Bergdorf verliert immer weniger Wasser

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Reit im Winkl - Das marode Leitungsnetz ließ vor noch nicht allzu langer Zeit Unmengen an Trinkwasser im Boden versickern.

Allgemeine Zufriedenheit herrschte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats: Zum einen konnte Bürgermeister Josef Heigenhauser im Rahmen des Jahresberichts des Wasserwerks erneut einen deutlichen Rückgang der Trinkwasserverluste bekanntgeben, zum anderen muss die Berggemeinde nur 20 Prozent der Kosten für die Tiefgesteinsbohrungen bezahlen und nicht, wie zwischenzeitlich befürchtet, den vollen Umfang in Höhe von 236000 Euro.

Die immensen Wasserverluste die Gemeinde, die noch 2005 genau 47,9 Prozent betragen hatten, zwangen zum Handeln: Die Mitarbeiter des Wasserwerks mit Wassermeister Anton Wilfert und Andreas Schmuck kümmerten sich seit Bekanntwerden der Lecks in den Trinkwasserleitungen mit Nachdruck und sehr erfolgreich darum, mit einem eigens gekauften Suchgerät größere Leckstellen ausfindig zu machen und die undichten Rohre zu erneuern. Sukzessive konnten so die Verluste verringert werden, in diesem Jahr auf nurmehr 8,3 Prozent - ein Ergebnis, das vom Gemeinderat in der Sitzung mit Beifall bedacht wurde.

Der Bürgermeister fügte hinzu, diese positive Entwicklung sei nicht zuletzt aufgrund der "guten Zusammenarbeit des Wasserwerks mit den beiden Mitarbeitern des Klärwerks, Gerhard Grünbacher und Martin Obertanner," zustande gekommen. Auch in Zukunft würden die Anstrengungen zur weiteren Reduzierung der Wasserverluste fortgesetzt. Bekannt wurde aber auch, dass der Trinkwasserverbrauch innerhalb der Gemeinde von 192000 Kubikmeter (2009) auf 183000 Kubikmeter (2010) zurückgegangen sei.

Im Jahr 2003 begannen in den Weißgräben die Tiefgesteinsbohrungen, in den Dolomitklüften am Masererpass waren frühzeitlich eingeschlossene Trinkwasservorkommen vermutet worden. Der Freistaat Bayern wollte die Kosten für diese Bohrungen aus Forschungsgründen nur dann finanzieren, wenn das Wasser später nicht als Trinkwasser für den Tourismusort genutzt werden könne. Nachdem sich mittlerweile herausgestellt hat, dass das Wasser von hoher Qualität ist, werden diese Quellen derzeit an das örtliche Trinkwassernetz angeschlossen. Bis zu 15 Prozent der im Ort benötigten Wassermenge kann in den kommenden Jahren von diesen Tiefquellen bezogen werden.

Was aber passiert mit den Bohrungskosten in Höhe von 236000 Euro? Aufgrund der hohen Verschuldung der Berggemeinde versuchte Bürgermeister Heigenhauser gegenüber Vertretern der Regierung zu argumentieren, die Probleme mit der Wasserversorgung resultierten auch aus einem Ölunfall vor vielen Jahren. Hilfe wollte man also aus dem so genannten "Katastrophenfond" der bayerischen Staatsregierung erhalten. Diesem Gedankengang wollte man allerdings nicht folgen, auch eine Bedarfszuweisung für in finanzielle Not geratene Kommunen kam für Reit im Winkl nicht in Frage.

Auf ein weiteres Schreiben des Bürgermeisters gelangte man im Gesundheitsministerium nun offenbar zu einem neuen Betrachtungswinkel, um die Finanzierung der Bohrungen einzuschätzen: "Unter Berücksichtigung des Forschungscharakters der Erkundung" und dem "generellen Erkenntnisgewinn" werde die Forderung auf Rückerstattung von 236000 auf 47000 Euro reduziert, wie Staatssekretärin Melanie Huml jetzt schrieb. "Ein bisserl was geht immer", erklärte Bürgermeister Heigenhauser zu diesem Verhandlungserfolg, den dessen Stellvertreter Andreas Heigenhauser auch der "Kreativität und Raffinesse" des Rathauschefs zuschreiben wollte.

ost/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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