich ein zweistöckiges. Die geplanten Wohnungen sind für alle Generationen gedacht und sollen außerdem auch neun Wohneinheiten für Demenzkranke bieten.

„Der Standort für so riesige Gebäude ist einfach nicht richtig“, sagt Carina Poebing-Wallentin, „wir haben gar nichts gegen eine Bebauung, aber eine die an die Nachbarbebauung angepasst ist und nicht in solchen Dimensionen“.

Gebäude würden in die Ortsmitte passen

Solche Gebäude würden in die Ortsmitte passen, wo zum Beispiel mit dem Gustapfelbau schon ein so großes Gebäude vorhanden ist.

Alle Vertreter der BI sind sich beim Gespräch mit unserer Zeitung einig, dass es sich um eine grobe Fehlplanung handelt, die noch rechtzeitig aufgehalten werden muss. „Da im Ortszentrum ja in den nächsten Jahren ohnehin viel gebaut werden soll, könnte dieses Projekt dort viel besser verwirklicht werden“, sagt auch Frank Buttinger.

Er befürchtet vor allem, dass durch die weitere Versiegelung der Flächen die ohnehin immer vorhandene Hochwassergefahr im Wohngebiet Brandäcker noch steigen könnte.

„Im neuen Gebiet sind keine Tiefengaragen geplant, was natürlich zu einer weiteren Versiegelung des Bodens beiträgt und damit zur Gefahr, dass bei Hochwasser der Grundwasserspiegel steigt. „Es ist doch völlig irrational, wenn neben einem so gefährdeten Wohngebiet noch ein Gewerbegebiet mit großer versiegelter Fläche entstehen soll“, so Buttinger.

Erhöhte Gefahr für Schulkinder

Eine weitere Gefahr sieht die BI in der noch keineswegs geklärten Verkehrssituation. Nach Aussage des Bürgermeisters solle erst ein Verkehrskonzept parallel zur Bebauungsplanung durchgeführt werden.

Nach Ansicht von Katharina Illner verschärfen sich die Gefahren im Straßenverkehrssituation durch die zusätzlichen Fahrzeuge an der Kreuzung zwischen Bäckerei Menter und Alter Brücke gewaltig.

Täglich überqueren hier morgens und mittags 730 Schüler aus Grundschule und Gymnasium die Freiweidacher Straße. „Noch mehr Verkehr würde eine weit größere Gefahr als bisher für die Kinder bedeuten“, so Illner. Ihrer Meinung nach ist auch die Kreisstraße viel zu eng, um die durch ein weiteres Gewerbegebiet notwendigen Lastkraftwagen verkraften zu können.

Kreisstraße: frequentierter Krötenübergang

Bei der Kreisstraße TS 34 zwischen Marquartstein und Staudach-Egerndach handelt es sich um eine relativ schmale Straße, auf der während der Krötenwanderung im Frühjahr Hunderte von Erdfröschen, Kröten und anderen Amphibien früh morgens und spätabends von ehrenamtlichen Helfern über die Straße gebracht werden.

Es ist einer der am häufigsten frequentierten Krötenübergänge im Landkreis, wie die Ortsgruppe des Bund Naturschutz regelmäßig in jedem Jahr bekannt gibt. Wie sich das mit einem großen Wohn- und weiteren Gewerbegebiet an dieser Straße vereinbaren lässt, ist nicht nur den Initiatoren der BI ein Rätsel.

Werner Poebing weist darauf hin, dass ein weitgehend noch leer stehendes Gewerbegebiet auf der östlichen Seite der Tiroler Achen vorhanden ist, so dass seiner Meinung nach erst mal das ausgeschöpft werden sollte. „Außerdem sind wir sehr enttäuscht, wie wenig die Bürger bisher in die Planung mit einbezogen worden sind“, sagt Poebing, von einer „Mitmachgemeinde“, wie versprochen, sei da gar keine Rede mehr.

Bereits Mitte März offener Brief an die Gemeinde

Mitte März 2019 hatten die damals nur „besorgten Bürger“ ihre Einwände Gemeinderat und Bürgermeister in einem offenen Brief geschrieben. Bis November gab es keine offizielle Antwort aus dem Rathaus und auch die irgendwann im Gemeindeanzeiger angekündigte Anliegerversammlung zu dem Bauvorhaben fand nicht statt. Nur drei Mitglieder des Gemeinderats hätten nach dem offenen Brief das Gespräch mit den Vertretern der BI gesucht, erzählt Frank Buttinger.

Offiziell seien die Unterzeichner des Briefes vom März erst eine Woche vor Weihnachten zu einem Gespräch ins Rathaus gebeten worden, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Pressevertreter.

Dabei habe es auch nur die bereits bekannten Standardantworten auf die Fragen der BI gegeben und sie hätten nicht das Gefühl gehabt, dass ihre Bedenken wirklich ernst genommen wurden. Nun will die BI durch die Durchführung eines Bürgerentscheids wissen, wie die übrigen Marquartsteiner Bürger über die überplante Verbauung der 32 000 Quadratmeter in Freiweidach denken.

Christiane Giesen

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