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„htmbr – schwer zu merken und unaussprechlich = gut“

Der bedeutende Konzeptkünstler Hetum Gruber (1937 bis 2019) im Atelierfenster in Staudach

Ein Blick ins Atelierfenster von Carsten Lewerentz in Staudach Egerndach – mit einigen Werken des bedeutenden deutschen Konzeptkünstlers Hetum Gruber.
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Ein Blick ins Atelierfenster von Carsten Lewerentz in Staudach Egerndach – mit einigen Werken des bedeutenden deutschen Konzeptkünstlers Hetum Gruber.

„Kunstwerke machen, bei denen alles so richtig ist wie bei einem Schneeball: Der Vorgang des Machens, Handlung (Prozess) – das Material – die Form – die Dimension – das Gewicht – die Funktion“

Staudach-Egerndach – Das ist ein Zitat des bedeutenden Konzeptkünstlers Hetum Gruber, der von 1963 bis 1980 mit seiner Frau im Achental lebte und als Kunsterzieher am Staatlichen Landschulheim Marquartstein, wo auch der Bildhauer Carsten Lewerentz oder der ebenso lange am LSH unterrichtende Kunsterzieher Toni Bader Grubers Schüler waren. Daneben aber war er – vollkommen abgekoppelt von der schulischen Arbeit - schon lange deutschlandweit ein bekannter und Richtungsweisender junger Künstler war. „Er hatte viele Schüler, die ihn bis heute sehr verehren und deren Lebensweg er beeinflusst hat“, sagt Lewerentz.

Seinem früheren Lehrer zu Ehren und zu Hetum Grubers 85. Geburtstag organisierte er eine Ausstellung in seinem wohl bekannten „Atelierfenster“ an der Hauptstraße 31 in Staudach-Egerndach mit einer auffälligen Skulptur in der Mitte, betitelt „Beträchtlicher Schaden“ umgeben von einigen der abstrakten Bilder und Zeichnungen Grubers.

Wer sein Wissen zu Hetum Gruber aber vertiefen will, kann auch im neu renovierten Atelierhaus, Gastätt 2, von Carsten Lewerentz, (etwas weiter Richtung Bergen, einige hundert Meter vor dem Ortsausgang von Staudach-Egendach auf der rechten Seite) Planzeichnungen, Werkbuchnotizen, Kataloge und Dokumentationen zu Hetum Gruber einsehen und studieren.

Hetum Gruber, ursprünglich getauft auf den Vornamen Hermann, wie in den Jahresberichten des LSH Marquartstein noch nachzulesen ist, wurde am 12. März 1937 in Weil bei Tilsit geboren. Seit 1998 gibt es über Gruber jedoch keine autorisierte Vita mehr, wie bei Wikipedia nachzulesen ist. Der Künstler verweigerte von diesem Jahr an, jede nähere Angabe zu seinem Lebenslauf. Bekannt ist, dass er mit seiner Frau Renate zwei Kinder hatte, Janina und Ben, die auch in der Todesanzeige in der Süddeutschen Zeitung genannt sind. Hetum Gruber starb im März 2019.

Aufgrund der Recherchen zu der Ausstellung bemühte sich Carsten Lewerentz sehr, mit der höchstwahrscheinlich noch lebenden Witwe Grubers und mit seinen Kindern Kontakt aufzunehmen, was ihm jedoch nicht gelang. Im Internet findet sich lediglich ein Neffe Grubers, der seinerseits via Internet versuchte, mit den Nachfahren Kontakt aufzunehmen. 

Die Spuren Hetum Grubers künstlerischen Schaffens finden sich jedoch in vielen großen Museen und Sammlungen - Zeichnungen, Werkpläne und sehr häufig seine Gedanken zur künstlerischen Arbeit. Sein umfangreiches Werk belegen dazu die vielen Kataloge, die Lewerentz so weit wie möglich für die Präsentation in Antiquariaten in ganz Deutschland erworben hat. So stellte Gruber seine Werke zum Beispiel 1977 bei der Documenta 6 in Kassel aus, in der Städtischen Galerie Erlangen, später der Kunsthalle in Kiel, im Museum für zeitgenössische Kunst von Frieder Burda in Baden-Baden oder im Museum in Karlsruhe und Bonn, um nur einige zu nennen. Insgesamt waren es weit über 50 Einzelausstellungen und seine Arbeiten und ganze Werkgruppen befinden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen.

Im Chiemgau ist diese liebevoll aus dem unfangreichen Werk Grubers zusammengetragene Ausstellung wahrscheinlich die einzige, die es gab und voraussichtlich geben wird.

Ein deutscher Konzeptkünstler

Hetum Gruber gehört zu den ersten und vielleicht konsequentesten deutschen Konzeptkünstlern. Als profunder Kenner der Kunstgeschichte verarbeitete er mit den unterschiedlichsten künstlerischen Mitteln wie Zeichnung, Skulptur, Installation, Text, Fotografie oder Video immer wieder prozesshaft seine Gedanken zu Phänomenen der Gegenwart und machte sie damit sichtbar.

Seit 1998 zeichnete Hetum Gruber seine Werke immer nur mit htmbr, wobei jeder zweite Buchstabe seines Namens weggelassen ist. Gruber wollte durch die Reduzierung auf ein Pseudonym ebenso wie durch den Verzicht, seine biographischen Daten weiterzugeben, darauf hinweisen, dass es ihm nicht auf seine Person, seinen Ruhm oder seine Bekanntheit ankomme, sondern allein auf das Werk. 

Natürlich kann so eine kleine Präsentation den Künstler Hetum Gruber weder angemessen noch umfassend würdigen, aber Carsten Lewerentz ist es in jedem Fall gelungen diesen außergewöhnlichen und bedeutenden Künstler, der fast 20 Jahre im Achental lebte, wieder ins Bewusstsein zu rücken und vielleicht so manchen neu für sein Werk zu interessieren.

Das Atelierfenster in Staudach-Egendach ist täglich bis 22 Uhr beleuchtet. Es liegt ein Heft für die gern gesehenen Kommentare der Betrachter und zum Dialog mit dem Initiator des Atelierfensters aus.

Wer sich für die weiterführende Präsentation im Atelierhaus G2 interessiert, kann sich telefonisch unter der Nummer 08641/3988 bei Carsten Lewerentz anmelden oder per e-mail carsten@lewerentz.de        

Christiane Giesen