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Über 4000 Jahre Geschichte des Achentals

Neues Heimatbuch „Oberes Achental“ von Jürgen Dahlke und Clemens Eibner ist erschienen

Herausgeber Dr. Jürgen Dahlke freut sich über das gerade eben
erschienene neue „Heimatbuch Oberes Achental“, das nach
sieben Jahren intensiver Arbeit nun im Handel erschienen ist.
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Herausgeber Dr. Jürgen Dahlke freut sich über das gerade eben erschienene neue „Heimatbuch Oberes Achental“, das nach sieben Jahren intensiver Arbeit nun im Handel erschienen ist.

Was lange währt… Nach sieben Jahren Vorbereitung und unermüdlicher Arbeit durch Herausgeber und Autor Dr. Jürgen Dahlke und mit Hilfe mehrerer weiterer Autoren ist jetzt das neue „Heimatbuch Oberes Achental“ erschienen.

Marquartstein/Unterwössen - Das aufwändig wertvoll gestaltete Buch enthält 608 durchweg farbig illustrierte Seiten. In ihm wird die Bedeutung des Achentals als Handelsweg und urgeschichtliches Siedlungsgebiet genau untersucht. Es soll gezeigt werden, dass nicht der karge steinige Boden schon vor vielen hundert Jahren Siedler anlockte, sondern die leicht begehbare Nord-Süd-Passage vom Pass Thurn bis ins Alpenvorland. Das Siedeln am Fluss brachte viele Vorteile, auch wenn es die immer wieder auftretenden Jahrhunderthochwasser und Sumpfzonen erschwerten. Die in zahlreichen Schriften überlieferte „Siedlungsfeindlichkeit“ des Achentals soll widerlegt werden.

Dr. Jürgen Dahlke, der im Brotberuf 20 Jahre lang in Vogtareuth Wirbelsäulenchirurg war, lebt seit 33 Jahren mit seiner Familie in Unterwössen. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit Heimatgeschichte. „Das Besondere an dem Buch ist, dass es sich mit der Ur- und Frühgeschichte des Achentals befasst, die noch weitgehend unbekannt ist. Professor Clemens Eibner, der sowohl in Heidelberg als auch Wien einen Lehrstuhl inne hatte, hat sich eingehend mit den archäologischen Funden befasst und nachgewiesen, dass es eine Besiedelung gegeben haben muss“, so Dahlke im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das 2012 erstmals erschienene und 2019 neu aufgelegte, verdienstvolle Buch „Archäologische Funde im Achental“ stütze sich ausschließlich auf Funde der Sondengänger, die aber keinen Aufschluss darüber geben könnten, ob es Besiedlungen gab, sagt Dahlke. Der Prähistoriker Professor Clemens Eibner weise jedoch nach, dass es im Achental mindestens drei Höhensiedlungen gegeben habe, in denen Metall verarbeitet wurde.

Denn die über die letzten Jahrzehnte von Hobbyarchäologen häufig geborgenen Fundstücke bieten nicht die klassischen Siedlungshinweise wie sie im benachbarten Priental, Salzachtal oder Inntal vorliegen, stellen die Autoren fest. Den Grund dafür sehen die Forscher in der Erosion und Sedimentation der Tiroler Achen. Durch ihr riesiges Einzugsgebiet und die enorme Wasserführung kam es immer wieder zu erheblichen Veränderungen im Überschwemmungsgebiet. Außerdem gab es hier nur wenige spektakuläre Funde, so dass Archäologen bisher noch nicht genauer im Achental forschten. 

Die heutige archäologische Forschung auf hohem wissenschaftlichen Niveau wurde in den letzten Jahren stark verfeinert und reicht von Begehungen und Grabungen bis zu Luftbildern, Pollenanalysen, C14-Kartierung organischer Materialien und zur Analyse organischer Funde. Dazu gibt es heute auch die Thermolumineszenz (Methode zur Altersbestimmung von Keramik durch Erhitzung von Kristallen) keramischer Bruchstücke, die weit reichende Erkenntnisse liefern kann.

Da alle diese Untersuchungsmethoden mit hohem finanziellen Aufwand verbunden sind, kamen sie bisher für das Achental nicht in Frage, vermuten die Autoren. Nach Wunsch der Herausgeber sollen die Lücken im Nachweis der Achentaler Urgeschichte in diesem Heimatbuch durch großräumige Betrachtung der nördlichen Alpentäler und durch den Vergleich ihrer Funde verringert werden. Denn in vielen Alpentälern war die Nähe der Bodenschätze wie Salz, Kupfer und Eisen sowie der transalpine Handel der Motor der Entwicklung.

Mittelalter im Achental

Ein weiterer Schwerpunkt des Heimatbuchs ist das Mittelalter, wobei auch hier nicht allzu viele Funde vorliegen. Lediglich die ab dem 12. Jahrhundert erhaltenen urkundlichen Erwähnungen in Klosterarchiven erleichtern die Geschichtsbetrachtung. Der Brand des Grassauer Pfarrhauses im Jahr 1791 vernichtete viele Urkunden. Beim Stadtbrand in Traunstein von 1851 gingen vermutlich weitere Urkunden von Unterwössen verloren und wahrscheinlich auch von der Burg Marquartstein. Dem Schulbenefiziaten und Pfarrer von Siegsdorf, Johann Josef Wagner (1796 bis 1871) ist es zu verdanken, dass noch auf seine Abschriften von Urkunden vor dieser Zeit zurückgegriffen werden kann. 

