Bebauungsplan „Am Steinbachweg“ wird geändert

„Leuchtturmprojekt“ Gut Steinbach in Reit im Winkl darf Personalgebäude endlich bauen

Bebauungsplangebiet von Westen - Auf dieser Fläche am Steinbachweg ist das Personalgebäude mit zwölf Wohneinheiten des Hotelbetriebs Gut Steinbach geplant.
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Bebauungsplangebiet von Westen - Auf dieser Fläche am Steinbachweg ist das Personalgebäude mit zwölf Wohneinheiten des Hotelbetriebs Gut Steinbach geplant.

In Reit im Winkl wird der Bebauungsplan „Am Steinbachweg“ jetzt geändert. Damit darf das Gut Steinbach ein Personalgebäude mit zwölf Wohneinheiten bauen. Gegenstimmen kamen unter anderem von den Freien Wählern und dem Bund Naturschutz Bayern.

Reit im Winkl – Als Satzung beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die erste Änderung des Bebauungsplans „Am Steinbachweg“. Dabei fand auch eine Abwägung der eingegangenen Stellungnahmen im Rahmen der erneuten öffentlichen Auslegung und Behördenbeteiligung statt.

Grund für das Verfahren ist, dass im Zusammenhang mit dem Hotelbetrieb Gut Steinbach nördlich des Hotelstandorts entlang dem Steinbachweg die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung eines Personalgebäudes mit zwölf Wohneinheiten geschaffen werden sollen. Zur Sicherung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung in diesem Bereich hatte die Gemeinde Reit im Winkl in öffentlicher Sitzung des Gemeinderats im April 2013 die Einleitung eines Verfahrens zur Änderung des Bebauungsplans „Am Steinbachweg“ beschlossen.

Bei der Gemeinderatssitzung am 2. Februar dieses Jahres mit Abwägung der bis dahin eingegangenen Stellungnahmen fand in der Zeit vom 12. Februar bis 5. März eine erneute öffentliche Auslegung und Behördenbeteiligung statt. Die daraufhin eingegangenen Stellungnahmen wurden nun in dieser Sitzung abgewogen.

Stellungnahmen zur Änderung des Bebauungsplans

Von der Unteren Bauaufsichtsbehörde im Landratsamt Traunstein lag die Stellungnahme vor, dass trotz einer jüngst erfolgten Verkürzung des Baufensters auf rund 39 Meter der massive Baukörper mit einer möglichen Grundfläche von 600 Quadratmetern unverändert bleibe und daher aus ortsplanerischer Sicht negativ zu beurteilen sei.

Bürgermeister Matthias Schlechter (CSU) gab dazu den Abwägungsvorschlag des Planungsbüros bekannt, wonach das Gebäude im ortstypischen Baustil entsprechend der Ortsgestaltungssatzung errichtet und dadurch gestalterisch in den Bestand integriert werde. Weiterhin trage die straßenseitige Begrünung mit Großbäumen zur Einbindung bei. Der Gemeinderat sah zu dieser Stellungnahme mehrheitlich keine Planänderung veranlasst. Dieser und die folgenden Beschlüsse wurden mit jeweils zwischen zwei und fünf Gegenstimmen gefasst.

Einen gleichlautenden Beschluss fasste das Gremium in Bezug auf die von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt vorliegende Stellungnahme, wonach eine Ausnahme von den Verbotstatbeständen nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz in Aussicht gestellt wird, wenn eine dingliche Sicherung der Ausgleichsfläche vorliegt. Diese war dem Amt von der Gemeinde vor kurzem übermittelt worden.

Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein sah in seiner Stellungnahme seine früheren fachlichen Informationen und Empfehlung im Wesentlichen in der aktuellen Planung berücksichtigt. Mit der erneuten Vorlage der Planungsunterlagen zur Änderung des Bebauungsplans ergäben sich keine neuen wasserwirtschaftlichen relevanten Sachverhalte.

Der Bund Naturschutz in Bayern hatte beanstandet, dass ein so großes Gebäude nicht in unmittelbarer Nähe zum ebenfalls sehr großen Hotel und dem Chaletdorf geplant wird. An der geplanten Stelle in freier Natur und gegenüber von kleinteiliger Bebauung widerspreche das Gebäude dem Ziel einer organischen und behutsamen Siedlungsentwicklung. Zudem werde eine geschützte Biotopflache zerstört. Vom Planungsbüro lag hierzu die Stellungnahme vor, dass es im Nahbereich des Hotels keinen Standort gebe, der die funktionalen und räumlichen Anforderungen an ein Personalhaus in vergleichbarer Weise wie am nun vorliegenden Standort erfülle. Außerdem zeige die vorhandene Ausgleichsfläche aufgrund der vorherrschenden Artenzusammensetzung gute Voraussetzungen für eine Aufwertbarkeit. So beschloss der Gemeinderat auch hier mehrheitlich keine Planänderung, dieses Mal bei zwei Gegenstimmen.

Die Anwohner eines Nachbaranwesens am Steinbachweg hatten unter anderem bemängelt, dass schon vor einigen Jahren Rodungen am Steilhang durchgeführt worden seien, obwohl sie wegen der Schutzfunktion nicht erlaubt seien. Es sei zu befürchten, dass wegen der Baumaßnahmen noch viel mehr Bäume gefällt würden. Komme der Hang zum Rutschen, komme es zur Katastrophe für die Anlieger.

Nach Auskunft des Planungsbüros erfolgten die genannten Entnahmen von Einzelbäumen im Rahmen der normalen Durchforstung und dienten zur Stabilisierung des Hanges. Weitere Entnahmen als bisher vorgenommen würden nicht erfolgen. Die dauerhaften Verluste von Waldflächen seien bei der Eingriffsregelung und Ermittlung der Ausgleichsflächen berücksichtigt worden. Im Übrigen liege die Hangsicherheit auch im erheblichen Interesse des Bauherrn. Auch zu dieser Stellungnahme wurde bei zwei Gegenstimmen keine Planänderung beschlossen.

„Leuchtturmprojekt“ für Reit im Winkl

Martin Wilhelm (CSU) sprach sich vor dem abschließenden Satzungsbeschluss eindeutig für eine Zustimmung aus. Der Hotelbetrieb Gut Steinbach sei ein „Leuchtturmprojekt“ für ganz Reit im Winkl, und um ein entsprechend hochqualifiziertes Personal zu halten, brauche es ein Quartier, in dem es sich wohlfühle. Bürgermeister Matthias Schlechter führte unter anderem aus, dass schon bei den bisherigen Baumaßnahmen im Gut Steinbach nahezu ausschließlich einheimische Handwerksbetriebe beauftragt worden seien.

Mit einem Stimmenverhältnis von 10 zu 5 beschloss der Gemeinderat schließlich die erste Änderung des Bebauungsplanes „Am Steinbachweg“ einschließlich der Begründung in der Fassung vom 2. Februar gemäß den Bestimmungen des Baugesetzbuches als Satzung. Die Gegenstimmen kamen von Fred Hanrieder (CSU), Gerhard Grünbacher, Beppo Landenhammer, Georg Speicher und Georg Weber (alle Freie Wähler). Sie sprachen sich im Wesentlichen gegen das Projekt aus, weil es ihrer Meinung nach auf der geplanten Fläche störend ist.

sh

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