"Radarfalle" für die Bundesliga-Torjäger

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Toni Bösl aus Grassau vor seinen Radarsensoren in der Münchner Allianz-Arena. Die Anlage erfasst hinter dem Tor den ganzen Strafraum. Morgen hat sie im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart ihren letzten Einsatz in dieser Bundesligasaison. Ob Robbens Rekord noch einmal überboten wird?

Grassau - Fußballprofis scheuen mit ihren schnellen Luxusautos Radarfallen. Von Toni Bösl aus Grassau lassen sich die Stars aber gern "blitzen" - Bösls Messgeräte stehen nämlich in den Fußballstadien.

Mit einem weltweit einmaligen System misst der Unternehmer aus dem Chiemgau die Schussgeschwindigkeit der Fußballstars. Ballspeedometer heißt die Anlage, die Bösl mit seinen Mitarbeitern bei den Bundesliga-Heimspielen des FC Bayern München und des 1. FC Nürnberg installiert. Sie besteht aus acht schwarzen handtellergroßen Radarsensoren, die mit einem Computer verbunden sind. So erfahren die Fernseh-Zuschauer, mit welchem Tempo Gomez und Ribéry den Ball ins Netz jagen.

Das schnellste gemessene offizielle Tor ist ein Treffer der Marke "Fliegender Holländer": Mit 125,8 km/h schmetterte Arjen Robben in der vergangenen Saison den Ball ins Netz - der 2:1-Siegtreffer des FC Bayern im Heimspiel gegen den SC Freiburg.

Erst vor kurzem, im letzten Heimspiel gegen Schalke (4:1), hat Robben aber einen neuen Münchner Rekord aufgestellt, allerdings nur beim Aufwärmen vor dem Spiel: 133,8 km/h zeigte Bösls Speedometer beim Schuss des Niederländers an - so schnell war in der Allianz-Arena noch nie ein Ball durch den Messbereich geflogen.

Eine pfiffige Idee und nette Spielerei, mag mancher denken. Aber für Bösl ist es viel mehr als das. Es ist seine berufliche Existenz. Ballspeedometer heißt nämlich nicht nur die von Schweizer Sensorik-Experten entwickelte Technologie, sondern auch die Firma. Auf der Kundenliste stehen neben den Bayern und Nürnberg zahlreiche Agenturen, Event-Veranstalter, Amateurvereine und Schulen. Sie mieten den patentierten Ballspeedometer, den Bösl exklusiv vertreibt. Seine Mitarbeiter liefern die Anlage, bauen sie auf und wieder ab.

Das gilt auch für die Allianz-Arena und das Nürnberger Stadion. Die acht Radarsensoren hinter den Toren erfassen den ganzen Strafraum. "Unser System ist weltweit das einzige, das die Geschwindigkeit auch aus dem Spiel heraus messen kann", sagt der Grassauer, bei dem sich auch privat und im Ehrenamt viel um den Fußball dreht: Der Sportökonom ist Vater von vier fußballspielenden Kindern und Vorsitzender des Kreisklassisten ASV Grassau. Alle anderen Messverfahren funktionieren nach Angaben Bösls, der auch mehrere Jahre für den Bayerischen Fußballverband gearbeitet hat, nur bei ruhenden Bällen wie Freistößen und Elfmetern. Die feine Technik des Speedometers erfasst den Ball dagegen auch im dichtesten Strafraumgewühl.

Dabei ist Schussgewalt nicht alles. So reichten Gomez und Müller gegen Schalke Tempo-30-Zone-taugliche beziehungweise 48 km/h, um den Ball an Nationaltorwart Neuer vorbei ins Netz zu streicheln. Erzählungen, wonach englische Profis auf der Insel Schüsse mit rund 150 km/h abgefeuert hätten, hält Bösl für Legenden: "Solche Werte sollen vor 15 Jahren per Kamera-Replay gemessen worden sein. Das ist sehr fragwürdig und physikalisch kaum möglich."

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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