Wie "nass" ist Ruhpolding wirklich?

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2009 gab es auch in Seehaus mehr Sonnen- als Regentage, wie der Besitzer des Gästehauses "Seehaus", Georg Bichler, bestätigte.

Ruhpolding - "Der nasseste Ort Deutschlands lag im vergangenen Jahr in Bayern. Nach den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes hat es 2009 nirgendwo in der Bundesrepublik mehr geregnet, als in Ruhpolding-Seehaus.

Dort wurden insgesamt 2456 Millimeter Niederschlag gemessen." Diese Meldung der Deutschen Presseagentur (dpa) rauschte kürzlich durch den Blätterwald der Zeitungen und rief vor allen Dingen die Ruhpoldinger Tourismusverantwortlichen auf den Plan.

Allen voran Tourismusdirektor Martin Haßlberger wollte wissen, wie dieses Ergebnis zustande kam, zumal in dem rund zehn Kilometer entfernten Ortsteil Seehaus nur ein privater Niederschlagsmesser steht und keine computergesteuerte, offizielle Station. Außerdem sei Seehaus aufgrund der geografischen Lage "absolut ungeeignet" um für Ruhpolding zuverlässige, durchschnittliche Niederschlagsmengen zu ermitteln. Messungen des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein hätten nämlich belegt, dass die Niederschlagsmenge im Ortskern des Tourismusortes dieselbe sei wie in den Orten der Umgebung. Niederschläge seien zudem nicht nur mit Regen gleichzusetzen, sondern beinhalten auch Schneefälle und von denen habe es im Winter 2009 gerade in diesem Bereich überdurchschnittlich viel gegeben. Auch der Besitzer des Gästehaus Seehaus, Georg Bichler, bestätigte, dass es 2009 - genauso wie in den Jahren davor - zwar starke Regenschauer gab, die Schönwetterperioden aber weit in der Überzahl waren.

Eine Stellungnahme des Deutschen Wetterdienstes ließ auch nicht lange auf sich warten. Dr. Jörg Rapp von der regionalen Klimaüberwachung der Dienststelle relativierte das nur für 2009 geltende Ergebnis in Bezug auf touristische Belange. So würde die Niederschlagsmenge nichts über die Andauer des Niederschlagsgeschehens aussagen, da im Sommerhalbjahr die stärksten Regenfälle oft nur schauerartig auftreten.

So habe es offenbar im Mai 2009 in Ruhpolding "zufällig" häufiger Schauer als in anderen Orten Südbayerns gegeben. Touristisch gesehen von Vorteil sei, dass die Messung auch die Schneefälle des Winterhalbjahres beinhalten. Auch bei anderen Stationen des bayerischen Alpenbereiches, zum Beispiel Aschau-Stein oder Balderschwang, seien ähnliche Größenbereiche an Niederschlägen gemessen worden.

Doch auch ein überaus erfreuliches Ergebnis hätten die Wetteraufzeichnungen für Ruhpolding ergeben. Im Jahr 2009 habe hier überdurchschnittlich häufig die Sonne geschienen, nämlich rund 25 Prozent länger als normal. "In keinem anderen Ort Südbayerns hat es eine derart große positive Abweichung gegeben", bemerkte Rapp. Er räumte auch ein, dass Niederschläge räumlich stark variieren können, so zum Beispiel zwischen Seehaus und dem Ort. "Das heißt aber wiederum, dass Ruhpolding-Seehaus offensichtlich nicht repräsentativ ist für ganz Ruhpolding", sondern der Wert der Station in der Nähe des Ortszentrums. Hier seien nämlich nur 2052 Millimeter Niederschlag gemessen worden. Und das dürfte die Ruhpoldinger, die Touristiker und vor allem auch die Gäste wieder zufriedener stimmen.

hbw/Chiemgau-Zeitung

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