Der Mast bleibt stehen

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Ein Dorn im Auge ist vielen Bürgern in Reit im Winkl der Mobilfunkmast auf dem Dach der Polizeistation.

Reit im Winkl - Seit 1999 betreibt der Mobilfunkanbieter "O2" mitten in Reit im Winkl auf dem Dach der örtlichen Polizeistation einen vier Meter hohen Mobilfunkmast.

Seit fast dem gleichen Jahr kämpft die "Bürgeraktion Mobilfunk R.i.W." vehement gegen den Betrieb dieser Funkstation - bisher ohne jeglichen Erfolg.

Jetzt hatte man in der Tatsache, dass der zehnjährige Mietvertrag mit dem Hausbesitzer, dem Polizeipräsidium Oberbayern, in diesem Jahr ausläuft, die Chance gesehen, endlich den ungeliebten Funkmast loszuwerden. Der Hoffnungsschimmer währte für die Aktionsgruppe allerdings nur kurz. Nach intensivem Briefwechsel zwischen den beteiligten Stellen bleibt für die um ihre Gesundheit besorgten Bürger die ernüchternde Erkenntnis: Auch in den kommenden fünf Jahren wird der Mast wie bisher betrieben.

Bereits im April diesen Jahres hatte Bürgermeister Josef Heigenhauser das Polizeipräsidium Oberbayern Süd schriftlich aufgefordert, den Mietvertrag zu kündigen, schließlich gebe es von Seiten der Bevölkerung "massive Beschwerden auf Grund der Strahlenwerte". Dies habe sogar zum Wegzug einer jungen Familie mit zwei kleinen Kindern geführt.

Monika Mayer ist die Mutter der beiden Kinder und bestätigt auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung, dass nach ihrer Ansicht - und auch nach Meinung des sie behandelnden Arztes - ihre einjährigen massiven Kopf- und Zahnschmerzen von der Strahlenbelastung des Funkmastes herrühren müssen. Schon kurz nach ihrem Wegzug seien diese Schmerzen verschwunden.

Auch andere Bürger, welche in der Nähe der Station leben, klagen über Beschwerden, 22 Fälle wollten zwei örtliche Allgemeinärzte vor einigen Jahren der hohen Strahlenbelastung zurechnen. "O2" dagegen verweist darauf, dass man "deutlich" unter den gesetzlichen Normen bleibe, und bewertet die Aussagen der Bürgerinitiative schriftlich als "Aktivitäten von Nachbarn, die in der Bevölkerung durch unzutreffende Informationen ängste schüren". Albert Fetsch, Pressesprecher bei "O2" in München erklärt auf Anfrage, dass der Standort der Antenne vor der Montage mit der Kommune genau abgestimmt worden und dass ein alternativer Platz für den Mast technisch unsinnig sei. Jede Standortverschiebung führe zu erheblichen Qualitätsverlusten bei der Nutzung des Mobiltelephons.

Auch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd sieht keinen Handlungsbedarf, die vertragliche Vereinbarung zu ändern: Eine außerordentliche Kündigung könne nur ausgesprochen werden, wenn Grenzwerte nicht mehr eingehalten werden. Welchen Betrag "O2" jährlich an Miete an den Hausbesitzer zu bezahlen hat, dazu wollte Pressesprecher Fetsch keine Auskunft geben, dass sie - wie gemutmaßt wird - einige 1000 Euro betrage, aber auch nicht dementieren.

Was nach 2014 mit dem Funkmast passieren wird, sei ungewiss. Zwar sei "O2" eine weitere Option auf eine fünfjährige Vertragsverlängerung zugesichert, "aber bis dahin kann sich viel ändern".

Walter Kellermann, Sprecher der "Bürgeraktion Mobilfunk", räumt unumwunden ein, dass die Entwicklung "schon recht frustrierend" sei. Schließlich sieht man in der Bevölkerung großen Rückhalt für die Aktionsgruppe. Mit ihrer Unterschrift dokumentierten 538 Bürger am Ort ihre Zustimmung für die Ziele der Initiative. "Wir werden uns auch weiterhin zweimal jährlich treffen", so Kellermann, "um weitere Möglichkeiten auszuloten, wie dem Mast beizukommen" sei.

Chiemgau-Zeitung/re

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