Nach Schafsrissen bei Reit im Winkl

Wolf in der Region: „Nur Zufall, dass es keine weiteren Vorfälle gab“

Für Hans Stöckl, Geschäftsführer vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO), ist es Zufall, dass der Wolf nicht erneut zugeschlagen hat
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Ein Wolf hat in der Region immer wieder Schafe gerissen. nun ist er aber offenbar weiter gezogen. Für Hans Stöckl (rechts), Geschäftsführer vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO), ist dies aber nur Zufall.

Reit im Winkl/Tirol – Im Juni sorgten mehrere tote Schafe für Aufsehen, nachdem ein Wolf diese im Landkreis Traunstein und in Tirol nachweislich gerissen hat. Dass es zu keinen weiteren Vorfälle kam, sei laut dem Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern aber auf keine präventiven Maßnahmen zurückzuführen. 

„Es ist nur Zufall, dass es keine weiteren Vorfälle in unserer Region gegeben hat. Das ist aber nicht auf den Herdenschutz zurückzuführen. Ende August gab es in Österreich noch Vorkommnisse“, erklärt Hans Stöckl, Geschäftsführer vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO) gegenüber chiemgau24de.


Durchziehender Wolf im Landkreis Traunstein: Keine weiteren Vorfälle

Der Wolf, der im Landkreis Traunstein und in Österreich aktiv war, sei laut Stöckl vielmehr ein durchziehender Wolf. Eine DNA-Probe des Raubtiers ergab Ende Juli, dass dieser aus der Dinarischen Population Südosteuropas (z.B. Slowenien, Kroatien) stammt und somit erstmalig in Deutschland nachgewiesen worden ist.


Auch das Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) bestätigte gegenüber chiemgau24.de, dass es keine weiteren Vorfälle gab. Demnach wurden 2020 bisher fünf Fälle in Bayern dokumentiert. Im Januar im Landkreis Neustadt an der Waldnaab, im Juni im Landkreis Traunstein, Mitte Juli im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, am 25. Juli im Landkreis Aichach-Friedberg und Anfang August im Landkreis Ostallgäu. Bei allen handelt es sich um unterschiedliche Wölfe, lediglich bei den letzten beiden Fällen geht das LfU davon aus, dass es „wahrscheinlich dasselbe Tier“ ist.

Stöckl: „Almen können nicht eingezäunt werden“

Damit in Zukunft keine weitere Tiere von Wölfen gerissen werden, gibt es die Förderrichtlinie „Investition Herdenschutz Wolf“ des Freistaates. Diese unterstützt die Landwirte finanziell bei der Installation von beispielsweise Zäunen. Für Stöckl sei dies jedoch keine Alternative: „Almen können nicht eingezäunt werden.“ Zuletzt forderte auch Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber eine EU-weite Lösung.

Zudem sei die Alm kein schützbares Gebiet. In Schutzgebieten würde der Landwirt laut „Aktionsplan Wolf“ des LfU bei Schäden an einem Nutztier durch den Wolf eine Ausgleichszahlung erhalten. „Die Bauern erhalten in so einem Fall den Verkehrswert, also den Preis, den das Tier bei einem Verkauf erbracht hätte. Das ist aber nicht das, was die Landwirte glücklich macht. Oft gibt es zwischen Mensch und Tier auch eine emotionale Bindung“, so Stöckl.

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Einteilung in geschützte und nicht geschützte Flächen

Problematisch ist aber derzeit auch ein anderer Punkt. Für die Landkreise Rosenheim und Traunstein besteht keine Einteilung zwischen geschützter und nicht geschützter Fläche. Diese sollten noch in diesem Jahr eingeteilt werden, so die Forderung der AVO. Bei nicht geschützten Flächen wäre es zudem sinnvoll, einen Wolf sofort erschießen zu können.

Nachdem der Wolf, der für die Tötung bei Reit im Winkl zuständig war, aber offenbar weitergezogen ist und die Almen demnächst abgetrieben werden, bliebe genügend Zeit die Forderungen umzusetzen. Bis zum nächsten gerissenen Schaf dürfte es vermutlich ruhig bleiben.

jz

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