Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Vorfall in Schleching

Erneute Risse in Region heizen Diskussion über Wölfe an: „Man hängt doch an den Tieren“

Seltene Ereignisse: Gesicherte Sichtungen von Wölfen sind in der Region noch selten. Klinger
+
Seltene Ereignisse: Gesicherte Sichtungen von Wölfen sind in der Region noch selten.

Noch spielen sich die meisten Vorfälle im Landkreis Traunstein ab. Immer wieder scheint im Grenzgebiet zu Tirol ein Wolf aufzutauchen. Kürzlich soll einer der Räuber zwei Tiere in Schleching getötet haben Der Wolf hat einen enormen Bewegungsradius. In der Region Rosenheim bleibt man misstrauisch.

Rosenheim/Schleching – Von einem Tier waren nur noch Teile übrig, der Kopf, ein Lauf, „Rücken und Rippen waren durchgebissen, das braucht ganz schön Kraft“, sagt Thomas Pletschacher ein paar Tage nach dem Vorfall. Das andere Tier lag 50 Meter weiter, es machte Pletschacher noch mehr zu schaffen: Ein Schaf, das sich noch bewegte, es war an der Kehle verletzt und nicht mehr zu retten. Pletschacher musste es einschläfern lassen. Wie er sich fühlt? „Super“, sagt er und lacht hilflos. „Ich bin einfach nur traurig. Man hängt doch an den Tieren“

Es geht etwas um in Schleching und Umgebung. Ein Wolf, darauf tippen Pletschacher und andere Züchter und Bauern. Vielleicht aber auch ein anderer großer „Beutegreifer“, wie die Fachbezeichnung lautet, ein Hund zum Beispiel. Das Landesamt für Umwelt ist eingeschaltet, die Kadaver von Ziege und Schaf werden genau untersucht, „wir ermitteln ergebnisoffen“, teilt der Sprecher der Behörde mit. Pletschacher legt sich schon fest, der Tierarzt, der das Schaf eingeschläfert habe, habe ihm gesagt, dass die Wolfs-Wahrscheinlichkeit groß sei. Es könnte sogar ein besonders problematischer Vertreter seiner Gattung sein, sagt der Züchter. Die Kunde vom Riss brachte ihm am Wochenende ein Wanderer, der in der Nähe vom Schmugglerpfad unterwegs gewesen sei.

Lesen Sie auch: Ist der Wolf eine Chance für den Tourismus?

Pletschacher und Michael Seebauer bewirtschaften den Knogler-Hof in Schleching. Sie vermieten auch zwei Ferienwohnungen, Touristen suchen gerne in der Gegend Erholung, sie wandern dann bevorzugt auf dem Schmugglerweg. Dort in der Nähe stieß der Wanderer auf den verletzten Schafbock, und zwar auf dem Rückweg.

Ebenfalls interessant: Jetzt ist sicher: In Sachrang ist ein Wolf unterwegs

Die Möglichkeit, dass das Tier auf dem Hinweg dort noch nicht gelegen habe, lässt ihm nur den Schluss zu, dass der Wolf tagsüber aktiv wurde. Und das in der Nähe von Wanderwegen. „Das macht das Problem schon noch etwas größer“, sagt Pletschacher. Seine 15 Tiere hält er vor allem, um das Gelände vor der Verbuschung zu bewahren. Weil die Wanderer ihr geschätztes baumfreies Almgelände bald nicht mehr wieder erkennen würden. Was er tun kann, hat er getan: Seine Tiere hat er zu einem Freund nach Grabenstätt gebracht. Vor der eigenen Haustür ist es ihm zu gefährlich.

Nicht zu retten: Das Schaf von Thomas Pletschacher musste eingeschläfert werden.

Das Problem des großen Wolfs-Radius

Die Gefahr in der Nachbarschaft ist die Gefahr vor der Haustür. So sehen es viele Almbauern und Tierhalter in der Region Rosenheim. „40, 50 Kilometer legt ein Wolf locker in der Nacht zurück“, sagt etwa Alexander Meier, Vorsitzender der Schafzüchtervereinigung Rosenheim. Er verlangt von der Politik eine Richtungsänderung.

So wie auch viele Almbauern. Der Wolf, so kann man die Meinungen zusammenfassen, müsse seinen hohen Schutzstatus verlieren. Problemwölfe sollte man auch abschießen dürfen. „Man muss die Population doch kontrollieren können“, sagt Meier.

Andere Leser interessierten sich für: Auf die Katz gekommen – war der Wolf von der Hochries ein Stubentiger?

Ähnlich denkt auch Bezirksalmbauer Wolfgang Bauer aus Bad Feilnbach. Der sieht sieht Mensch und Wolf als nicht vereinbar miteinander an, nicht in so dicht besiedelten, in derart touristisch genutzten Gebieten wie vor den Bergen im Landkreis Rosenheim.

Noch dazu gehe der Wolf grausam vor – er töte, was er vorfinde, nicht unbedingt, was er zum Stillen des Hungers benötige. Auch Josef Harbeck, Vorsitzender der Schafhaltervereinigung Traunstein, glaubt nicht an den Wolf als Nachbarn. Da hätten die Leute auf dem Land und die „Stadtleute“ offenbar unterschiedliche Vorstellungen.

Manche Leute in der Stadt Augsburg jedenfalls schon. Dort ist besagtes Landesamt für Umwelt (LfU) angesiedelt. Dort sitzen auch die Experten, die es mit der Koexistenz von Mensch und Beutegreifer wenigstens versuchen wollen. Die Landkreise Traunstein und Rosenheim gelten als „Ereignisgebiete“, in denen unter bestimmten Umständen Förderung für Schutzzäune beantragt werden könne, sagt der Sprecher. In der Praxis kaum machbar, sagen die Almbauern und Züchter. Welcher Wanderer, welcher Mountainbiker lasse sich schon den Pfad von einem Zaun unterbrechen, fragt sich Bauer. Und Meier weiß, wie schlau der Wolf sein kann. „Wenn der Zaun unten am Hang steht, springt der auch drüber.“

Kaum gesicherte Sichtungen im Landkreis Rosenheim

Kann die Statistik des LfU Bauern und Züchter aus der Region beruhigen? Seit Februar gab es keine mit Sicherheit zu belegende Sichtung eines Wolfes mehr, und diese Sichtung geschah im Landkreis Traunstein. Noch etwas länger ist es im Landkreis Rosenheim her – im Oktober war ein Wolf in Sachrang fotografiert worden. Aber da wäre die hohe Beweglichkeit des Raubtiers. Ein Wolf, der heute in Tirol jagt, kann morgen in Aschau über die Straße spazieren.

Aber wenn es doch ein verwilderter Hund war? Thomas Pletschacher ist es gleich, ein Vorwarnsystem gegen Räuber, das sollte das LfU einrichten: „Damit wir unsere Tiere rechtzeitig in Sicherheit bringen können.“

Kommentare