Digitalfunk: Kompromiss scheint möglich

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Schleching - Wieder waren die Zuhörerplätze im Sitzungssaal des Rathauses voll besetzt, als das Thema "BOS-Digitalfunk" auf der Tagesordnung des Gemeinderats stand.

Die Gemeinde hatte im Januar ein Gutachten beim Umweltinstitut in München in Auftrag gegeben, um die Standortfrage in Schleching von neutraler Seite durchleuchten zu lassen und eine bestmögliche Lösung für die Bevölkerung zu finden. Jetzt stellte Institutsmitarbeiter Hans Ulrich-Raithel dem Gremium die Ergebnisse des Gutachtens vor und beantwortete Fragen.

Das Ministerium hatte sich inzwischen bereiterklärt, das Verfahren nochmals zu beginnen. Im sogenannten "dialogischen Verfahren" informiert der Netzbetreiber über den Suchbereich und bietet eine Standortauswahl an. In Schleching standen zunächst zwei Standorte im Naturschutzgebiet und am Streichen zur Diskussion - beide wurden als "schwierig" bewertet. Durch die Untersuchung sind mit sieben Standorten mehr Alternativen in die Diskussion gekommen und ein Kompromiss scheint möglich.

Ulrich-Raithel erläuterte, dass eine Gesundheitsgefährdung durch Strahlung nicht auszuschließen, aber derzeit nicht nachweisbar sei. Ein wissenschaftlicher Nachweis erfordere eine klare Nachvollziehbarkeit von Weg und Ursache, um anerkannt zu werden. Die Intensität der Strahlung gehe mit der Entfernung sehr stark zurück. Damit werde eine deutliche Strahlenreduzierung erreicht, wenn die Anlage weit außerhalb installiert werden kann. Die Verhinderung eines Standortes durch die Gemeinde sei mit dem Risiko verbunden, dass nicht abgestimmte und unerwünschte Standorte mit weit höherer Strahlenbelastung gewählt werden, zum Beispiel auf Privathäusern oder staatlichen Einrichtungen.

Von Seiten des Betreibers sind sieben Standorte als funktechnisch geeignet befunden worden. Damit hat die erweiterte Standortsuche durch das Umweltinstitut mit Gemeinderat und Verwaltung zu einer deutlich besseren Ausgangsposition beigetragen. Im Einzelnen stellte der Gutachter die Standorte und die Immissionsprognosen vor. Er rechnete sie vor Ort auch mit einer weiteren technischen Aufrüstung in Zukunft aus. Die Strahlenbelastung liege im Millionstelbereich unterhalb des Grenzwertes von 2000 Milliwatt.

Ratsmitglied Hannes Hörterer fragte, wie der Gutachter die Entwicklung und Kostenfrage beim BOS-Ausbau in Deutschland sehe. Das Netz sei fertig geplant, aber es gäbe eine Reihe von Fällen, wo noch Standorte gesucht würden, so Ulrich-Raithel. Dass ein weißer Fleck bleibe, sei unwahrscheinlich und riskant, zumal in Schleching bis zur Staatsgrenze viele staatliche Flächen zur Verfügung stünden. Weitere Fragen betrafen die detaillierte Strahlenbelastung, die erforderliche Höhe des Mastens bei Standorten im Baumbereich und die Erschließung des Standortes.

Andreas Hell meinte, dass die Verhinderung eines Standortes ein Bumerang werden könne. Jetzt habe die Gemeinde die Chance, miteinander eine gute Lösung zu finden. Bei der Fülle an Informationen schlug er vor, die Entscheidung erst nach Einsicht in das Gutachten und Diskussion der Standorte zu treffen.

Geschäftsleiterin Christine Zaiser sagte zu, allen Gemeinderatsmitgliedern das Gutachten per E-Mail zu schicken und den Bürgern die Einsicht in das Gutachten im Rathaus zu ermöglichen.

Der Gemeinderat beschloss, die Standortfrage für den BOS-Digitalfunk in der nächsten Gemeinderatssitzung zu behandeln. Wie Geschäftsleiterin Zaiser berichtete, gab es von Seiten der Zuhörer inzwischen positive Resonanz auf den Vortrag des Gutachters.

bre/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © je

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