Rottauer Bürger sollen entscheiden

Grassau - Die Bürger sollen an einer Entscheidung, ob ein neues Baugebiet entstehen soll, beteiligt werden. Auf der 20.000 qm-Fläche sollen bis zu 30 Bauparzellen entstehen.  

Dies entschied der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Am südwestlichen Ortsrand von Rottau an der Bundesstraße und westlich der Adersberger Straße wurde eine Baulandausweisung beantragt. Neu ist dieser Antrag nicht, wie Bürgermeister Rudi Jantke informierte, denn bereits 1995 wurde schon einmal dieser Antrag gestellt. Damals habe sich der Gemeinderat intensiv mit der Baulandausweisung beschäftigt, auf Grund der massiven Einwände der Behörden aber 1996 wieder eingestellt. Zur Diskussion stehe nun eine Fläche von etwas mehr als 19000 Quadratmetern. Die Erschließung sei ausschließlich über die Adersbergerstraße möglich, die zudem verbreitert werden müsste. Außerdem müsse ein massiver, aktiver Lärmschutz zur Bundesstraße entstehen und im Westen eine Ortsrandeingrünung folgen, hieß es.

Die Untere Naturschutzbehörde wie auch der Bund Naturschutz stehen dem Vorhaben ablehnend gegenüber. Erklärt wurde, dass der Ortsrand durch den Bachlauf und Begleitgehölze eindeutig abgegrenzt und eine weitere Ortsausdehnung nach Westen nur schwer aufzuhalten sei. Die Immissionsschutzbehörde sah eine Bebauung generell als möglich, verwies aber auf den dringend erforderlichen Lärmschutz mittels eines Walls oder Wände. Auch die Regierung äußerte sich skeptisch und drängt eher auf einen Baulückenschluss. Der gleichen Ansicht ist auch Kreisbaumeister Seeholzer, der hier einen unorganischen Siedlungsschwerpunkt befürchtet und das Orts- und Landschaftsbild negativ beeinflusst glaubt.

Es gehe um die Entwicklung von Rottau, so Xaver Schreiner (SPD), aber es sei der falsche Platz. Er erinnerte, dass Rottau gerade wegen seiner "schönen Siedlungsstruktur" schon einmal ausgezeichnet wurde und dies auch "wegen dieser natürlichen Grenze". Mit einer Baulandausweisung würde die natürliche Grenze aufgerissen. Vor einer Ausweisung sollte im Innenbereich oder an anderen Stellen nach Entwicklungsmöglichkeiten gesucht werden.

Ziel müsse es sein, Bauland für Einheimische zu schaffen, meinte Manfred Huber (AE) und dies sei in Rottau schwierig. Er sah keinen Grund, der das Ortsbild negativ beeinflussen würde. Allerdings sei ihm die beantragte Ausweisung zu groß, die Hälfte würde reichen. Vorab sollte aber der Bedarf an Bauflächen für Einheimische geprüft werden. Bereits im Juni sei über das Gebiet diskutiert worden. Seither habe es nur eine Baubewerbung gegeben und diese stamme von einem Bernauer, der gerne in Rottau bauen würde, fügte der Rathauschef an. Es sei nicht der richtige Weg, wenn die Gemeinde den Bedarf erst wecken müsse.

Nach Ansicht von Hans Hornberger (SPD) sollte abgewogen werden, ob einer Nachverdichtung der Bebauung oder einer Neuausweisung der Vorzug gegeben werde. "Hierfür brauchen wir eine Bürgerbefragung", betonte er.

Die nötigen Schallschutzbauten wie Wall oder Mauer schrecken ihn ab, sagte Hans Münch (CSU). Er könne sich nicht vorstellen, dass dies schön aussieht, es würde das Ortsbild schädigen.

Bürgermeister Jantke verwies auf den Flächennutzungsplan, der vor einer Bebauungsplanaufstellung von den Behörden genehmigt werden müsste.

Hans Jawurek (AE) kann sich vorstellen, dass es Bedarf für Einheimischengrund gibt. Deshalb wäre eine Bürgerbefragung nicht verkehrt. Bei einer Baulandausweisung dieser Größenordnung dürfen auch die sozialen Aspekte nicht außer acht gelassen werden, ergänzte Herbert Gschöderer (SPD) und meinte damit die Schaffung von Flächen für den Allgemeinbedarf wie einen Kinderspielplatz. Bei dieser Größenordnung von 25 bis 30 Bauparzellen werden öffentliche Flächen benötigt, versicherte Jantke. Dies wird dann aber bei einer Ausweisung nochmals Thema sein. Einhellig entschied sich der Rat für eine Bürgerbefragung.

Anschließend wurde über ein Konzept für die anstehenden Bürgerbefragungen beraten. Schließlich würden für die Ortsgestaltung Mietenkam und auch für die Bebauung der Roßangerwiese in Grassau Bürgerbefragungen angestrebt, hieß es. Geregelt werde im Konzept der Zeitpunkt der Befragung wie auch die an der Befragung beteiligten Bürger. In Rottau sollen demzufolge alle Bürger ab 16 Jahren teilnehmen dürfen. Für die Dauer einer Woche solle ein kleines Büro mit einem Mitarbeiter der Gemeinde für die Stimmabgabe besetzt werden. An einem Tag der Woche soll dieses Büro bis 19 Uhr geöffnet haben. Der bestehende Mietenkambeirat werde in Ortsentwicklungsbeirat umbenannt und solle die Einzelheiten zu Befragungen vorbereiten, entschied der Marktgemeinderat wiederum einstimmig.

tb/Chiemgau Zeitung

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