Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gemäuer aus dem 11. Jahrhundert

Wird die Burg Marquartstein zwangsversteigert? Seit sieben Jahren steht das Gebäude zum Verkauf

Die Burg Marquartstein aus dem 11. Jahrhundert wurde auch häufig von Künstlern gemalt.
+
Die Burg Marquartstein aus dem 11. Jahrhundert wurde auch häufig von Künstlern gemalt.

Wie jetzt unerwartet bekannt wurde, soll die Burg Marquartstein möglicherweise im Oktober versteigert werden. Seit November 2015 steht sie zum Verkauf, erst fünf Jahre lang bei Sotheby's in London, seit einigen Jahren bei dem Makler Oliver Herbst.

Marquartstein – Wie Bürgermeister Andreas Scheck auf Nachfrage bestätigte, wusste er bereits seit einiger Zeit, dass ein Bankhaus die Zwangsversteigerung anstrebe. Von einem Termin im Oktober, wie er in einigen Medien zu lesen war, war ihm allerdings nichts bekannt. Er werde die Sache mit dem Gemeinderat erneut diskutieren, ob die Gemeinde eventuell etwas unternehmen könne.

Vorgeschichte: Der bekannte Kunsthändler, Sammler und Buchautor Konrad Bernheimer, hatte die Burg 1987 erworben und grundlegend renoviert. Er nutzte die mittelalterliche, etwa 1075 erbaute Burg als Wohnsitz. Außerdem zeigte er dort exklusiven Käufern Gemälde und Kunstgegenstände im passenden Ambiente.

Im Jahr 2015 zogen Bernheimer und seine Frau aus, weil sie entschieden, die Burg eigne sich nicht als Alterssitz. Bernheimers vier Töchter und ihre Familien haben kein Interesse an der Burg, die wegen Zufahrt und mangelnden Parkplätzen außer für Wohnzwecke schwer zu nutzen ist. Konrad Bernheimer, Jahrgang 1950, war im Alter von zehn Jahren ins Internat des heutigen Staatlichen Gymnasiums in Marquartstein gekommen, wo er neun Jahre später das Abitur ablegte. Schon damals soll er sein Herz an die Burg verloren haben, weil er sagte, „später kaufe ich mal die Burg Marquartstein“, wie alte Marquartsteiner bis heute kolportieren.

Konrad Otto (nach seinem Großvater) Bernheimer wurde in Venezuela geboten, seine Mutter ist Venezolanerin. Als er mit vier Jahren nach München kam, konnte er kein Wort Deutsch. Noch in seiner im Jahr 2013 Biographie „Narwalzahn“ schrieb Bernheimer: „Marquartstein ist für uns nicht nur Zuhause und Familiensitz, wir laden hier auch sehr gerne Freunde und Kunden ein. (Und so mancher Sammler ist schwach geworden, wenn ich ihm ein ganz besonderes Gemälde in der Ruhe und Abgeschiedenheit meiner Bibliothek vorgeführt habe.)… Heute, nach über zwanzig Jahren, sind wir auf der Burg im 21. Jahrhundert angekommen. Wi-Fi in allen Räumen.“

Gutes Einvernehmen mit der Gemeinde

Die Gemeinde Marquartstein war von Anfang an sehr zufrieden, dass Konrad Bernheimer die Burg erworben und hervorragend renoviert hatte. Wie Bürgermeister Andreas Scheck auf Nachfrage im Gespräch sagte, habe immer ein gutes Verhältnis mit dem Burgbesitzer bestanden, der die Burg trotz Privatnutzung immer mal wieder für die Öffentlichkeit geöffnet habe.

Burg stammt von 1075

Der Bau der Burg geht auf das Jahr 1075 durch den Chiemgaugrafen Marquart von Marquartstein zurück. Sie erlangte große Bedeutung als bayerisches Pflegamt und Pfleggericht. In den Jahren 1928 bis 1958 war das heutige Staatliche Gymnasium Landschulheim dort als privates Internat untergebracht. Konrad Bernheimer kaufte die Burg 1987 von der Vorbesitzerin, Thea Baronin von Claparede-Crola, die auch nach wechselnden Besitzern vor ihr stark baufällig und heruntergekommen war. Da von der Originalsubstanz im Inneren nichts erhalten ist, waren die Innenräume nicht denkmalgeschützt, sodass Bernheimer sie gründlich renovieren und zum Teil umbauen ließ. Außen muss auch die geringste Änderung mit dem Amt für Denkmalpflege abgestimmt werden.

„Ich habe versucht, kunsthistorisch bewusst, einen Gesamtentwurf daraus zu machen“, erklärte Bernheimer 1998 in einem Gespräch mit der Berichterstatterin. Bernheimer verbrachte mit seiner Familie – seiner Frau Barbara und vier Töchtern – viele Wochenenden im Jahr auf der Burg und auch oft die Schulferien der Kinder.

Kommentare