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Margot und Georg Mix leben mit Herzblut überlieferten Brauch

50 Jahre Almabtrieb beim Huber-Bauern in Schleching

Margot und Georg Mix auf der Tenne mit dem Almabtrieb-Schmuck.
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Margot und Georg Mix auf der Tenne mit dem Almabtrieb-Schmuck.

Almrosen, Latschen, Wacholder und Krepppapier: Wenn Bäuerin Margot Mix im August all diese Dinge zusammenzutragen beginnt, ist das ein gutes Zeichen. Dann hat es heuer keine Krankheiten oder Todesfälle auf der Alm oder in der Familie gegeben und das Vieh wird im Herbst mit dem bunten Kopfschmuck ins Tal geleitet.

Schleching – Margot und Georg Mix von Huber-Hof in Raiten haben in diesem Sommer zum 50. Mal das Vieh auf die vordere Daisenalm getrieben. Mit der Chiemgau-Zeitung spricht Margot Mix über den großen Stellenwert dieser alten Tradition. „Ich bin ja jetzt Austragsbäuerin beim Huber, aber am Almabtrieb am Ende des Sommers hat sich in den 50 Jahren nichts geändert“, sagt sie.

Almrosen, Latschen und Wacholder

Früher sei noch Almpersonal oben gewesen sowie die Geschwister Klara Bachmann und Marianne Reiserer, sie hätten auf der Alm Käse hergestellt. Seit 1971 wird die Alm vom Huber-Bauern bewirtschaftet, zuerst zehn Jahre als Pächter bis sie 1981 auf Margot und Georg Mix überging. Das Ehepaar hat sich 1970 auf dem Huberhof in Raiten kennengelernt und 1972 geheiratet.

Auch heute wird der Almschmuck noch genauso hergestellt wie schon vor 50 Jahren, sagt Margot Mix. Er bestehe aus Almrosen, Latschen, Kranewitter (Wacholder) und Krepppapier. Margot ist stolz auf ihre zwei Enkel, den siebenjährigen Lorenz und die sechsjährige Annalena, die ganz fleißig und sehr geschickt mithelfen, die kleinen Rosen für die Anstecker zu basteln.

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Viel Geduld erfordert die Herstellung des aufwändigen Schmuckes für die Rinder. Schon Mitte August wird mit dem Sammeln der Naturmaterialien und dem Basteln begonnen. Margot ist sehr dankbar für die Unterstützung ihrer Familie und der Nachbarschaft, wie sie erzählt. Wenn beim Almsommer alles gut gegangen ist, in der Familie und bei den Tieren, keine Krankheiten oder gar Todesfälle zu beklagen waren, dann wird den Tieren zum Dank der festliche Schmuck angelegt. Das sind Kronen, Kreuze, Daxnboschen und Wistlbam.

Neue Larven und bestickte Fahnen

In diesem Jahr hat sich Margot Mix eine ganz besondere Überraschung zum Almabtrieb überlegt. Sie hat neue Larven, das sind die an der Stirn des Rinds befestigten Masken, bestellt.

Bestickt mit Alm- und christlichen Motiven sehen sie wunderschön aus. Sie fertigte auch eine Fahnenstickerei nach eigenen Ideen an. Jetzt liegen die Larven frisch gewaschen und gebügelt auf dem Tisch und Margot streicht stolz mit den Händen über den schönen Stoff. Bald werden sie weggeräumt und warten auf den Einsatz im nächsten Jahr.

Bunter Schmuck sollte Hexen und Dämonen täuschen

Der historische Hintergrund für den aufwendigen Schmuck für die Tiere liegt in einem uralten Volksglauben. Die Menschen dachten früher, dass auf dem Weg zwischen Stall und Alm Hexen und Dämonen lauern, die es zu überlisten galt. Dafür stattete man die Tiere mit dem Schmuck aus, hinter dem sie sich versteckten und für die Geister nicht erkennbar sein sollten. Die Masken tragen oft christliche Symbole, die auch dem Schutz dienen. Die Bedeutung des Tages drücken die Almerer auch in ihrem festlichen Gewand aus. Die Tiere sollen dem nicht nachstehen und werden herausgeputzt. Jetzt, nach dem Almabtrieb, stehen die vielen Kreuze, Wipfel und Kronen im Bauernhaus verteilt in den Stuben und auf der Tenne. Sie erinnern noch eine Weile an den gut verlaufenen Almsommer und den besonderen Tag des Almabtriebs.

Mit Herzblut die Tradition erhalten

Margot Mix und ihrem Mann Georg liegt viel daran, dass diese Tradition erhalten bleibt, sie und ihre Familie sind mit viel Herzblut dabei. Margot hat die berechtigte Hoffnung, dass auch ihre Enkel die Tradition weiterführen.

Bauern erkennen ihre Tiere am Geläut der Glocken

Die Dalsenalm ist ein Gebiet zwischen Kampenwand und Geigelstein. Jedes Jahr im Frühjahr treiben drei Bauern aus Raiten – der Feichten Bauer, der Bichl Bauer und der Huber Bauer – ihr Jungvieh auf die vordere Dalsenalm. Heuer waren es sechzig Tiere. Den ganzen Sommer können sich die Tiere frei auf dem 54 Hektar großen Almgebiet bewegen und artgerecht leben. Das Almgebiet ist eine ökologisch wertvolle Kulturlandschaft, die durch die Bewirtschaftung der Almbauern erhalten bleibt. Dort wo Almen aufgegeben und offen gelassen werden, verwildern die Blumenwiesen und werden überwuchert von Sträuchern, kleinen Bäumen und Brombeeren. Und damit gehen seltene Pflanzen, Tiere und Insekten für immer an diesem Ort verloren. Der Erhalt der Almen ist für die Bauern mit viel Arbeit verbunden. Jeden Tag besuchen sie die Alm und prüfen, ob das Wasser frisch und sauber fließen kann, der Zaun um das 54 Hektar große Gelände unbeschädigt ist und alle Tiere zu sehen sind. Sie erkennen die Tiere an dem unterschiedlichen Geläut ihrer Glocken.

Wertvolle Biotope:

Über die Almwirtschaft schreibt der Grassauer Verein Ökomodell Achental im Internet : „In einem engen Talraum wie dem Achental werden die Almflächen bis heute als wertvolle Futterflächen gebraucht.“ Almen seien überdies wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere sowie wichtige Erholungsgebiete für Gäste und Einheimische. Die Almen im Achental würden allesamt extensiv bewirtschaftet und jede sei für sich ein Biotop mit einzigartiger Flora und Fauna. Der Verband Chiemsee Alpenland hat eine Broschüre „Almen und Berggasthöfe – 143 Wanderziele zwischen Sonntagshorn und Wendelstein“ herausgegeben.

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