"Sonnenhäuser" geplant

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Regina Zeißl und Robert Graf Pachta wollen das heute verwilderte, frühere Zeißl-Bad einer neuen Nutzung zuführen: Eine Firma will "Sonnenhäuser" bauen.

Marquartstein - Unschlüssig ist der Gemeinderat über eine Anfrage der Simex Baugesellschaft GmbH aus Poing, die am Ortsrand von Piesenhausen bauen möchte.

Unschlüssig ist der Gemeinderat über eine Anfrage der Simex Baugesellschaft GmbH aus Poing, die am Ortsrand von Piesenhausen nach einem "Sonnenhaus-Konzept" vier Einfamilienhäuser, ein Doppelhaus und einen Bungalow mit Garagen errichten möchte.

Seit etwa drei Jahrzehnten ist das ehemalige Zeißl-Bad am äußersten Ortsrand von Piesenhausen unbenutzt. Die alten hölzernen Umkleidekabinen und die Toilettenhäuschen Katzbergstraße sind noch zu sehen, auch die Mauern des ehemaligen großen Beckens auf dem etwa 3300 Hektar großen Grundstück der Familie Zeißl, das durch wilden Bewuchs überwuchert ist.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war im Zeißl-Bad Lehm abgebaut und zu Ziegel oder Dachschindel gebrannt worden, von denen noch heute welche auf manchen Dachstadeln im Achental zu finden sind, wie in der Häuserchronik Marquartstein von Josef Bock zu lesen ist. Peter Zeißl, der Großvater des jetzigen Besitzers, baute die Lehmgrube nach dem Erwerb 1930 zu einem Schwimmbad aus. Bis in die 70-er Jahre war das Zeißl-Bad in Piesenhausen ein beliebter Treffpunkt im Sommer zum Baden, im Winter zum Eisstockschießen.

Schon lange bemühen sich Regina und Günter Zeißl um eine vernünftige Nutzung des Grundstücks. Mit ihren drei Kindern im Alter von neun, zehn und 15 Jahren wohnen sie beengt in einer Zweieinhalbzimmer-Wohnung in Unterwössen zur Miete. In den drei letzten Jahren gab es mehrmals Bauvoranfragen von Zeißls, die im Gemeinderat wegen ungeklärter Wasser- und Straßenerschließung des Grundstücks nicht positiv beschieden werden konnten. Robert Graf Pachta, Immobilienmakler, stellte vor einigen Monaten die Verbindung zur Firma Simex-Bau her, die in Zusammenarbeit mit einer Energieberatungs- und Sanierungsfirma aus München ein umfassendes Konzept für die oben genannten Bauten ausarbeitete.

Wie Bauamtsleiter Eric Oberhorner dem Gemeinderat erläuterte, würde für die genannte Zahl der Häuser das oberhalb des Zeißl-Grundstücks gelegene, gemeindliche Grundstück von rund 2000 Quadratmeter mit einbezogen. Die Baufirma würde das Grundstück der Gemeinde für rund 275000 Euro abkaufen und die gesamten Kosten für die Straßenerschließung übernehmen. Vorher gesichert durch einen städtebaulichen Vertrag würde der Gemeinde nach Abschluss der Bauarbeiten die Straße übergeben.

Möglicher "Haken" bei der Sache sind die Sonnendächer, die Richtung Süden vollständig mit Sonnenmodulen bedeckt werden. Dabei handelt es sich um ein neuartiges Kombimodell, mit dem sowohl Warmwasser, Strom als auch die Heizung betrieben werden könnten. Die Energieeffizienz dieser Häuser liegt nahe an dem von Passivhäusern. Bei einem Einfamilienhaus könnten jährlich rund 3500 Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist werden, zehnmal mehr als ein durchschnittlicher Haushalt mit vier Personen benötigt. Dadurch würde der Jahresstrombedarf von 60 bis 70 Häusern produziert, so dass die Häuser aufgrund der Einspeisevergütung auch finanziell günstig wären.

Vermittler Robert Graf Pachta hält es unter dem sozialen Aspekt für "besser als jedes Einheimischenmodell", erklärte er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Das Konzept wurde bereits Kreisbaumeisterin Mechtild Herrmann vorgelegt, die sich grundsätzlich positiv äußerte, aber verlangte, dass wegen der Umgebungsbebauung ein ortsübliches Satteldach wenigstens durch eine kürzeres Dachteil auf der Gegenseite angedeutet werden soll. Bei der Gestaltung am Baukörper seien viele Möglichkeiten vorhanden, auch Fensterläden, Holzverschalung und anderes, erläuterte Bauamtsleiter Eric Oberhorner. Es seien auch in "abgespeckter Form" weniger Häuser in der Art ohne das gemeindliche Grundstück zu bauen.

Bürgermeister Andreas Dögerl gab zu bedenken, dass die Häuser nur 70 Meter nördlich von dem restriktiven Negativbebauungsplan in Piesenhausen liegen, allerdings nicht mehr in seinem Geltungsbereich. Hier könnte ein eigener Bebauungsplan aufgestellt werden. Solche Häuser seien allerdings "schwer vermittelbar", meinte Dögerl.

Mehrere Gemeinderäte beider Fraktionen äußerten sich grundsätzlich positiv zum Konzept der "Zukunftshäuser", auch wenn die äußere Gestaltung manchen "Bauchschmerzen" verursachte. Bernd Polleichtner sagte, "wir werden uns dran gewöhnen müssen, denn wenn man zur Atomkraft "nein danke" sage, müsse man eben Kompromisse eingehen. Kilian Pfohl hielt es für ein gutes Konzept, das sogar als "Vorzeigemodell" für die ökologische Ausrichtung des Dorfes dienen könnte. Und Gabi Noichl meinte, es sei "sympathisch, wenn mal was Neues hinkommt". Die selbst gestellte Frage von Josef Moritz "Sollen wir uns trauen?" bejahte er nach einigen Überlegungen. Da noch weitere Vorschläge zur Gestaltung der Häuser abgewartet werden sollen, fällte der Gemeinderat noch keinen Beschluss.

gi/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Achental

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser