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41 ehrenamtliche Helfer halten den Betrieb rund ums Jahr aufrecht

Dunkelziffer der Bedürftigen ist hoch: Tafel im Achental auch in Corona-Zeiten notwendig

Lionsclub Marquartstein – Achental unterstützt die Achentaltafel
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Der Lionsclub Marquartstein – Achental unterstützt die Achentaltafel seit ihren Anfängen vor 18 Jahren. Roland Netzer (links), Beauftragter des Lionsclub für die Tafel und der Präsident des Lions Hilfsfond Toni Ager übergaben eine Spende von 6500 Euro an die Leiterin der Achentaltafel, Claudia Kraus.

Die Achental-Tafel besteht nun seit 18 Jahren und besonders in Corona-Zeiten wird sie nach wie vor dringend gebraucht. In 2003 fing es mit ungefähr 60 Tafelabholern an, aber die Zahl erhöhte sich schnell.

Marquartstein - Heute nutzen etwa 115 Personen regelmäßig die Tafel, davon vor allem Familien oder Alleinerziehende mit Kindern, darunter auch sehr kinderreiche, anerkannte Flüchtlingsfamilien, aber auch Singles und Rentner, die ohne die Tafel kaum über die Runden kämen, berichtet die Leiterin der Einrichtung, Claudia Kraus, anlässlich der Spendenübergabe des Lions Clubs.

Der Lions Club Marquartstein–Achental unterstützt die Achental-Tafel von Anbeginn mit Spenden, da immer wieder wichtige Anschaffungen wie Kühlschränke oder Zukäufe von Lebensmitteln notwendig sind. Da am Weihnachtswochenende und vor Silvester zweimal keine Essenspakete ausgegeben werden können, erhalten die Abholer Essensgutscheine für die Geschäfte, die auch nur durch Spenden finanziert werden müssen.

Zum Kernteam der Tafel-Mitarbeiter gehören als Gründungsmitglied die zweite Bürgermeisterin von Marquartstein, Claudia Kraus, und Diakon Michael Soergel von der Erlöserkirche, der immer die Erstgespräche mit den Anwärtern der Tafel führt und die Berechtigungsscheine ausstellt. Alle Personen, die nachweisen können, dass sie kein höheres Einkommen haben als den derzeit gültigen Sozialhilfesatz, können Gebrauch von der Tafel machen. Jährlich einmal wird die Berechtigung geprüft und der Bezugsschein verlängert.

„Die Dunkelziffer der Leute, die die Tafel eigentlich bräuchten, ist sicherlich viel höher“, sagt Claudia Kraus. Aber die Scheu gerade bei alten Leuten im dörflichen Umfeld, sich als bedürftig zu „outen“, sei sehr groß, so Kraus. Dabei tun die Tafelabnehmer sogar den Händler und der besonders Umwelt einen Gefallen, weil die immer einwandfreien Lebensmittel von guter Qualität nicht entsorgt werden müssen. „Es ist keine Schande, zur Tafel zu gehen und die, die es brauchen, sollten kommen und nicht aus falscher Scham hungern“, so Claudia Kraus.

Zusammenarbeit macht die Hilfe möglich

Die Tafel hat ein funktionierendes Netz von Händlern, die gute Ware abgeben, weil die wegen EU-Recht nach dem Mindestablaufdatum nicht mehr verkauft werden darf. Auch Bäcker und Metzger geben oft die Ware her, die nicht verkauft werden konnte. Darüber hinaus arbeitet die Achental-Tafel mit der Traunsteiner Tafel zusammen, die wegen eines größeren Händlernetzes in der Stadt, immer wieder begehrte Lebensmittel, die es im Achental gerade nicht gibt, abgeben kann. Grundnahrungsmittel wie Milch und Milchprodukte, frisches Obst und Gemüse werden meist wenig gespendet und müssen deshalb zugekauft werden.

Träger der Achental-Tafel ist die Diakonie. Die Gemeinde Marquartstein, hat mit Unterstützung des Landkreises vor einigen Jahren die ebenerdig, günstig gelegenen Räume am nördlichen Ortsausgang von Marquartstein für die Tafel gekauft und stellt auch Strom und Heizung zur Verfügung. Genutzt wird sie von den Bedürftigen des gesamten Achentals bis Reit im Winkl und Übersee. 

In Corona-Zeiten sieht die Ausgabe der Lebensmittel anders aus als früher: Die Kunden können nicht mehr aus einem Sortiment selbst aussuchen, sondern die Tafelhelfer stellen die Taschen von Nahrungsmitteln für die einzelnen Abholer zusammen. Zu festgelegten Zeiten können die Sachen – ohne direkten Kontakt – abgeholt werden. Denn sowohl Helfer als auch Abholer gehören oft vulnerablen Gruppen an.

Anstrengende Arbeit der Ehrenamtlichen

Dennoch ist das Vorbereiten der Lebensmittel keineswegs weniger aufwändig als zuvor. Am Donnerstag- und Freitagabends müssen die Sachen von den Geschäften abgeholt werden, dann aussortiert, geputzt und eingepackt. Die insgesamt derzeit 41 ehrenamtlichen Helfer sind in vier Gruppen eingeteilt, sodass alle vier Wochen jeweils eine andere Gruppe dran ist. Durchschnittlich werden sieben Helfer pro Schicht dringend gebraucht, die dann alle Hände voll zu tun haben. Es gibt auch sogenannte Springer, wenn einer ausfällt.

Der überwiegende Teil der Helfer, zwei Drittel Frauen, sind im Rentenalter und darüber, sagt Claudia Kraus. Männer sind wegen ihrer meist größeren physischen Kräfte hocherwünscht. Sehr wichtig ist Tafelleiterin Claudia Kraus Diskretion. Alle Helfer seien zu strikter Vertraulichkeit angehalten, sowohl was Kunden als auch Lieferanten betrifft. Trotz der anstrengenden Arbeit seien viele Helfer seit Jahren und mit Freude dabei, weil sie erleben, dass sie etwas Sinnvolles tun und wirklich helfen können.

gi

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