B307-Ausbau zwischen Donau und Geisenhausen

"Können eine Bundes- nicht unterhalb von Staatsstraßenniveau planen!"

+
Behördenleiter Christian Rehm und Bernadette Wallner, Abteilungsleiterin für Planungen vom Staatlichen Bauamt Traunstein stellten die Ausbau-Varianten für die B307 vor.
  • schließen

Marquartstein - Am Dienstagabend stellte das Staatliche Bauamt Traunstein Varianten für den Ausbau der B307 zwischen Donau und Geisenhausen der Öffentlichkeit vor. 

Hier finden Sie die vollständige Präsentation des Staatlichen Bauamts

Es handelte sich am Dienstagabend im Weßner Hof um eine reine Informationsveranstaltung. Die Gemeinderäte von Schleching und Marquartstein tagten aus diesem Anlass, der Einfachheit halber, gemeinsam. Beide Gremien werden sich noch einmal jeweils mit den Planungsvariantenauseinander setzen und entsprechende Beschlüsse fassen. 

Der aktuelle Stand der Planungen. (Einige Schritte entfallen, da es sich um ein Ausbau- und kein Neubauprojekt handelt.)

"Das Thema beschäftigt uns schon seit vielen Jahren", berichtete Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck (Bürger für Marquartstein), "Der Zustand der B307 in diesem Bereich ist schon lange nicht mehr einer Bundesstraße würdig!" Er erinnerte daran, dass Bemühungen aus verschiedenen Richtungen schließlich 2016 dazu führten, dass das Bauamt sich bereit erklärte, konkrete Planungen für den Ausbau aufzunehmen. "Schon damals hatten wir den Wunsch, dass es vorab eine Informationsveranstaltung für die Grundstückseigentümer und Anlieger geben wird. Das hat so leider nicht stattgefunden." Zusätzlich habe es Verwirrung gegeben, als einige Grundstückseigentümer für Probeschürfungen  im Rahmen der Voruntersuchungen für das Projekt angeschrieben wurden. "Der beigelegte Trassenentwurf hat bei einigen für Missstimmung gesorgt." Schließlich gab es im November des vergangenen Jahres eine Informationsveranstaltung. "Da sind wir eigentlich, ohne das es eine große Ablehnung gegeben hätte, auseinander gegangen. Es gab allerdings diverse Anmerkungen." 

Ausbau dringend notwendig

Die Probleme des Ist-Zustandes (Teil1)

"Die B307 war bei unserer Streckenbereisung eine der ersten Strecken, die wir unter die Lupe genommen haben", berichtete Christian Rehm, der Anfang des Jahres die Leitung des Staatlichen Bauamts Traunstein von Sebald König übernommen hat. "Ich habe schon einiges gesehen, aber so etwas noch nicht! Der Handlungsbedarf ist sehr groß!" Ihm sei bewusst, dass es ein relativ großes Misstrauen gegenüber dem Projekt gebe und er hoffe nun Klarheit zu bringen und Ängste zu beseitigen. "Bisher ist noch gar nichts festgelegt!", betonte er, "Wir befinden uns noch ganz am Anfang, bei der Voruntersuchung!" Er betonte weiterhin, dass die Öffentlichkeit bei allen Planungsschritten mit eingebunden sei. "Gehen sie bitte nicht davon aus, dass wir in der nächsten Zeit grunderwerbstechnisch auf jemanden zugehen!" Vorher müsse das Baurecht geklärt sein. Eine Sache war ihm besonders wichtig: "Wir stellen heute keine 'Nullvariante' einer reinen Sanierung vor, der Ausbau steht außer Frage!"

Die Probleme des Ist-Zustandes (Teil2)

Im Anschluss stellte Bernadette Wallner, die Leiterin der Planungsabteilung die Varianten für den Ausbau der Bundesstraße vor. Die B307 zweigt in Marquartstein von der B305 ab und verläuft über Raiten und Schleching zur österreichischen Landesgrenze. Sie ist bis auf den Bereich zwischen Marquartstein und Donau relativ gut ausgebaut. Im Jahr 2011 wurde die Ortsumgehung von Raiten für den Verkehr freigegeben. Im Bereich von Donau entspricht der Straßen- und Steigungsverlauf nicht dem Standard einer Bundesstraße. Die Fahrbahnbreite sei mit teilweise unter fünf Metern Breite viel zu schmal. Durch den Lkw-Grenzverkehr komme es immer wieder zu Problemen im Verkehrsablauf und auch zu Unfällen in diesem Abschnitt. Durch den geplanten Ausbau sollen die Trassierung und der Verkehrsablauf verbessert werden, so Wallner. 

