Bürger gegen Masten am Grieselberg

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Schleching - Der mögliche Bau eines Digitalfunk-Sendemasten am Grieselberg oberhalb von Ettenhausen stößt in der Bevölkerung auf Widerstand.

Das dokumentierte die große Zahl von 40 Schlechinger Bürgern in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Der Grieselberg ist als Standort für einen Masten für den "BOS-" (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) Digitalfunk im Gespräch. Darüber hatte Zweite Bürgermeisterin Elfie Bachmann das Gremium bereits in einer Sitzung Anfang Februar informiert.

Anfang Mai hatte Bürgermeister Josef Loferer über die Ergebnisse einer Strahlungsmessung der Universität München im Auftrag des bayerischen Innenministeriums berichtet. Demnach würden die Strahlungswerte nur drei Prozent der festgelegten Grenzwerte erreichen und seien damit gesundheitsunschädlich.

Jetzt stellte Klaus Voichtleitner von der "Telent GmbH" aus München, die im Auftrag des Innenministerium die Planung übernommen hat und derzeit mögliche Standorte untersucht, dem Gemeinderat den BOS-Digitalfunk und den Planungsstand vor. Die derzeit 3500 analogen Funkstellen sollen durch 945 digitale ersetzt werden. Der Digitalfunk sei Bundesangelegenheit. In Bayern sollen die BOS-Netze bis 2012 aufgebaut werden. Voichtleitner betonte, das bisher für Schleching noch keine Fakten geschaffen seien und die Planung noch nicht bei der Gemeinde liege.

Bei der Standortauswahl werde schematisch untersucht, welche Bereiche funktechnisch abgedeckt sein müssen, wie zum Beispiel in Schleching die Bundesstraße 307 bis zum Klobenstein und das Siedlungsgebiet, und wo Funklöcher in Kauf genommen werden können. Es würden jeweils bis zu fünf Alternativen je Suchkreisgebiet mit den Verantwortlichen abgestimmt.

In Schleching sind zwei Standorte übriggeblieben, wobei der Grieselberg im Bereich der Bayerischen Staatsforsten in 750 Meter Entfernung von der nächsten Wohnbebauung in Ettenhausen liege und als unbedenklich gelte. Dieser Standort liege jedoch im Naturschutzgebiet und komme nur dann in Frage, wenn die Untere beziehungsweise Obere Naturschutzbehörde zustimmt.

Der zweite mögliche Standort sei bei der Talstation der Geigelsteinbahn, nur 150 Meter von der nächsten Bebauung entfernt und damit für Bürger und Gemeinde "inakzeptabel". Beim Standort Grieselberg liege die Strahlenbelastung bei voller Leistung weit unter dem Grenzwert.

Die Höhe des Masten, dessen Standort wiederum rund 150 Meter höher liegt als Ettenhausen, gab Voichtleitner mit 30 bis 40 Metern, knapp über der Baumgrenze an.

Sollte die Gemeinde ihre Zustimmung zum Bau verweigern, gehe die ersatzweise Zustimmung an die Regierung, erklärte Voichtleitner auf Anfrage von Andreas Hell. Bei Nichtzustimmung gäbe es einen "weißen Fleck" in der Versorgung. Es bestehe keine Möglichkeit, Schleching über den Masten Unterwössen zu versorgen.

Zweite Bürgermeisterin Bachmann wollte unter anderem wissen, ob sich private Betreiber von Handynetzen an den Masten hängen könnten. Voichtleitner erwiderte, dass der Rahmenvertrag mit den Staatsforsten eine Weitervermietung zwar erlaube, der Standort für andere Betreiber aber voraussichtlich uninteressant sei.

Hannes Hörterer, auch Stellvertreter des Bereitschaftsleiters der Bergwacht Schleching, betonte, dass die Bergwacht seines Wissens aus dem BOS-Digitalfunk-Projekt ausgeschieden sei und derzeit das analoge Netz weiter ausbaue. Er werde sich klar gegen den BOS-Digitalfunk aussprechen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO gehe außerdem bei einem ständig pulsenden Netz von einem potenziellen Krebsrisiko aus.

Bürgermeister Loferer betonte, dass es der Gemeinde ein Anliegen sei, offen zu informieren und die Gesundheit der Bürger aufrechtzuerhalten. Er werde sich dafür einsetzen, dass sich die Gemeinden im Achental zu einem runden Tisch mit der Regierung und den betroffenen Behörden zusammentun.

Zum Abschluss des öffentlichen Teils der Sitzung überreichte Hörterer eine Liste mit 450 Gegen-Unterschriften von Schlechinger Bürgern. Die inzwischen gegründete Bürgerinitiative, die sich mit anderen zusammenschließen werde, plane noch im Juli eine Informationsveranstaltung mit renommierten Rednern.

bre/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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