Pause für Sendemast?

Reit im Winkl - Hatte der Gemeinderat im März dem Bau eines Sendemastens im Waldgebiet zugestimmt, hat er jetzt ein Moratorium (Stillhalteabkommen) für den Bau beschlossen.

Hatte der Gemeinderat noch Mitte März dem Bau eines 40 Meter hohen Sendemastens im Waldgebiet unweit der Nattersbergalm zugestimmt, ohne dass dieser Beschluss für größeres Aufsehen gesorgt hatte, hat er jetzt einstimmig ein Moratorium (Stillhalteabkommen) für den Bau beschlossen.

Inhaltlich ging es dabei um die Aufstellung eines Sendemastens für das bundesweit geplante digitale Netzsystems "diginet". Auf Initiative einer seit Jahren am Ort in dieser Richtung aktiven Bürgergruppe forderte der Gemeinderat am Dienstagabend ein Moratorium seitens des bayerischen Innenministeriums, das im Freistaat für den Aufbau dieses Netzsystems verantwortlich zeichnet.

Größere gesundheitliche Bedenken waren im März weder von den Räten oder der Verwaltung ins Feld geführt worden, zumal der geplante Mast etwa fünf Kilometer vom Ort entfernt ist und in die Planung auch die "Bürgeraktion Mobilfunk Reit im Winkl" involviert war.

Nun aber formiert sich bayernweit breiter Widerstand gegen die Einrichtung dieses Funksystems, immer wieder werden dabei die offenbar nicht bis ins Detail kalkulierbaren Strahlenbelastungen ins Feld geführt. In einem Brief an den Gemeinderat hatten Vertreter der Bürgeraktion darum gebeten, die Gemeinde möge sich der Forderung von bisher 70 Gemeinden im Freistaat anschließen, die eine solche Bedenkpause für dieses Funksystem fordern. Dieses Moratorium soll insbesondere zur Prüfung der derzeit vorgesehenen Technik genutzt werden, dieses Tetrafunk-System sei "veraltet", wie in dem Anschreiben der Bürgeraktion der Atomphysiker Professor Dr. Klaus Buchner zitiert wird.

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Für Verärgerung bei den Räten sorgte die Nachricht, dass um Reit im Winkl zwei weitere Funkmasten geplant seien. Diese sind mit ihren Standorten auf dem Walmberg und dem Scheibelberg im Winklmoosgebiet zwar ebenfalls nicht in unmittelbarer Wohnbebauung, Bürgermeister Josef Heigenhauser nannte die Informationspolitik des Betreibers allerdings "sehr problematisch". Erst auf telefonischer Nachfrage hin hatte er am Tag vor der Sitzung von dieser Absicht Kenntnis erhalten.

Eine Zustimmung seitens des Gemeinderats ist für die beiden weiteren Standorte nicht notwendig, da sie bestehende Anlagen ergänzen können. Einige Gemeinderäte wandten jetzt allerdings auch ein, den offiziellen, staatlichen Gutachten, wonach diese Anlagen gesundheitlich völlig unbedenklich seien, keinen Glauben schenken zu wollen. ,Ich bin mir nicht sicher, ob diese Belastung für den Menschen gut ausgeht", sagte beispielsweise Walter Petersen (Freie Wähler).

Schließlich stimmte der Rat geschlossen für die Forderung nach dem Moratorium, allerdings, um eher ein Zeichen der Solidarität mit jenen 70 Gemeinden zu bekunden, als dies mit der Hoffnung zu verbinden, damit das Projekt entscheidend beeinflussen zu können. Die Aufstellung des Mastens im Gebiet Nattersbergalm hatte der Rat baurechtlich zu prüfen und ja bereits beschlossen.

ost/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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