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Weit über Schleching hinaus bekannt

„Immer viel Gamsfleisch gessen“: Die Graz´n Nanni wird 99 Jahre alt

Stolz zeigt Anna die Urkunde ihres Mannes nach 50 Jahren als Zimmermann bei Vincent Bachmann in Mettenham.
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Stolz zeigt Anna die Urkunde ihres Mannes.

In Schleching kennt sie jeder und ihre engen Angehörigen sind weit über den Chiemgau hinaus bekannt: Gemeint ist die „Graz´n Nanni“, eigentlich Anna Schwaiger, geborene Hell, aus Schleching. Am Donnerstag (9. September) feiert sie ihren 99. Geburtstag.

Schleching - Auf Anregung ihres Schwiegersohns, Felix Laubhuber, wegen seiner Blaubeerenplantage in Grassau, seinen Kürbissen und Christbäumen vielen nur als „der Fex“ bekannt, ist Anna Schwaiger bereit, ein Gespräch in seinem Beisein mit uns zu führen.

Nanni ist geistig und körperlich unglaublich fit, lediglich die Augen machen ihr seit Jahren zu schaffen. Inzwischen ist sie beinahe blind, erledigt aber ihren Haushalt noch selbst, geht in Begleitung manchmal einkaufen und in die Kirche. Ihre drei Enkel und fünf Urenkel besuchen die Oma und Uroma zu ihrer größten Freude häufig, inzwischen sogar mit den zwei Ururenkeln (einer vier und einer eineinhalb Jahre alt). Zweimal täglich kommt jemand von der Caritas und hilft ihr, das tägliche Leben zu bewältigen.

Bauernmagd und Sennerin

Anna Laubhuber wurde am 10. September 1922 als älteste von vier Geschwistern in Freiweidach geboren. Sieben Jahre – wie damals üblich - besuchte sie dort die Volksschule. Noch heute kann sie in deutscher und lateinischer Schrift schreiben. Auch an alle Jahreszahlen zu sich und ihrer Familie kann sie sich bis heute genau erinnern.

Nach der Schulzeit wurde die Nanni Magd beim Huber-Bauern in Piesenhausen und arbeitete im Sommer als Sennerin auf der Bischofsfellnalm in Ruhpolding. Mit 19 Jahren, damals also noch nicht volljährig, wurde sie Mutter ihrer einzigen Tochter Hildegard, die auch heute noch auf dem ehemaligen kleinen Bauernanwesen, dem „Graz´n Sachei“ – einem der ältesten Häuser von Schleching - lebt.

Am 7. Februar 1952 heiratete Nanni Georg Schwaiger, 50 Jahre Zimmermann bei der Baufirma Vincent Bachmann in Mettenham, Jahrgang 1909. Sie hatten sich über Nannis jüngere Schwester kennen und lieben gelernt. „Ich hab glei gwusst, dass er der Richtige ist“, sagt Nanni. Neben seinem Beruf als Zimmermann betrieb Georg Schwaiger im Nebenerwerb eine kleine Landwirtschaft, bei der seine Frau dann kräftig mitarbeitete.

1964 aber wurde Nanni sehr krank, ein Nierenversagen, das sie zwang, 18 Wochen im Prinz-Ludwigshaus, dem damaligen Krankenhaus in Traunstein zu liegen. Deshalb wurde 1964 dann „beim Graz´n“ die Landwirtschaft aufgegeben, denn der bis heute in Schleching allseits bekannte Hausarzt Dr. Friedrich Nohl sagte zum Grazei: „Hau deine Kiah zum Deifi, sei froh, wenn deine Oide wieder gsund wird“.

Zu der Zeit war die vom Graz´n adoptierte Tochter der Nanni bereits mit dem Maurer Felix Laubhuber zusammen, der tatkräftig half, das ehemalige Stallgebäude zu Wohnungen auszubauen. Aber nicht nur beim Arbeiten verstanden sich der Graz´n und der Fex bestens – auch beim Wildern: „Ihr Mann, der Graz´n Irg, war ein weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannter Wilderer“, erinnert sich eine Nichte der Nanni. Auf die Frage, ob sie das Wildern ihres Mannes sehr gestört hätte, sagt sie, „naa, des war halt in der schlechten Zeit nach dem Krieg, wo wir nix zu essen ghabt ham.“

Aber unbestritten war das Wildern auch später eine große Leidenschaft von Schwiegervater und Schwiegersohn, denn beide wurden manchmal dafür kurzzeitig eingesperrt (was ihrer Beliebtheit bei vielen Einheimischen aber keinesfalls zum Nachteil gereichte). Was hat die Schwaiger Nanni getan, um bei so guter Gesuncheit so alt zu werden? „Nix“, sagt sie spontan. Und der Fex ergänzt, „du hast halt immer viel Gamsfleisch gessen“.

Da lacht sie nachschallend, „ja, das stimmt“. Außerdem beschäftigt sie sich, sagt sie, mit allen und allem um sich herum und ist froh über die guten Nachbarn, die ihr helfen, wann immer notwendig. Heute feiert die Graz´n Nanni mit ihrer großen Familie Geburtstag beim Hofstetter. Auch wir gratulieren und wünschen noch weitere schöne Jahre.

Christiane Giesen

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