Bürgerversammlung in Reit im Winkl

Reit im Winkl investiert vor allem in den Tourismus

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Die größte Investition der Gemeinde Reit im Winkl im vergangenen Jahr war die Erweiterung der Tourist-Information.

Reit im Winkl - Bei der Bürgerversammlung am Donnerstag gab Bürgermeister Josef Heigenhauser den Rechenschaftsbericht bekannt. Neben den Ausgaben und der Investition in den Tourismus waren zukünftige Vorhaben ein Teil seines Vortrags.

Trotz großer Investitionen konnte im vergangenen Jahr der Schuldenstand der Gemeinde Reit im Winkl um über 33 Prozent verringert werden. Dies gab Bürgermeister Josef Heigenhauser in den Rechenschaftsbericht bei der Bürgerversammlung am 21. März im Festsaal bekannt. Der starke Anstieg des Vermögenshaushalts und damit des Gesamthaushalts sei vor allem auf die Investition in die Tourist-Info zurückzuführen. 

Rechenschaftsberichts des Bürgermeisters

Der Verwaltungshaushalt stieg den Worten des Bürgermeisters zufolge 2018 von 10 Millionen im Jahr davor auf 10,6 Millionen Euro und der Vermögenshaushalt von 2,9 Millionen auf 3,9 Millionen Euro. Im Verwaltungshaushalt betrugen die Einnahmen aus der Grundsteuer 787.000 Euro und aus der Gewerbesteuer 904.000 Euro. Der Anteil an der Einkommensteuer lag bei 1,1 Millionen Euro und die Einnahme aus der Schlüsselzuweisung bei 588.000 Euro. 

1,1 Millionen Euro betrugen die Einnahmen beim Kurbeitrag und 741.000 Euro beim Fremdenverkehrsbeitrag. Sehr erfreulich sei, dass die Zuführung zum Vermögenshaushalt mit 1.576.000 Euro erneut gesteigert werden konnte, so der Bürgermeister.

Starke Investition in die Tourist-Information

Die größte Investition des vergangenen Jahres war die Erweiterung der Tourist-Information. Abgerechnet wurden in diesem Zeitraum 1.236.000 Euro, wobei der Staatszuschuss in Höhe von 712.000 Euro bereits zu hundert Prozent ausbezahlt wurde. Ob die im Haushalt 2019 noch veranschlagten Restausgaben von 400.000 Euro ausreichen werden, kann nach den Worten von Bürgermeister Heigenhauser noch nicht abgeschätzt werden.

Die neueTourist-Info sei nun ein repräsentatives Gebäude am Ortseingang und drücke durch ihr Erscheinungsbild die Bedeutung des Tourismus in Reit im Winkl aus. Er lud bereits jetzt zur Einweihung zusammen mit der Aufstellung des Maibaums am 1. Mai ein. Sein Kommen zugesagt habe bereits Staatsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger, dessen Wirtschaftsministerium für die Zuschussgewährung zuständig sei.

Ausbau der Unterbergstraße ist abgeschlossen

Als sehr wichtig bezeichnete der Bürgermeister die Fertigstellung des Ausbaus der Unterbergstraße. Der Aufwand hierfür habe 2018 zusätzlich 200.000 Euro betragen, nachdem bereits 2011 ein erster Abschnitt am Kaiserweg hergestellt wurde. So könne der Verkehr nun bei Sonderveranstaltungen wie Faschingsdienstag oder Silvester aus dem Dorfkern umgeleitet werden. Insgesamt seien 2018 im Straßenbau 368.000 Euro investiert worden. 

Bei der Thematik Straßenausbaubeitrag und Ersterschließung trage die neue Koalition der bayerischen Staatsregierung „mehr zur Verwirrung als zur Aufklärung der Bürger bei“. Nachdem die Straßenausbaubeiträge nicht mehr erhoben werden dürften, werde nun auch das Thema Erschließungsbeiträge thematisiert.

Hochwasserschutz-Maßnahmen ergriffen

„Große Brocken stemmen wir auch im Bereich des Hochwasserschutzes“, fuhr Heigenhauser fort. Als Vorwegmaßnahme für den Ausbau des Pötschgrabens sei der Bereich auf der Wirtsgwandn den neuen Abflussmengen angepasst worden. Heuer könne noch mit weiteren Bauabschnitten begonnen werden. 

Dies sei einerseits der Bereich an der B305 bei der Weitseestraße am Wasserwerk. Danach könne oberhalb in Entfelden mit der Querung der Bundesstraße weitergearbeitet werden, bevor dann die abschließenden Bauabschnitte am Rosenweg mit der größeren Dimensionierung der Verrohrung und dem neuen Einlaufbauwerk erfolgen. 

Auch am Hausbach laufe der Planungsprozess zum Hochwasserschutz ohne Verzögerung weiter. Das Planfeststellungsverfahren könne voraussichtlich im zweiten Quartal 2019 abgeschlossen werden, so dass voraussichtlich noch im Herbst der erste Bauabschnitt südlich der Tiroler Straße angepackt werden könne.

Fast 500.000 Euro für Neufahrzeuge

Neben der Erweiterung der Tourist-Info erfolgten nach den weiteren Ausführungen des Bürgermeisters noch weitere Investitionen in den Tourismus. Auf Grund der guten Liquiditätslage der Gemeinde seien für diesen Bereich im vergangenen Jahr wieder vermehrt Fahrzeuge gekauft worde n anstatt sie zu leasen. Mit dem Kauf einer Pistenraupe, von einem Bokimobil für Wanderwege und einem Unimog für die Winklmoosstraße seien in der Summe 484.000 Euro für Neufahrzeuge im Tourismusbereich ausgegeben worden und insgesamt sogar 1,8 Millionen Euro für touristische Einrichtungen.

Tourismusbranche boomt

Im Tourismus habe es 2018 wiederum eine erfreuliche Entwicklung gegeben. „Bei den Gästezahlen hatten wir einen Anstieg um 4,5 Prozent und erreichten mit über 118.000 Gästen einen neuen Rekordstand“, so der Bürgermeister. 

Mit 2,2 Prozent etwas geringer ausgefallen sei das Wachstum bei den Übernachtungszahlen. Diese seien mit 595.000 Euro ebenfalls auf einen Zehn-Jahres-Höchststand gestiegen.

Keine so guten Nachrichten zum Thema Breitbandausbau

„Der Eigenausbau des Breitbandes durch die Deutsche Telekom ist im vergangenen Jahr eine mittlere Katastrophe gewesen und ich habe wenig Hoffnung, dass dies 2019 besser wird“, sagte er dazu. Schon der von der Gemeinde finanzierte Ausbau mit den Firmen sei schwierig gewesen, aber was im Eigenausbau abgegangen sei, sei unbeschreiblich gewesen. „Leider werden uns die Baumaßnahmen zum Eigenausbau des Breitbandes und deren Folgen noch länger begleiten“, kündigte er bereits an.

Erfreulicheres konnte der Bürgermeister aber vomMobilfunkmast auf der Knogler Leiten berichten, der voraussichtlich im Mai in Betrieb gehen werde. Damit hätte Reit im Winkl ein zeitgemäßes Telefonnetz, das auch auf den G5-Standard erweitert werden könne.

Zusammenfassende Bilanz der Investitionen

Zusammengefasst hätten trotz der großen Investitionen im vergangenen Jahr Darlehen regulär in Höhe von 598.000 Euro und außerordentlich von 452.000 Euro getilgt werden können. Dies sei durch die überdurchschnittliche Zuführung aus dem Verwaltungshaushalt, durch sehr hohe Anschlussbeiträge aus Wasser und Abwasser sowie die Zuschüsse für Investitionen möglich gewesen. Insgesamt konnte damit der Schuldenstand von 3,1 Millionen Euro um über 33 Prozent auf 2,1 Millionen verringert werden. Pro Kopf reduziert sich damit die Verschuldung von 1317 auf 884 Euro.

„Zaubern können wir natürlich auch nicht, und deshalb musste das Geld für diese großen Investitionen zum Teil aus den Rücklagen genommen werden“, schränkte Heigenhauser ein. Der Verschuldungsgrad aus der Differenz von Schulden und Rücklagen weise trotzdem zum zweiten Mal in Folge einen positiven Saldo aus.

Viele Hilfskräfte im Einsatz gewesen

Einen großen Dank richtete Bürgermeister Josef Heigenhauser an alle, die zur Bewältigung des Katastrophenfalls durch die starken Schneefälle im Januar beigetragen hatten. Bei 56 Gebäuden sei dabei eine Teil- beziehungsweise Gesamträumung des Daches angeordnet und durchgeführt worden. Bis zu 500 Einsatzkräfte von THW, von auswärtigen Feuerwehren und der Reit im Winkler Feuerwehr, der Bundeswehr, der Bereitschaftspolizei, des Roten Kreuzes, den Statikern des Landratsamts, vielen Privatfirmen mit Spezialfahrzeugen, Kränen und Lastwägen mussten von der Einsatzzentrale im Feuerwehrhaus koordiniert und zielgerichtet eingesetzt werden.

Parallel zu den freiwilligen Einsatzkräften seien die gemeindlichen Bauhofmitarbeiter und die privaten Winterdienstfirmen extrem gefordert worden. „Es ist nicht meine Art, einzelne Gewerbetreibende herauszustellen, ober ohne die Firma Dirnhofer mit all ihren fleißigen Mitarbeitern wäre die Gemeinde im Schnee versunken“, rief Heigenhauser aus und fuhr fort: „Ich darf im Namen der ganzen Reit im Winkler Bevölkerung ein aufrichtiges Vergelt’s Gott bei allen Einsatzkräften und vor allem beim Feuerwehrkommandanten Günther Braun und seinem Stellvertreter Stefan Fenninger sagen.“ 

Enormes habe auch die Bergwacht mit Bereitschaftsleiter Peter Wlach und die Lawinenkommission mit ihrem neuen Leiter Hans Wolfenstetter geleistet.

Blick in die Zukunft

Für dieses Jahr kündigte der Bürgermeister die Sanierung der Walmbergstraße mit einem Aufwand von fast 500.000 Euro und die Erschließung des Ortsteils Altblindau an. Eine weitere größere Maßnahme wäre unter Beteiligung der Gemeinde, aber in der Federführung des Wasserwirtschaftsamtes, die Erneuerung der Brücke an der Entfeldener Straße gewesen. 

Nun seien aber von einem Anlieger Forderungen gestellt worden, die der Gemeinderat nicht akzeptieren könne, und es bleibe offen, ob, beziehungsweise wann, diese dringende Maßnahme zum Hochwasserschutz für den Ortsteil Groißenbach realisiert werden könne.

Beim Betrieb des Festsaals bahne sich eine Änderung an. Die Familie Rupprecht habe das Pachtverhältnis zum 31. Mai 2020 gekündigt. Ein großes Lob richtete Heigenhauser an das Bücherei-Team unter der Leitung von Anja Schaub. Die Bücherei sei ein Aushängeschild in der Gemeinde und habe in den letzten Jahren mehrere besondere Auszeichnungen erhalten.

Als Unterstützung in der gesamtgemeindlichen Entwicklung habe der Gemeinderat beschlossen, ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept zu starten. In Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern als Förderstelle laufe aktuell die Ausschreibung zur Auswahl von Planungsbüros zur Unterstützung bei der Umsetzung.

„Unsere Zukunft geht uns alle an, und daher darf ich alle engagierten Bürger bereits jetzt auffordern, an dieser Konzepterstellung aktiv mitzuarbeiten“, sagte der Bürgermeister und wies auch auf die kommenden Kommunalwahlen am 15. März 2020 hin. Deshalb seien die politischen Gruppierungen und Parteien aufgerufen, sich frühzeitig Gedanken zu machen und geeignete Personen anzusprechen. „Verantwortung für seine Gemeinde zu übernehmen, sich den Aufgaben und Problemen zu stellen und die Entwicklung des Ortes zu lenken, dafür ist ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, Engagement und Rückgrat notwendig“, so seine abschließenden Worte.

Auch Anwesende meldeten sich zu Wort

Bei den Wortmeldungen bemängelte Resi Schmitz, dass esin Reit im Winkl kaum Wohnungen zu verträglichen Mietpreisen gebe. Die Gemeinde sei hier um Abhilfe bemüht und auf der Suche, sagte Bürgermeister Heigenhauser. Eine Bedarfsabfrage sei schon erfolgt. 

Alois Hipper junior stellte fest, dass sich Kinder vor den vielen frei herumlaufenden Hunden fürchten und dass auch deren Hinterlassenschaften oft frei herumliegen würden. Eine Anleinpflicht dürfe aber nach den gesetzlichen Vorschriften nicht erlassen werden. Wichtig sei es, Überzeugungsarbeit zu leisten. Die Gemeinde gehe hier mit der Aufstellung von etwa 35 Hundetoiletten mit gutem Beispiel voran.

sh

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