Ein Beispiel für die Mängel des momentanen Straßenquerschnitts.

Sie wies darauf hin, dass es sich insbesondere im Bereich Geisenhausen um keine Ortsdurchfahrt sondern eine sogenannte freie Strecke handle. Deshalb gibt es im gesamten Bereich keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Momentan fließe noch sehr wenig Verkehr über die Straße, was sich auch durch den Ausbau nicht drastisch verändern würde. Ebenso gäbe es bisher in diesem Bereich relativ wenig Unfälle. Durch die Sanierung dürften nun keine zusätzlichen Unfälle herbeigeführt werden, betonte Wallner. "Momentan fahren die Leute in diesem Bereich bereits wegen des schlechten Straßenzustands automatisch langsamer und vorsichtiger", erläuterte sie, "Wir dürfen nicht durch einen guten Zustand nach einer Sanierung die Möglichkeit für ein anderes Fahrverhalten suggerieren, ohne das die Straße tatsächlich dafür geeignet ist." Daher sei ein richtlinienkonformer Ausbau entscheidend. 

Die Planung für die Straße.

Daneben gäbe es noch eine Reihe weiterer "Zwangspunkte". Vor allem durchschneidet die Straße ein Fauna-Flora-Habitat (FFH) und das Überschwemmungsgebiet der Tiroler Achen. Außerdem durchquert sie bereits jetzt einen Hangrücken. Innerhalb des FFH-Gebiets müssten die durch den Straßenbau entstehenden Eingriffe möglichst minimal bleiben. Denn es beinhaltet auch ein Biotop mit besonderem Schutzcharakter nach Paragraph 30 des Naturschutzgesetzes, das nicht vom Ausbau betroffen sein darf. Im Überschwemmungsgebiet der Achen wiederum müsste darauf geachtet werden, dass deren Retentionsraum nicht verringert wird beziehungsweise bei einer Verringerung ersetzt wird. Dabei handelt es sic um eine ungenutzte Fläche, die bei Hochwasser überflutet wird und ein zu starkes Ansteigen des Wassers verhindert. Die bereits erfolgten Probeschürfungen hätten zudem ergeben, dass die Entwässerung der Straße sich äußerst aufwendig gestalten könnte. Denn der Boden im gesamten Bereich ist nicht sickerfähig.

Auszüge aus der Präsentation des Bauamtes zu den Planungsvarianten:

Varianten für den Ausbau der B307 zwischen Donau und Geisenhausen

 Im Anschluss stellte sie die drei Planungsvarianten für den Ausbau der Straße vor:

  • Die Breite ist an die der Ortsumfahrung Raiten mit sieben Metern angelehnt, obwohl acht Meter eigentlich der Standard für Bundesstraßen wäre. 
  • Im Bereich nach der Ortsumfahrung Raiten gibt es eine sogenannte "Unstetigkeitsstelle" mit zwei S-Kurven. Diese könnte im Rahmen des Ausbaus beseitigt und begradigt werden. Bei ihrem Verbleib könnte eine Genehmigungsfähigkeit für das Gesamtprojekt fraglich sein, so das Bauamt.
  • Alle drei Varianten entsprechen den Planungsrichtlinien für Bundesstraßen und haben eine annähernd gleiche Ausbaulänge. 
  • Sie sehen alle keinen Eingriff in den bestehenden Wald westlich von Geisenhausen und möglichst ein Beibehalten der Geraden im FFH-Gebiet vor.
  • Alle bieten die Möglichkeit der Beseitigung der Unstetigkeitsstelle am Bauanfang und des Anschlusses an den Bestand bei Geisenhausen.
  • Das Staatliche Bauamt bevorzugt die sogenannte "Variante grün", da diese einen größeren Abstand zur Wohnbebauung und einen moderaten Eingriff in das Überschwemmungsgebiet der Tiroler Achen bietet.
  • Es wurde auch eine Möglichkeit der "Variante grün" mit parallelem Geh- und Radweg geprüft. Der Geh- und Radweg hätte dabei eine Breite von 2,50 Metern und wäre von der Fahrbahn durchgehend mit einer Spitzrinne und einem Hochbord getrennt. Ein Grünstreifen ist nicht möglich, da dieser im FFH-Gebiet einen zu starken Eingriff bedeuten würde. Im Bereich der Hangdurchquerung ist auch eine Stützmauer angedacht.
  • Im Bereich des "Sonnenhofs" kann der bestehende Hochwasserschutzwall mittels einer Stützmauer abgefangen werden, sodass innerhalb des Walls keine Nutzflächen verloren gehen. 
  • Insgesamt wird das Projekt den Bund etwa 2,9 Millionen Euro kosten. 
Die Unterschiede der drei Varianten zusammengefasst

