Sichtungen in Reit im Winkl und an Hochries

Der Wolf in der Region? Das fordert Ministerin Michaela Kaniber

Michaela Kaniber will den Landwirten beistehen
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Um dem Wolf Herr zu werden, fordert Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber praktikablen Herdenschutz.

Reit im Winkl/Samerberg - Die Meldungen über Wolfssichtungen häufen sich, auch in der Region sollen schon einzelne Tiere gesehen worden sein. Da er sich derzeit wohl vermehrt zwischen Österreich und Deutschland bewegt, sieht Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber Handlungsbedarf auf internationaler Ebene.

"Der Bund ist gefragt, endlich globaler zu agieren und eine EU-weite Bewertung des Erhaltungszustands auf den Weg zu bringen", fordert Bayerns Umweltministerin und Landtagsabgeordnete für das Berchtesgadener Land, Michaela Kaniber, im Zusammenhang mit den jüngsten Wolfssichtungen.


Der Wolf soll sowohl bei Reit im Winkl, als auch an der Hochries gesehen worden sein. Im angrenzenden Tirol wurden mehrere Schafe gerissen. Die DNA-Analyse läuft noch. Experten sind sich aber ziemlich sicher, dass es sich um einen Wolf handelt. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sieht sich deshalb bestätigt: "Die jüngsten Schafsrisse zeigen, dass wir eine Abgrenzung von Weideschutzgebieten brauchen."

Aktionsplan Wolf: Wo ist Herdenschutz zumutbar?

Ein Kernpunkt des 2019 veröffentlichten "Bayerischen Aktionsplanes Wolf" ist die Untersuchung von Weideflächen, ob sie mit zumutbarem Aufwand vor dem Wolf zu schützen sind. Genau das passiert nach den mutmaßlichen Sichtungen im Chiemgau. Außerdem bewerten aktuell Experten der Umwelt- und Landwirtschaftsverwaltung Stück für Stück, wo in Bayern Herdenschutz unzumutbar ist. Damit wird die Grundlage für eine Entnahme des Wolfs geschaffen, wenn landwirtschaftliche Schäden drohen.


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"Es geht nicht um ein Wettrüsten der Zäune, sondern um praktikable Herdenschutzlösungen", zitiert die Bayerische Landwirtschaftsministerin aus einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg. Das Gericht hatte unter anderem entschieden, dass auch ein 120 Zentimeter hoher Elektrozaun nicht immer die geeignete Alternative zur Entnahme ist, selbst wenn der Wolf bereits einen 90-Zentimeter-Zaun überwunden hat.

Mindestanforderungen zum Herdenschutz

Das Bayerische Umweltministerium empfiehlt den Tierhaltern in den betreffenden Gemeinden akut zu überprüfen, ob ihre Weidetiere ausreichend vor dem Wolf geschützt sind. "Als kurzfristige Maßnahme ist zu überlegen, in wie weit den Betrieben eine nächtliche Aufstallung möglich ist. Darüber hinaus sollte bei den vorhandenen Zäunen überprüft werden, ob sie die Mindestanforderungen zum Herdenschutz erfüllen", lautet die Empfehlung.

Die Mindestanforderungen sind ein mindestens 90 Zentimeter hoher, ausreichend elektrifizierter Zaun mit entsprechender Untergrabsicherung. Die Staatsregierung übernimmt mit dem Förderprogramm Investition Herdenschutz Wolf beim Bau von wolfssicheren Zäunen und der Anschaffung mobiler Ställe 100 Prozent der Kosten.

Denn auch wenn es für viele Bauern und Jäger die schnellste und einfachste Lösung wäre, den Wolf abzuschießen, müssen zuerst alle anderen Möglichkeiten geprüft werden. "Ausnahmen von den Schutzbestimmungen des Wolfes sind nur im Einzelfall und unter bestimmten Voraussetzungen möglich, zum Beispiel zur Abwehr erheblicher wirtschaftlicher Schäden. Eine Ausnahme darf nur zugelassen werden, wenn zumutbare Alternativen nicht gegeben sind und sich der Erhaltungszustand der Population einer Art durch den Abschuss nicht verschlechtert", begründet das Bayerische Umweltministerium.

Die Behörde betont außerdem: "Der Wolf unterliegt dem Naturschutzrecht. Die Zuständigkeit für die Umsetzung der naturschutzrechtlichen Regelungen liegt bei den Naturschutzbehörden." Das bedeutet, dass selbst wenn der Wolf in einem bestimmten Gebiet geschossen werden darf, das der Bauer oder Jäger nicht selbst erledigen dürfen.

Denn eines ist aus Sicht des Ministeriums Fakt: "Wölfe leben in freier Wildbahn." Deshalb werde Hinweisen auf Wölfe – z.B. durch Sichtungen oder Spurenfunde – nachgegangen. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden im Rahmen eines Wolfsmonitoring des Landesamtes für Umwelt anhand standardisierter Kriterien bewertet, dokumentiert und veröffentlicht. Sollte ein verletzter Wolf aufgefunden werden, könnte eine Besenderung in Frage kommen. Generell wird derzeit aber nur die Sichtung dokumentiert.

cz

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