Die Lage vor Ort in Raiten nach der Evakuierung

Das eigene Haus zum Greifen nahe und doch unerreichbar

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Aktuell kommt niemand hinein nach Raiten.
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Schleching - Nach der Evakuierung des Schlechinger Ortsteils Raiten dürfen die Bewohner vorerst nicht mehr in ihre Häuser zurück. So ist die Lage vor Ort:

"Mein Haus ist von der Absperrung nur einen Steinwurf entfernt. Ich kann es von hier aus sehen, wäre mit wenigen Schritten dort, aber ich darf nicht rein", klagt ein Raitener. Er wohne schon seit langer Zeit im Ort, habe solche Winter schon erlebt und bezweifle, dass sein Haus durch die potenzielle Lawine gefährdet sei. "Aber ich kann natürlich verstehen, dass die Behörden auf Nummer sicher gehen und niemanden gefährden wollen." 

Frust über Betretungsverbot

"Wir wurden durch die Ansagen von den Fahrzeugen, die durchs Dorf fuhren benachrichtigt", berichtet eine andere Anwohnerin, "Dann haben die Leute eben das nötigste gepackt." Sie selbst habe ihre Hunde dabei. Für die Nacht habe sie ein Hotelzimmer in Schleching gefunden. "Wir wissen gar nicht, wie lange es dauert und wie es weitergeht." Sie würden nun versuchen, sich über eine Whatsapp-Gruppe gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. "Schauen wir mal, wann die Information kommt, dass wir wieder rein dürfen." 

Ortsteil Raiten evakuiert - Situation am Donnerstag

Immer wieder kommen Anwohner an den Absperrungen am Ortsrand von Raiten an. Doch wer zu seinem Haus will, wird von den dort Wache haltenden Polizisten abgewiesen. Viele reagieren darauf verständnisvoll, andere sind frustriert. Das eigene Haus zum Greifen nahe und doch unerreichbar. Diese Situation sorgt bei so manchem für Unverständnis.

Walch: Sicherheit geht vor 

"Es darf aktuell niemand rein, es ist einfach wichtig, dass die Sicherheit der Bevölkerung gewährleistet ist", erklärt Landrat Siegfried Walch (CSU) den Standpunkt der Behörden. "Momentan können wir einfach nicht gestatten, dass die Leute wieder zurück in ihre Häuser dürfen. Deshalb bleibt das Betretungsverbot aktuell weiter aufrecht." 

Er weißt darauf hin, dass auch alle Nutztiere in Sicherheit gebracht worden waren. "Priorität eins war, die Bevölkerung rauszubringen, Priorität zwei sind die Tiere." Die Polizeikräfte seien inzwischen verstärkt worden. "Es wird auch alles ausgeleuchtet, so dass das Hab und Gut der Bevölkerung dort gesichert ist." 

Walch: Bewohner werden zwei bis drei Tage überbrücken müssen

Wie lange es noch dauern wird, bis die Bevölkerung wieder zurück darf, könne er noch nicht sagen. Dies hänge von der weiteren Entwicklung ab. "Wir gehen momentan davon aus, dass sie die nächsten zwei bis drei Tage überbrücken werden müssen", berichtete Walch. Notunterkünfte seien vorhanden, würden aber bisher noch nicht in Anspruch genommen. 

Die Helfer unterdessen sind in der Grund- und Mittelschule Unterwössen in einem Notlager untergebracht. Dass man im Achental zusammen hält, bestätigt auch Schulleiter Otto Manzenberger.

Momentan werde permanent die Einschätzung der Lawinenkommission gehört und aktualisiert. "Im Moment können wir noch nicht sagen, wie man am Besten mit der Lawine umgeht." Es würden verschiedene Optionen geprüft. Er könne dazu aber noch nichts genaues sagen. "Sobald wir einen konkreten Plan haben, werden wir das auch sagen." 

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