Im Anschluss gab es viele Fragen der anwesenden Gemeinderäte und übrigen Zuhörer. Unter anderem wollte Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck wissen, auf welche Geschwindigkeit die Strecke ausgelegt sein wird und ob ein Tempolimit auf 80 km/h möglich wäre. Auch einige Anwohner interessierte das. Dem entgegnete Wallner, dass die Planungen sich rein an den Vorgaben für Bundesstraßen orientieren."Für Maßnahmen zur Verkehrsregulierung beispielsweise durch Geschwindigkeitsbeschränkungen sind nicht wir, sondern wenn, dann die untere Verkehrsbehörde beim Landratsamt zuständ ig." Diese habe bereits mitgeteilt, dass sie keine Vorabentscheidung treffen würde. Scheck regte an, dass beispielsweise im Bereich Geisenhausen das Ortsschild versetzt werden könnte. 

Auch auf die Frage von Gemeinderat Peter Lloyd, ob die Kurven nicht mit engeren Radien geplant werden könnten, verwies Wallner auf die Notwendigkeit zur Einhaltung der Vorgaben für Bundesstraßen. Neben Lloyd kritisierten auch weitere Gemeinderäte und anwesende Bürger, dass die vorgestellten Varianten wenig Variationen beziehungsweise eine freiere Ausnützung der Umgebung bieten würden. 

Zahlreiche Zuhörer waren bei der Veranstaltung im Weßner Hof dabei.

"Wir müssen einfach gewisse Regeln einhalten. Wir können eine Bundesstraße nicht unterhalb von Staatsstraßenniveau planen!", mahnte auch Bauamts-Leiter Rehm auf diese und weitere Einwendungen, "Der Bund investiert da Millionen und wir vertreten hier seine Interessen." Würde man einfach nur sanieren und die Straße verbreitern, entstünde eine Bundesstraße mit dem Charakter einer Gemeindestraße. "Der Bund muss bei Bundesstraßen aber ein gewisses Niveau gewährleisten!", betonte er. Eine Herabstufung der Bundesstraße, wie aus der Zuhörerschaft vorgeschlagen, sei ebenfalls nicht Aufgabe des Bauamtes sondern des Bundesverkehrsministeriums. "Sicher gibt es bei Details Möglichkeiten für ein Entgegenkommen, aber vom Grundsatz her müssen wir uns an die Richtlinien halten!" Wallner betonte auf wiederholte Nachfrage, Dinge wie der Lärmschutz und andere Detailfragen würden erst in den nächsten Planungsstadien behandelt. Momentan ginge es noch um die Vorplanung des Streckenverlaufs. 

Betroffene Grundstücksbesitzer wollen mit einbezogen werden

An diesem Abend waren auch die acht von den Ausbauplänen betroffenen Grundstückbesitzer erschienen. Sie betonten, dass sie in dieser Sache einig handeln würden. Grundsätzlich seien sie für den Ausbau inklusive eines Geh- und Radwegs, jedoch müssten die Planungen, sowohl durch das Bauamt wie durch die Gemeinderäte, mit ihnen abgestimmt werden. Auf Grund ihrer überschaubaren Zahl sollte dies zumutbar sein. Auch sie kritisierten das vorzeitige Kursieren von Plänen im vergangenen Jahr. Außerdem bemängelten sie das bereits im November angeführte "Damonklesschwert der Enteignung". 

Die Gemeinden sollen nun binnen der nächsten drei Monate dazu Stellung beziehen, welche Variante sie bevorzugen, ob der Geh- und Radweg gewünscht ist und was mit der Unstetigkeitsstelle geschehen soll. "Sollte es zwischen den beiden Gemeinden keine Einigung geben oder eine Ablehnung jeglicher Planungen erfolgen, müssen notfalls wir die Entscheidung abnehmen", mahnte Rehm an. 

Zurück zur Übersicht: Marquartstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser