Gemeinderat Reit im Winkl gibt Weg frei für Einheimischen-Bauland und Baugrund für den freien Markt

Altes Sägewerk weicht neuem Campingplatz

Reit im Winkl - Das bestehende, alteingessene Sägewerk beim "Neubauer soll stillgelegt und abgerissen werden. Entstehen wird stattdessen ein Campingplatz mit über 100 Stellplätzen.

Im vergangenen Herbst hatte sich der Gemeinderat Reit im Winkl nach längerer Diskussion auf die Fassung eines Familienansiedlungsmodells verständigt, womit insbesondere ein Akzent gesetzt werden sollte gegen die seit Jahren rückläufige Bevölkerungszahl. Immer wieder wurden seither Anfragen nach Baugrundstücken in der Gemeindeverwaltung verzeichnet - allerdings stand der Gemeinde nicht immer genügend Baulandfläche zur Verfügung.

Dies hat sich seit der letzten Gemeinderatssitzung allerdings gründlich geändert: Jetzt sollen gleich zehn Bauparzellen für Einheimische entstehen, weitere neun Bauplätze sind für den Verkauf auf dem freien Immobilienmarkt vorgesehen. Ausgewiesen werden sollen dazu zwei verschiedene Areale in der Entfeldener Straße und im Bereich des Gasteigs, die jeweiligen Anträge der Grundstücksbesitzer erreichten die Verwaltung vor wenigen Wochen beinahe zeitgleich. Um Detailfragen zu diesen Anträgen klären zu können, hatte der Gemeinderat vor wenigen Tagen eigens eine nichtöffentliche Sondersitzung einberaumt. Beide Vorhaben wurden vom Gemeinderat jetzt ohne Gegenstimme befürwortet.

Dem Projekt in der Entfeldener Straße liegt dabei eine fundamentale Betriebsumwandlung zugrunde: So soll das bestehende, alteingessene Sägewerk beim "Neubauer", so der Hausname, stillgelegt und abgerissen werden. Entstehen soll stattdessen für die Sägewerksbesitzerin und Antragstellerin, Elisabeth Nayder-Höflinger und deren Familie mit einem großflächigen Campingplatz eine neue Existenzgrundlage. Über 100 Stellplätze auf einer Gesamtfläche von 1,6 Hektar sind dabei vorgesehen.

Des Weiteren soll aber auch Bauland mit insgesamt neun Parzellen ausgewiesen werden. Während fünf davon für Einheimische und damit zu sehr günstigen Konditionen reserviert sind, sollen vier weitere Parzellen in den freien Markt gelangen. Am südlichen Rand der gesamten Fläche, also unmittelbar an der Bundesstraße zum Donnersgattern hin ist eine etwa 5000 Quadratmeter große Fläche als Gewerbegebiet geplant, in unmittelbarer Nähe befinden sich bereits weitere Betriebe.

In der Diskussion des Gemeinderats um dieses Projekt begrüßten mehrere Sprecher diese Ausweisung, allerdings wurde auch angeregt, einen "fachkundigen Rechtsanwalt" hinzuzuziehen - so Georg Speicher (Freie Wähler) - oder dass im Bebauungsplanverfahren "die Gebäudegröße und die Anzahl der Vollgeschosse genau geregelt werden" müsse, so Fraktionskollege Andreas Mühlberger.

Wesentlich war für Gemeinderat Matthias Schlechter (CSU) insbesondere die Tatsache, dass man nach Verabschiedung dieses Vorhabens "interessierten Familien sofort entsprechende Grundstücke anbieten" könne. Sollte der Verfahrensweg plangemäß verlaufen, könnte bereits im kommenden Jahr der Campingplatz eingerichtet und die Grundstücke im Falle eines Verkaufes bebaut werden.

Weitere zehn Bauplätze wurden für ein Gelände am Gasteig beantragt, dazu hatten drei Grundstücksbesitzer einen gemeinsamen Antrag eingereicht. Das Gebiet war bereits vor über 20 Jahren als Bauland vorgesehen, damals scheiterte die Realisierung allerdings an einer nicht gesicherten Zufahrtsstraße. Diese Zufahrt konnte die Gemeinde jetzt allerdings erwerben, weswegen einer Ausweisung als Bauland nichts mehr im Wege steht.

So sollen dort weitere zehn Grundstücke für Einfamilienhäuser ausgewiesen werden, jeweils fünf für Einheimische und fünf frei verkäufliche Bauplätze. Wie aus der Erklärung der Gemeindeverwaltung, welche Bürgermeister Josef Heigenhauser in der Sitzung verlas, zu entnehmen war, sehe die Regierung von Oberbayern, dass "die geplante Wohnbaufläche mit den Erfordernissen einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung in Einklang gebracht werden" könne. Vorab müsse allerdings geprüft werden, so die Stellungnahme der Verwaltung weiter, wie groß der Bedarf an Grundstücken für Einheimische in Wirklichkeit sei, dies soll etwa über Bekanntmachungen in der Presse geprüft werden. Grundsätzlich befürwortete der Gemeinderat aber auch diese Bauland-Neuausweisung einstimmig, womit durch beide Projekte die größte Ansiedlung einheimischer wie auswärtiger Familien möglich werden könnte.

ost/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Achental

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser