Massive Unwetterschäden beim Forstbetrieb Ruhpolding

Revierleiter: „So einen Niederschlag in kürzester Zeit habe ich noch nie erlebt“

Revierleiter Florian Lutz besichtigt Unwetterschäden im Forstbetrieb Ruhpolding
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Revierleiter Florian Lutz vom Forstbetrieb Ruhpolding

Marquartstein/Grassau/Bernau - „So einen Niederschlag in kürzester Zeit habe ich noch nie erlebt – wirklich ein herausragendes Ereignis, stärker noch als 2013“, sagt Florian Lutz, Revierleiter des etwa 3000 Hektar großen Forstreviers Marquartstein, das zum Forstbetrieb Ruhpolding gehört.

In den 48 Stunden vergangenen Montag und Dienstag seien in den Bergen auf der Gesamtfläche des Forstreviers 225 Liter pro Quadratmeter niedergegangen – eine fast unvorstellbare Menge, da ein „normaler Starkregen“ 50 bis höchstens 100 l/qm abregnet. Das Forstrevier Marquartstein, das neben den Revieren Aschau, Schleching und Unterwössen zum Forstbetrieb Ruhpolding gehört, war am stärksten betroffen. Obwohl die schlimmsten Schäden schon an den folgenden drei Tagen so gut wie möglich beseitigt wurden, sieht es auf Forststraßen und Wanderwegen noch immer schlimm aus. Einige Wege sind für Wanderer und Biker noch gesperrt, bei anderen gilt besondere Vorsicht.


Riesige Erosionen und breiiger Schlamm

Bei einer Besichtigungsfahrt von Piesenhausen über Rottau Richtung Erlbergalm sind zum Beispiel an der Tennbodenreib, einer Haarnadelkurve in knapp 1000 Meter Höhe riesige Erosionen sichtbar. Auf der Schwarzbergstraße Richtung Lindlalm gingen drei schwere Muren ab. „Breiiger Schlamm und Erdreich türmten sich bis zu vier Metern Höhe auf der Straße, Bäume wurden ausgerissen und die Wasserdurchlässe waren zum Teil so zerstört, dass wir sie gar nicht mehr gefunden haben“, sagt Revierleiter Lutz.


Die Straße sei komplett mit Erdreich überfüllt gewesen, so dass zum Teil gar keine Straße mehr sichtbar gewesen sei. „Ein Brei, so weich wie Kuhfladen“, sagt Lutz, denn durch den vielen Regen sei alles so aufgeweicht gewesen, dass die Erdmassen schlicht „der Schwerkraft gefolgt“ und mit Macht in die Tiefe rutschten“. Sie rissen alles mit, was im Weg war.

Ziel der Waldbewirtschaftung sind heute stabile Mischwälde rmit jeweils etwa der Hälfte an Nadel- und Laubholz, darunter auch Tannen, die dank ihrer tiefen Wurzeln besonders stabilisierend wirken. Bei einem solchen Hochwasserereignis nützen allerdings auch sie nichts mehr, wie sich deutlich zeigte. Am Griessenbach in Rottau wurde eine Fußgängerbrücke von den Fluten total mitgerissen, so dass sie nicht mehr auffindbar war. In Hintergschwendt im Bereich Aschau wurden drei große Muren bereits beseitigt.

Steiniges Material zur Verfestigung

Glück im Unglück sei es gewesen, dass das Fuhrunternehme nAigner aus Marquartstein bereits einen Bagger am Bergwalderlebnisweg auf der Hochplatte stehen hatte, weil der Weg hergerichtet werden sollte, erklärt Lutz. So konnte gleich am Mittwoch mit den notwendigsten Reparaturarbeiten begonnen werden. Bagger- und Lastwagenfahrer brachten aus der Staffen-Kiesgrube in Unterwössen drei Lkw-Fuhren voll steiniges Material, das zur Verfestigung der Straßen und auch zum Einbau neuer Wasserabflussrohre verwendet wurde. Allein diese Sofortmaßnahmen kosteten rund 5000 Euro, schätzt Lutz.

Bis die Wasserschäden wirklich beseitigt worden sind, werde nnoch Monate ins Land gehen. Der Leiter des Forstbetriebs Ruhpolding, Paul Höglmüller schätzt, dass sich die Kosten auf rund 800.000 Euro belaufen werden. Noch war aus der Zentrale der Bayerischen Staatsforsten in Regensburg offiziell niemand zur Besichtigung der Schäden vor Ort. Das wird in den nächsten Wochen geschehen, so dass die Gelder bewilligt werden können.

gi

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