Nahversorgung in Gemeinde gesichert

Schleching - Über 100 Schlechinger Bürger haben in einer Versammlung am Freitag im Gasthof "Zur Post" die "Dorfladen Unternehmensgesellschaft (UG)" auf den Weg gebracht.

"Zur Sicherung des Ortsbildes sowie der dauerhaften Gewährleistung der Nahversorgung" hatte sich zuvor die Gemeinde entschlossen, das Anwesen Weiß mit dem jetzigen "Frischeladen" zu erwerben (wir berichteten).

Zu dieser Gründungsversammlung hatten Bürgermeister Josef Loferer und der Vorsitzende des Dorfladen-Arbeitskreises, Dr. Jan Bodo Sperling, eingeladen. Mit 91 gültigen Stimmen wurden zum neuen Beirat gewählt: Claus Rathje (87 Stimmen), Rudolf Lermer (84), Martha Rappl (83), Vroni Bachmann (79) und Johannes Bidell (76). Die Gründung der "Dorfladen Unternehmensgesellschaft" wurde mit den als Gesellschafter und Treuhänder benannten Vroni Bachmann, Johannes Bidell und Martha Rappl und der Geschäftsführerin Manuela Dreisigacker, Letztere zeitlich begrenzt für den zunächst halbjährigen Geschäftsbetrieb, vertraglich notariell festgelegt.

Wie Bürgermeister Loferer betonte, sei am 19. Dezember mit den bisherigen Käufern des Anwesens, Manfred Mix und Thomas Gasser, und den ursprünglichen Eigentümern, den Schwestern Agnes und Elisabeth Weiß, eine sehr gute einvernehmliche und reibungslose Lösung für den Kauf des Anwesens durch die Gemeinde gefunden worden (wir berichteten). Am 21. Dezember wurde der Aufhebungsvertrag mit den bisherigen Käufern und der Kaufvertrag zwischen den Schwestern Weiß und der Gemeinde notariell unterzeichnet. Auf die im Raum stehende Frage, warum die Gemeinde erst zu diesem späten Zeitpunkt gekauft hat, sagte der Bürgermeister, dass die Gemeinde das bürgerschaftliche Engagement zur Entwicklung des Dorfladen-Konzeptes zunächst nicht durch hoheitliches Eingreifen beeinflussen, sondern nur fördern wollte.

Der Weiterbetrieb des Ladens über die Weihnachtsferien könne nun trotz der Kürze der Zeit und dank der Zustimmung von Agnes und Elisabeth Weiß gewährleistet werden. Lediglich in der zweiten und dritten Januarwoche seien, bedingt durch die Umstellung der Betriebsnummer beim Lieferanten Edeka, Engpässe im Sortiment möglich. Für die nächsten sechs Monate sei der Weiterbetrieb unter der Geschäftsführung von Manuela Dreisigacker mit den bisherigen Mitarbeitern festgelegt. Natürlich könnten noch nicht alle Wünsche aus der Bürgerbefragung im August realisiert werden. "Der Laden soll ein Bürgerwerk sein", so der Bürgermeister.

"Die monatelange Arbeit ins Ungewisse ist nun vorbei", sagte Arbeitskreis-Vorsitzender Sperling. Von jetzt an brauche das Projekt "Dorfladen" die volle Unterstützung und Solidarität aller. Im Namen des Arbeitskreises dankte er allen, die das Projekt trotz aller Ungewissheit mit aktiver Arbeit, mit Tat und Rat und mit Geduld kraftvoll unterstützt haben, dies gelte in erster Linie und ausdrücklich dem sogenannten "Altbeirat", der vor der Entscheidung des Gemeinderates, das Gebäude zu erwerben, zurückgetreten war.

Für den "Altbeirat" (Johannes Bidell, Stephan Greif, Peter Kapeller, Claus Rathje und Daniela Reschberger) fasste Claus Rathje die Arbeit der letzten Wochen zusammen. Mit Bauingenieuren, der Lebensmittel-Überwachung und der Gewerbeaufsicht und Bewerbern habe der Beirat zahlreiche Gespräche geführt, die zur Vorbereitung des Dorfladen-Geschäftsbetriebes gedient hätten. Der Beirat sei schließlich zurückgetreten, weil er sich nicht in der Lage gesehen habe, den Dorfladen zu verwirklichen. "Konflikte führen zu Klärungsprozessen und brechen festgefahrene Strukturen", lautete Rathjes Resümee. Er dankte den Bewerbern und der Belegschaft des Frischeladens für die Gespräche.

"Der alte Beirat hatte viel zu erledigen und ist in stürmischen Gewässern gefahren", würdigte der Bürgermeister dessen Arbeit.

Zunächst werde nun ein reibungsloser Lieferservice sichergestellt. Danach ist Zug um Zug die Umsetzung des Dorfladenkonzeptes vorgesehen, unter anderem mit stärker regionalen Lieferanten, der neuen Ladengestaltung mit Verlegung des Eingangs, Zuschussanträgen und einem mittelfristigen Mietvertrag. Anfang Januar werden die stillen Gesellschaftsanteile eingefordert. "Weitere Zeichnungen von Gesellschaftsanteilen sind möglich", betonte der Bürgermeister. Er dankte allen, insbesondere der Verwaltung für die Unterstützung über die Feiertage. "Nun gilt es, gut einzukaufen, damit unser Projekt ein gutes Projekt wird."

bre/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Achental

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser