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Hochwasserschutz im Gebirge hochaktuell

Exkursion in Reit im Winkl mit Wasserwirtschaftsamt und Forst

Fachkundige Erläuterungen bei der Exkursion gaben Dipl. Ingenieur Andreas Baumer vom Wasserwirtschaftsamt Traunsteiner (am Megafon) und Revierförster Sven Bussemer von den Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb Ruhpolding
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Fachkundige Erläuterungen bei der Exkursion gaben Dipl. Ingenieur Andreas Baumer vom Wasserwirtschaftsamt Traunsteiner (am Megafon) und Revierförster Sven Bussemer von den Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb Ruhpolding
  • VonJosef Hauser
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„Als ich diese Veranstaltung vor vier Wochen geplant habe, wusste ich noch nicht, welche Brisanz die Thematik bekommen wird.“ Dies sagte Alfred Janzik, der Regionalbeauftragte der Hanns-Seidel-Stiftung, bei der von dieser ausgerichteten Exkursion rund um den Hausberg von Reit im Winkl mit dem hochaktuellen Thema „Die Natur und der Hochwasserschutz im Gebirge“. Fachkundige Erläuterungen gab es dabei von Dipl. Ingenieur Andreas Baumer vom Wasserwirtschaft Traunstein und vom für dieses Gebiet zuständigen Revierförster Sven Bussemer vom Forstbetrieb Ruhpolding.

Reit im Winkl – Bei der Wanderung entlang des Hausbachs erklärte Dipl. Ingenieur Andreas Baumer den derzeit im Bau befindlichen Hochwasserschutz für Reit im Winkl. Schadensereignisse in der Vergangenheit hätten gezeigt, dass das bestehende aus Naturstein gemauerte Trapezgerinne am Hausbach, das im Ortszentrum zum Teil durch Straßen und Häuser überbaut ist, die geforderte Sicherheit gegen Hochwasserereignisse nicht gewährleisten kann. Im Rahmen von Vorwegmaßnahmen wurde nach dem Hochwasser 2005 bereits die Situation am Glapfweiher verbessert und die Geschiebesperre unterhalb des Wasserfalls saniert. Neu gebaut wurden jetzt zwei Geschiebe- und Wildholzrückhaltesperren am Feichtl- und am Lettengraben.

Das Tosbecken am Ende der Hausbachausbaustrecke nach der Querung der Tiroler Straße ist ebenfalls bereits fertiggestellt. Von der Tiroler Straße bis zur Birnbacher Straße wurde im zuletzt fertig gestellten Bauabschnitt das neue, größere Gerinne des Hausbachs mit Betonfertigteilen verlegt. Bis 2023 soll der noch fehlende Teil des Gerinneneubaus und damit der Hochwasserschutz Hausbach abgeschlossen werden. Die Baumaßnahme wird voraussichtlich zirka 7,7 Millionen Euro kosten. Die Gemeinde Reit im Winkl beteiligt sich mit etwa 30 Prozent an den Kosten.

Im weiteren Verlauf der Wanderung kamen die Teilnehmer auch an alten, aber noch funktionsfähigen Wildbachsperren oberhalb des Hausbach-Wasserfalls vorbei. An diesen Sperren konnten sich die Wanderer ein Bild von der harten Arbeit in der Wildbachverbauung machen, wenn keine Zufahrt mit Maschinen möglich ist. Die Sperren wurden damals, so wie heute auch noch, vom Wasserwirtschaftsamt errichtet, um die Sohle des Wildbachs zu stabilisieren und damit ein Abrutschen der oft labilen Seitenhänge zu verhindern. Würde zu viel Material aus den Böschungen durch den Wildbach ins Tal transportiert, käme es im bebauten Bereich zu Geschiebeablagerungen und Verklausungen und damit sehr oft zu immensen Hochwasserschäden an Häusern und Infrastruktur.

„Hochwasserschutz beginnt in einem gesunden, gemischten Wald“, sagte der zuständige Revierförster Sven Bussemer. Das Hauptwassereinzugsgebiet der südbayerischen Flüsse sei der Alpenraum. Dies bedeute hohe Niederschläge auf großer Fläche. Der geländebedingt rasche Abfluss des Regenwassers kann nur durch den Bergwald gebremst werden. Rund die Hälfte des bayerischen Alpenraums ist mit Wald bedeckt. Bei größerflächigen Waldverlusten durch Sturm oder Insektenbefall steigen der Oberflächenabfluss und die Bodenerosion deutlich an. Eine auf Hochwasserschutz ausgerichtete Waldbewirtschaftung schützt den Boden vor Abtrag und erhält ihn in einer guten Struktur.

Aufstieg am Hausbach-Wasserfall

„Es ist wichtig, Bäume unterschiedlichen Alters auf der Fläche zu haben, wenn eine Altersstufe ausfällt, rücken die jüngeren nach, ohne dass der Boden längere Zeit ungeschützt ist“, führte Bussemer weiter aus. Der Boden unter Mischwäldern sei locker aufgebaut und erlaube damit eine höhere Durchfeuchtung und eine verzögerte Abgabe von Regenwasser, was Hochwasserspitzen mildern könne. „Im Gebirge stehen uns mit Fichte, Tanne, Buche, Bergahorn, Lärche, Kiefer und Bergulme ausreichend viele verschiedene Baumarten für einen gemischten, stufigen Aufbau zur Verfügung, die auch viele verschieden Standortangebote wie Wärme, Bodenstruktur oder Niederschlagsangebot nutzen können“, so der Revierförster. Die Waldbewirtschafter in Bayern, allen voran die Bayerischen Staatsforsten, greifen durch eine aktive Bewirtschaftung der Bergwälder steuernd in natürliche Abläufe ein, erhalten Anteile bestimmter Baumarten und unterstützen eine dauerhafte Waldbestockung.

Die Exkursion der Teilnehmer führte über den alpinen Hausbachsteig entlang des Hausbach-Wasserfalls bis zum Glapfweiher und zur Glapfalm, wo die Exkursionsteilnehmer Brotzeit machten. Wegen eines herannahenden Gewitters musste das Seminar etwas früher als geplant beendet werden. Die jüngste Teilnehmerin der Exkursion war acht Jahre alt, der älteste 78.

sh

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