Ochsen-Drama im Chiemgau

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Staudach-Egerndach – Tierdrama am Fuße des Hochgern im Chiemgau: 21 Ochsen stürzten offenbar in Panik eine etwa 25 Meter hohe Felswand hinunter – bis auf ein Tier sind alle tot.

Landwirtin Irmi Murr hat „null, null, null“ Erklärung für das Unglück, im Ort kursieren die seltsamsten Gerüchte: Ein Heißluftballon könnte durch „zischende“ Geräusche die Tiere aufgeschreckt haben. Oder war es ein freilaufender Hund? Oder ein Fuchs? Die Gerüchte beschäftigen vor allem den Ort Waging, wo die Landwirtsfamilie Murr ihren Naturland-Hof hat. „Schon bei der Sonnwendsfeier am Wochenende hat sich’s rumgesprochen“, sagt der Grünen-Landtagsfraktionschef und Biobauer Sepp Daxenberger, der die Familie Murr gut kennt.

Die Vorderalm, wo die Tiere seit Ende Mai grasten, ist eine schöne Ausflugsalm für Wanderer auf dem Weg zum Hochgern (1748). Der Senner Konrad, ehemals Holzknecht im Dienste der Stadt Traunstein, nun schon über 75, ist in der Gegend legendär, er serviert Brotzeit und Getränke, repariert die Weidezäune, treibt die Tiere beim schlechten Wetter in den kleinen Stall und ist so etwas wie der „gute Geist“ auf der Alm.

Der Tod der Ochsen hat ihn schwer mitgenommen. Derzeit sowieso im Krankenstand, ist er jetzt regelrecht traumatisiert. „Er will gar nicht mehr auf die Alm rauf“, sagt Landwirtin Irmi Murr. Am Samstag gegen 7 Uhr in der Früh hatte ein Wanderer die toten Tiere am Fuße einer Felswand zwischen Vorderalm und der Staudacher Alm auf etwa 1200 Metern Höhe entdeckt und die Polizei in Grassau informiert. Mehrere Tiere lagen nach dem Absturz direkt auf einer Forststraße, andere hatten sich in den Ästen der umstehenden Bäume verfangen. In Panik hatten sie einen erst jüngst wieder hergerichteten dreireihigen Stacheldrahtzaun übersprungen und waren in den Abgrund gestützt. „Nur gut, dass um diese Zeit niemand auf der Straße unterwegs war“, sagt Bäuerin Irmi Murr. Ein tragisches Unglücksfall, dessen Ursache wohl niemals bekannt wird. Die Polizei in Grassau sieht jedenfalls keinen Anlass für Ermittlungen – die Theorie, ein Wanderer könne die Tiere aufgescheucht haben, nennt der stellvertretende Dienststellenleiter „an den Haaren herbeigezogen“.

Nur zwei der Bio-Jungochsen lebten noch, als Landwirt Franz Murr aus Waging an der Vorderalm eintraf. Einer war aber so schwer verletzt, dass er sofort getötet wurde. Ein Ochse blieb unversehrt und kam zurück nach Waging, wo die Familie Murr im Nebenerwerb (sie betreibt noch einen Getränkemarkt) 14 weitere Tiere hält. Alle sind Bio-Rinder, bekommen nur „hausgemachtes“ Futter ohne Spritzmittel und auch kein Gen-Soja. Bauer Franz Murr blieb nichts anders übrig, als die toten Tiere in die Tierkörperverwertung zu geben. Aus Waldkraiburg rückte ein Spezialfahrzeug an, entlegene Kadaver mussten erst mit einem Rückewagen zum Transporter geschafft werden.

Auf dem Schaden bleibt die Landwirtsfamilie wohl sitzen. Bis zu 1500 Euro kostet so ein Jung-Ochse, schätzt Fachkenner Daxenberger. Aber Familie Murr will nicht aufgeben. „Wir werden versuchen, die Alm wieder aufzubauen“, sagt Irmi Murr tapfer.

dw

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