An der Tradition orientiert

Schleching - Runder Tisch mit Bürgermeister Josef Loferer und 40 Architekten. Im Gemeindegespräch brachte man jetzt neue Informationen zum Projekt "AlpHouse" auf den Tisch.

„Wir möchten der Gemeinde für die Unterstützung im Projekt ‚AlpHouse’ etwas zurückgeben“, sagte Koordinator Martin Frank von der Handwerkskammer für München und Traunstein zur Einführung des Gemeindegesprächs im Bürgerhaus.

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Als teilnehmende Gemeinde im Projekt "AlpHouse - Alpine Baukultur und Ökologie" der Europäischen Union kamen jetzt Projektleiter und Gemeindevertreter mit Bürgermeister Josef Loferer sowie rund 40 Architekten, Handwerker und Bürger, auch aus der Nachbargemeinde Unterwössen, zu einem Austausch zusammen. Ziel war, über die Ergebnisse des Projektes "AlpHouse" nach dreijähriger Laufzeit zu informieren und über das Ortsbild und die Ortsentwicklung von Schleching zu diskutieren.

Das Gemeindegespräch leitete Dr. Karlheinz Valtl, Projektmanager "AlpHouse" der Handwerkskammer für München und Traunstein. In der dreijährigen Projektlaufzeit wurden umfangreiche Analysen in fünf Alpenländern in Bezug auf die traditionelle alpine Baukultur und die Optimierung der Energieeffizienz durchgeführt. In den abgeschlossenen Alpentälern waren die Menschen früher darauf angewiesen, die lokalen Baustoffe und die Fähigkeiten des Handwerks in optimaler Weise zu nutzen und die klimatischen Gegebenheiten, wie zum Beispiel die Sonneneinstrahlung in den Dörfern, zu berücksichtigen. Heute gelte es, dieses Wissen an Architekten, Handwerksbetriebe und Entscheider weiterzugeben.

Vor der gemeinsamen Diskussion vertieften fünf Kurzreferate die Ziele von "AlpHouse". Schleching habe viel richtig gemacht, weil sich die Gemeinde an der Tradition orientiert habe, sagte Professor Jörg Schröder, Studio Landraum der Technischen Universität München und als Vertreter der Architektenkammer. Es sei wichtig, sich vom Inhalt her an die alten Gebäude anzulehnen, genauer über Grundriss und Schnitt nachzudenken und den Lebenszyklus der Materialien zu berücksichtigen.

Für den "Leadpartner" von "AlpHouse", die Handwerkskammer für München und Traunstein als Schnittstelle zum Handwerk, bezeichnete Max Stadler "Bauen im Bestand" als Mega-Thema. Die Ziele zum Thema "Erneuerbare Energien" bis 2020 könnten überwiegend durch Einsparung und Sanierung erreicht werden.

Frank fasste die wesentlichen Merkmale von Schleching zusammen, wie die geografische Lage als alpines Randtal, den großen Bestand an alten Gebäuden, die alte Siedlungsstruktur der "Haufendörfer", die große Mischung von Nutzungen und ein abwechslungsreiches Raumgefüge. Garant für die positive Entwicklung seien die funktionierende Verwaltung und das Instrument der Dorferneuerung sowie das Handwerk. Für die Gemeinde sei es wichtig, die Entscheidungsmöglichkeiten in der Hand zu behalten.

"Energieeffizienz, Einsparung und Ausbau der Erneuerbaren Energien sind die Eckpunkte des Energieleitbildes des Ökomodell Achental", erklärte dessen Geschäftsführer Wolfgang Wimmer. Insbesondere bei den Bauten aus den 1960er- und 1970er-Jahren bestehe teilweise durch zu erwartenden Generationenwechsel ein Modernisierungsstau. Das Ökomodell werde mit Beteiligung der Gemeinden und der Bürger für alle Mitgliedsgemeinden einen Energienutzungsplan entwickeln, wobei auf eine große Bandbreite von Erneuerbaren Energien im Achental zurückgegriffen werden könne.

"Die Stärkung des Ländlichen Raumes" nannte Peter Oster, Vorsitzender der Dorferneuerung in Schleching, das Ziel des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberbayern. Früher habe der Schwerpunkt vor allem auf Wachstum gelegen. Jetzt gelte es, die Bevölkerung im Ort zu halten und die Gemeinde durch Hilfe zur Selbsthilfe fit für die Zukunft zu machen. Aus den Verfahren der Dorferneuerung seit 1999 hob Oster die Bürgerbeteiligung mit 125 Anträgen für Privatmaßnahmen in Höhe von 4,7 Millionen Euro als "hervorragendes Ergebnis" hervor, für die 350.000 Euro Zuschüsse bewilligt wurden.

Die Teilnehmer nutzten in kleinen Gruppen die Diskussionen, deren Ergebnisse Projektmanager Valtl als Moderator hinterfragte. Oft genannte Wünsche waren ein "AlpHouse-Katalog", in dem zentrale Punkte und Prozessschritte zusammengestellt sind, eine gebündelte Bauberatung, die heute von vier verschiedenen Stellen angeboten wird, kommunikative und professionelle Kompetenz gepaart mit Qualitätsbewusstsein, Baupsychologie statt zu diktieren.

bre/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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