Minister: "Wir lassen Sie nicht allein"

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Schadensbegutachtung mit (von links) dem Staudach-Egerndacher Bauern-Obmann Martin Schweiger, CSU-Staatsminister Helmut Brunner, MdL Klaus Steiner und Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl.
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Staudach-Egerndach - Alle Fragen der Landwirte konnte Staatsminister Helmut Brunner bei seinem Besuch im Chiemgau nicht beantworten. MdL Klaus Steiner hatte ihn empfangen.

Brunner versprach neue Hochwasser-Schutzmaßnahmen - mit neuen Überschwemmungsflächen, sogenannten Retentionsräumen, und gegebenenfalls Poldern - in der Region. Im Zuge dessen sollen die heimischen Landwirte Grundstücke zur Verfügung stellen: "Dafür werden sie selbstverständlich entschädigt. Auch wenn sie dann immer noch Hochwasser-Schäden und damit verbundene Ernteausfälle zu beklagen haben sollten". Der Minister meinte obendrein, dass ihm klar ist, dass die Landwirte die nun auftretenden Probleme nicht alleine schultern können und versprach: "Wir lassen Sie nicht im Stich, keiner soll in seiner Existenz gefährdet werden".

Hochwasser-Schäden an der Tiroler Ache bei Staudach-Egerndach.

Vertreter aus dem Landratsamt und den Fachgruppen, die Chiemgau-Bürgermeister, das Wasserwirtschaftsamt, die Kreisverbände und Obmänner aus dem Achental waren gekommen, um dem Minister nicht nur die immensen Schäden zu zeigen, sondern auch für sie wichtige Fragen zu stellen: "Wie und in welcher Höhe werden wir entschädigt", war dabei die am meisten geäußerte.

115 Millionen Euro Schaden bei Bauern

Starkregen und Hochwasser haben in der bayerischen Landwirtschaft Schätzungen zufolge einen Schaden von 115 Millionen Euro verursacht. Rund 30.000 Hektar Ackerland, 35.000 Hektar Grünland und 2.500 Hektar Gartenbaufläche seien betroffen, teilte das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in München mit. Auch Betriebsgebäude, Maschinen und landwirtschaftlich genutzte Wege und Brücken wurden beschädigt. Zudem soll es Hilfe bei Ernteschäden geben, die Ernteausfälle in diesem Jahr werden beträchtlich sein.

5.000 Euro Soforthilfe

Beim Ortstermin in Staudach-Egerndach betonte Brunner, dass geschädigte Landwirte eine Soforthilfe von bis zu 5.000 Euro beantragen können, um ihre dringendsten Ausgaben abzudecken. Darüber hinaus soll es weitere Unterstützungen geben. Ein solidarischer Hochwasser-Fonds ist angedacht und soll in den kommenden Monaten ausgearbeitet werden.

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Um drei Dinge ging es Gastgeber Klaus Steiner, dem heimischen CSU-Landtagsabgeordneten, beim Besuch des Ministers: Um die Schäden im Achental, das künftige bayerische Hochwasserprogramm und die Möglichkeiten, neue Räume für Hochwasserfluten im Raum Übersee zu schaffen.

An der Tiroler Ache unweit von Staudach-Egerndach war der Damm auf einer Länge von zirka 300 Metern rechtsseitig gebrochen und hatte eine größere Fläche überschwemmt. Hier ist der Damm rechts absichtlich "weicher" angelegt als links, um die dort liegenden Bebauungen zu schützen. Rechts wurde lediglich ein Haus in Mitleidenschaft gezogen.

Wohin mit Kies, Sand und Schlamm?

Mit das größte Problem für die heimischen Landwirte: "Wie bekommen wir den ganzen Kies und den Sand von unseren Feldern und vor allem wohin damit". Fragen, die der Minister an die örtlichen Stellen weitergab. Der Hochwasser-"Abfall" soll an einer Stelle zentral gesammelt und schließlich abtransportiert werden. Teilweise bedeckt bis zu einem halben Meter Kies und Schlamm die landwirtschaftlichen Flächen.

Staudach-Egerndachs Bauern-Obmann Martin Schweiger fordert unter anderem eine entsprechende Entschädigung für den massiven Ernte- und Futterausfall, den die Landwirte aufgrund der Hochwasserflut nun zu beklagen haben: "Die dreckigen Flächen sind ein Riesenproblem, das kann ein einzelner nicht mehr stemmen".

Naturschützer kommen nicht gut weg

Teilweise handelt es sich auch um FFH-Gebiete, der Biber verursacht immer wieder Schäden am wichtigen Baumbestand - einer schimpfte: "Herr Minister, Sie müssen auch mal den Naturschützern den Riegel vorschieben und Einhalt gebieten. Sie dürfen alles, haben die Macht, werden wie heilige Kühe behandelt". Helmut Brunner schmunzelte und dachte sich seinen Teil.

Der Minister: "Wir streben saubere Lösungen an, müssen uns aber künftig auf derartige Witterungsverhältnisse einstellen. Wichtig ist es in erster Linie, die Bebauungen zu schützen. Noch wichtiger ist es, dass wir uns vor Hochwasser schützen, anstatt erst später zu reagieren", so der CSU-Politiker. "Es reicht nicht mehr, nur Dämme zu bauen. Stattdessen müssen Flächen geschaffen werden, die man gezielt überschwemmen kann".

Milliarden für den Hochwasserschutz

Brunner hofft in diesem Zusammenhang auf die Landwirte und dass sie ihre Flächen zur Verfügung stellen. Der Hochwasserschutz wird ausgebaut, der Politiker nannte folgende Zahlen: 2,3 Milliarden Euro für den bayernweiten Hochwasserschutz bis 2023, davon sind bereits 1,6 Milliarden Euro verbaut. 115 Millionen Euro sind aktuell bereitgestellt, eine Summe, die auf 150 Millionen Euro aufgestockt wird. Plus allein 600 Millionen Euro für den Donau-Ausbau.  

bit

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