Familie nach Großbrand in Staudach verzweifelt

Ein Leben in Zelt und Wohnwagen: "Jetzt sind wir obdachlos"

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Das ist vom alten Bauernhaus bei Staudach-Egerndach übrig geblieben: Eine einsturzgefährdete, schimmelbelastete Ruine. Direkt daneben leben die Kunerts nun im Wohnwagen.
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Staudach-Egerndach - Sie holte Eis für die Kinder, doch als sie zurück kam, stand alles in Flammen: Am 13. Juni hat sich das Leben von Maria Kunert und ihrer Familie komplett gewendet - sie kämpfen nun gegen die Obdachlosigkeit.

"Als ich beim Zurückfahren die Rauchsäule gesehen hab', wusste ich sofort: Das ist unser Hof" - was für ein Gefühl muss das sein? Man verlässt für wenige Minuten das Haus, kommt zurück und alles steht in Flammen. Zuerst suchte Maria Kunert nach den Kindern, natürlich ("Die kann Dir keiner mehr geben"). Die Kleinen flohen zu den Nachbarn, einer der Söhne leicht verletzt, doch Haus und Stall wurden bereits von den Flammen gefressen.

Über zwei Monate im Zelt gelebt - bis die Matratzen schimmelten

Diesen Anblick - und die Ungewissheit, wie es ihren Kindern geht - musste Maria Kunert auf dem Heimweg ertragen.

Das Leben von Maria Kunert (38) und ihrem Mann (45) hat sich an diesem Juni-Tag gedreht. Ihre drei Kinder konnte die Staudacherin bei Verwandten unterbringen, aber sie und ihr Mann finden keine Lösung. Kurzerhand stellten sie ein Zelt im Garten auf, übernachteten dort. Nicht für ein paar Tage, sondern für gut zwei Monate.

Familie aus Staudach-Egerndach nach Großbrand obdachlos

"Ich hab' oft gedacht, ich bin in einem schlechten Film", erzählt Maria Kunert. Bei Sturm und Regen schliefen sie im Zelt, das Essen mit dem Campingkocher zubereitet. In der Ruine nebenan loderten immer wieder Glutnester auf. Als die Matratzen zu schimmeln anfingen, kauften sie ein Wohnmobil - dort lebt die Staudacherin mit ihrem Mann nun. 

Plünderer rauben Maria Kunert den letzten Nerv

Sie hat es bei allen umliegenden Gemeinden probiert, bis ins österreichische Kössen, Suchanzeigen aufgegeben, den Bauernverband eingeschalten - doch ein neues Haus lässt sich nicht finden: "Zündler kriegen nix", mehr bekam Maria Kunert in einem Fall nicht zu hören. Seltsame Gerüchte kursierten im Dorf, auch die Versicherung will bisher nur 25 Prozent des Schadens übernehmen. Doch wie das Feuer entstand wissen weder Kunert, noch die Kripo: "Jetzt sind wir offiziell obdachlos."

Auch vom neu gekauften Quat blieb nur noch das Gerippe übrig.

Vier Ordner an Unterlagen sind alles, was Maria Kunert noch aus dem Haus retten konnte. Alles andere ist verbrannt, verschimmelt - oder wurde geklaut: "In der Nacht haben wir immer wieder gesehen, wie Leute mit Taschenlampen in das Haus eingestiegen sind", so die Staudacherin wütend. Seitdem sind auch der letzte Schmuck und der Laptop weg. Dass das Haus extrem einsturzgefährdet ist, schien die Plünderer nicht zu stören

Über 350 Tiere überlebten den Brand nicht

Verheerend auch der Tierbestand, den die Kunerts verloren haben: 250 Hühner, sechs Schafe, 41 Hasen, 15 Puten, 20 Enten und 30 Wachteln kamen beim Brand und den Löscharbeiten ums Leben. Ein kleinerer Teil der Tiere hat überlebt, daher hätten die Kunerts am liebsten einen alten Bauernhof oder ein Sachl, wo sie einziehen könnten. Möglichst vier oder fünf Zimmer, damit man auch mit den Kindern (4/9/13 Jahre) wieder unter einem Dach leben kann. Die Tiere könnte man zur Not auch auf anderem Grund unterbringen - doch nach monatelangem Leben in Zelt und Wohnwagen will die Familie wieder ein Dach über dem Kopf.

Kontakt zu Maria Kunert kann über den Autor aufgenommen werden: xaver.eichstaedter@ovb24.de

xe

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