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Von der ritterlichen Burgkapelle zum Wanderermagneten

St. Servatius-Kirche auf dem Streichen bei Schleching gilt als besonderer Kraftplatz

Der Innenraum beherbergt herausragende Malereien und ein Kastenaltärchen.
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Der Innenraum beherbergt herausragende Malereien und ein Kastenaltärchen.

Die kleine und von außen recht unscheinbare Streichenkirche bietet im Innenraum besondere Schätze, die sogar mit einem Gitter gesichert sind, das nur zu Gottesdiensten, Veranstaltungen oder Führungen geöffnet wird.

Schleching – 814 Meter hoch über dem Tal der Tiroler Achen in den Chiemgauer Alpen ist der Standort der Kirche ein historisch bedeutender Platz. Der Name Streichen kommt von „Strichen“ und bedeutet „Übergang, Saumpfad“, Alpenübergang. Prähistorische Funde aus der späten Bronzezeit um 900 vor Christus zeugen von einer sehr frühen Besiedelung. Oberhalb der heutigen Streichenkirche erhob sich im 12. Jahrhundert auf dem Schloßberg die Streichenburg.

Es wird angenommen, dass die Burgherren, die Streichenritter, dem heiligen Servatius zu Ehren eine kleine Burgkapelle errichteten. Das heutige Gotteshaus dürfte erst um 1300 errichtet worden sein. Erst in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Sankt Servatius-Kirche urkundlich erwähnt. Der Heilige, der Bischof von Tongern, galt bei den Bauern als Patron für gutes Wetter und gute Ernten und wird heute als einer der Eisheiligen genannt.

An den wichtigen Samerwegen gelegen

Die Schlechinger Bauern transportierten auf den östlich und westlich der Ache verlaufenden Saumpfaden, auch Samerwege genannt, auf dem Rücken ihrer Rösser Waren über das Gebirge. Sie holten den Wein aus Bozen herauf und brachten im Gegenzug das Salz in den Süden. Ein „Saum“ war die Last, die ein Pferd tragen konnte.

Begleitet wurden die Säumer auf ihren steilen und beschwerlichen Wegen von den „Kraxntragern“, die auf ihren zentnerschweren Kopfkraxen den Käse, Speck und Heilmittel trugen. Sie werden gern in der Streichenkirche eingekehrt sein. In Erinnerung an diese Zeit gibt es die Tradition der Schlechinger Kraxenträger, die mit nachgebauten Kraxen zu historischen Anlässen unterwegs sind.

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Könnten die Mauern der Kirche erzählen, würden sie von vielen Zwisten und Kriegen berichten, die um sie herum tobten, wie der Landshuter Erbfolgekrieg 1506 oder der Spanische Erbfolgekrieg ab 1702. Dabei gab es unterhalb der Streichenkirche im Bereich des Klobensteinpasses Scharmützel mit habsburgischen Soldaten.

Die Streichenkirche auf dem Schloßberg.

Im österreichischen Erbfolgekrieg 1742 wurden das Mesnerhaus am Streichen sowie die benachbarten Achberger Höfe von den Österreichern niedergebrannt. Die Kirche blieb unversehrt.

Die Schätze im Innenraum

Der Besucher hat einen traumhaften Blick auf das Kaisergebirge und spürt eine ganz besondere Kraft. Vielleicht liegt es an den Heiligen im Innenraum. Unter einem farbig ausgebreiteten Heiligenhimmel findet der Besucher auch die vierzehn Nothelfer, drei weibliche und elf männliche Heilige, von denen alle bis auf den heiligen Ägidius als Märtyrer starben. Laut dem kleinen Kirchenführer-Heft wurde die Kirche im 16. Jahrhundert neu ausgestattet.

Der Chor erhielt Wandmalereien, die später übertüncht wurden. 1913 ließ das Bayerische Denkmalamt Schürfungen an der Chorbogenwand durchführen. Dem Kunstsinn und der Tatkraft des Schlechinger Pfarrers Eduard Pichler (1937-1966) ist es zu verdanken, dass Malereien freigelegt wurden. Das spätgotische Retabel des Hochaltars hat sich vollständig erhalten.

Die frühbarocke Kanzel wurde entfernt, ebenso 1953/54 das Steingewölbe und die Empore. Es wurde wieder eine flache Holzdecke eingezogen, und aus den Tuffsteinen des Gewölbes mauerte man die Mensen der Seitenaltäre neu. Nach der restlichen Freilegung wurden alle Wandmalereien durch Georg Gschwendtner gereinigt.

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Die größte Kostbarkeit ist das Kastenaltärchen, das wohl 300 Jahre über dem Gewölbe lag und jetzt auf dem linken Seitenaltar steht. Die Originalmalereien sind gut erhalten. Die Flügel sind mit insgesamt acht Heiligengestalten bemalt – ein herausragendes Beispiel für den sogenannten Weichen Stil der Gotik um 1400.

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Wie kommt dieses erlesene Werk nun in diese entlegene Kirche? St. Servatius war eine Wallfahrtskirche, die noch bis ins 18. Jahrhundert hinein die reichste Kirchenstiftung im Achental war. Beeindruckend ist auch die gemalte übergroße Figur des Heiligen Christophorus an der linken Kirchenwand, Schutzpatron der Reisenden. Wenn jemand hoch gewachsen war, so sagte man in Schleching von ihm, „er ist so groß wie der Christophorus am Streichen“.

Kulturstiftung Bayern und Familienstiftung Wilde kaufen gesamtes Anwesen

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Nach dem Tod von Franz Strohmayer, dem Wirt des Berggasthofes Streichen, kaufte die Kulturstiftung Bayern mit der Familienstiftung Yvonne und Thomas Wilde aus Schleching das gesamte historische Ensemble, um es für alle Schlechinger Bürger und Besucher in seiner ursprünglichen Form zu erhalten.

Die historischen Angaben in diesem Bericht stammen aus dem Kirchenführer, der für 3,50 Euro in der Kirche ausliegt sowie von Ausführungen des Heimatpflegers Hartmut Rihl.

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