Burg Marquartstein

Ein weiterer wichtiger Akzent des Buches liegt auf der Burggeschichte von Marquartstein sowie der Familiengeschichte des Sighardingers Markwart und der Adelheid von Lechsgmünd. Allein Gräfin Adelheid von Marquartstein hat in der heimatgeschichtlichen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts eine verwirrend große Zahl von Vorfahren und verschiedenen Titeln. 

Burg Marquartstein wurde im 11. Jahrhundert gegründet. Die heute nur noch als Burgstalle nachweisbaren Ministerialburgen entstanden im 12. Jahrhundert, wie die Autoren zeigen. Die hohe Dichte an Burgen im Leukental und im Achental weist zum einen auf den Stellenwert des Alpenpasses in Bezug zu Salzburg hin, zum anderen auf die Bedeutung als wichtiger Handelsweg. Das erkannte schon Heinrich IV., als ihm nach seinem berühmten Gang nach Canossa papsttreue Anhänger die großen Alpenpässe versperrten.

Wichtiges Thema des Heimatbuchs liegt auf der Säkularisation der Klöster, die im Achental Grundbesitzer waren und bei der nachfolgenden Umgestaltung der Verwaltungsebenen mit verantwortlich waren. Mit dem Steuerdistrikt von 1818 wurden für  120 Jahre das Kirchdorf Unterwössen, die Burg und das „Filialdorf“ Marquartstein vereint.

Die meisten Abschnitte des Buches enden mit dem Jahr 1938, als Marquartstein seine Selbstständigkeit erlangte. Der Bau der Lokalbahn bildete den Grundstein für einen steilen wirtschaftlichen Aufstieg des ehemaligen „Filialdorfes“ und führte zur Bildung der eigenen Gemeinde. Dennoch wurden einige Kapitel des Heimatbuchs bis in die Gegenwart weiter geführt, so der Aufbau der Stromerzeugung aus Wasserkraft, die jüngere Geschichte der Burg Marquartstein, die Entstehung der Chiemgau-Klinik, Kirchen- und Schulgeschichte. Die eingestreuten Lebenserinnerungen, Familien- oder Wilderergeschichten stellen das frühere Dorfleben sehr lebendig dar. Sie beginnen meist vor der Wende zum 20. Jahrhundert und enden in der Nachkriegszeit. So folgt der Aufbau des Heimatbuches nicht streng den Zeitabläufen, sondern führt in Zeitsprüngen zu verschiedenen Themen.

 Prominente Unterstützer                              

Eine ganze Reihe wichtiger Persönlichkeiten wirkten bei der Erstellung des neuen „Heimatbuch Oberes Achental“ mit und lieferten Textbeiträge, so aus Unterwössen die Heimatpfleger Bernhard und Anton Greimel, der frühere Bürgermeister von Marquartstein Hans Daxer, die bekannte Reit im Winkler Autorin Roswitha Gruber, die über „Erinnerungen an den Bichlhof“ schrieb, Peter Fischer aus St. Johann über das „Leukental“, und Diplomgeologe Gerhart Hogger aus Freilassing übernahm die „geologische Wanderung“. Heimatforscher Wolfgang Reicherseder stellte sein bisher unveröffentlichtes Manuskript über die „Burg Hohenstein“ zur Verfügung. Die schwierig verständlichen Passagen in mittelalterlichem „Verwaltungs-Bairisch“ übersetzte Hilde Perz aus dem alten „Aschenbrenner“, einem Standardwerk zur Achentaler Heimatgeschichte. Ein besonderer Glücksfall war der Einsatz von Professor Clemens Eibner aus Wien, der innerhalb von drei Jahren das Achental mehrfach beging und durchforschte. Bei seiner Beschreibung der Achentaler Ur- und Frühgeschichte kam er zu manch abweichender Beurteilung im Vergleich zu früheren Beiträgen zur Achentaler Urgeschichte. 

Dr. Christian Later und Dr. Gerhard Ongyerth vom Denkmalamt München übernahmen Korrekturarbeiten. Das Layout gestaltete Hans Vodermaier von der Grassauer Firma „publicdesign“ und für liebevolle Details sorgten die Künstler Georg Beyer und Christian Dögerl aus Marquartstein sowie Toni Blank und Andreas Kuhnlein aus Unterwössen. Finanziell gesponsort wurde das Buch vom Erzbistum München und Freising, dem Lionsclub Marquartstein-Achenal, der Gemeinde Unterwössen und mehreren Privatpersonen. Das Buch ist zum Ladenpreis von 59 Euro bei der Buchhandlung Mengedoht mit Filialen in Reit im Winkl, Prien und Traunstein (Stifel am Stadtplatz) erhältlich sowie bei Dr. Jürgen Dahlke, Telefon 08641/697391.

gi

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