Trachtler halten die Kultur hoch

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Eine Fahne übergab Bürgermeister Josef Heigenhauser (links) an Vorstand Hans Bauhofer. Sie war 1908 nach einem Besuch der Trachtler beim Münchner Volkstrachtenfest nach Reit im Winkl gelangt und im vergangenen Jahr bei Sanierungsarbeiten im Keller des Schulhauses wieder aufgefunden worden.

Reit im Winkl - Sie verstehen es, gebührend zu feiern, die Mitglieder des Reit im Winkler Trachtenvereins "Dö Koasawinkla". Und dies unterstrichen sie am Wochenende mit allem Nachdruck.

Eine Ausstellung mit sehenswerten Exponaten aus der eigenen Trachtengeschichte wurde veranstaltet, ein "Oberkrainer-Abend" mit gut 450 Gästen am Freitag und am Sonntag dann ein Festgottesdienst mit anschließendem Umzug mit rund 1000 Teilnehmern (wir berichteten). Im Mittelpunkt stand am Samstag freilich der Festabend. All diese Programmpunkte waren aus dem gleichen Grund organisiert worden: Stolze 110 Jahre alt ist der "Gebirgstrachtenerhaltungsverein Dö Koasawinkla".

"Und was macht man bei einem großen Geburtstag?", fragte zu Beginn seiner Rede Vorstand Hans Bauhofer die über 700 Gäste im Festsaal eher rhetorisch, "genau: man lädt sich viele Gäste ein." So kamen zum Festabend viele Gratulanten von Orts-, Nachbar- und Patenvereinen und von der Gemeinde. Dieser Rahmen bot aber auch beste Gelegenheit dafür, besonders verdienstvolle Funktionäre in den Kreisen der Trachtler auszuzeichnen.

Instrumentalstücke und Tänze, Lieder und Plattler, vorgetragen von den einzelnen Gruppen der "Koasawinkla", aber auch von Patenvereinen aus Prien, Rottau und Unterwössen, schwungvolle Stücke von der Reit im Winkler und der Weisenbläser Musikkapelle bildeten das sehr abwechslungsreiche, manchmal ruhige, manchmal recht schwungvolle, 23 Punkte umfassende Programm des über zweieinhalb Stunden währenden Festabends.

Drei neue Ehrenmitglieder hat der Verein: Georg Speicher (Zweiter von links), Bärbel Rieder (Dritte von links) und Michael Neumaier (Dritter von rechts). Die Ernennungen nahmen Vorstand Hans Bauhofer (rechts) sowie die beiden Stellvertreter Natalie Zeiser und Graz Mühlberger vor.

Immer wieder ergriffen Leiter verschiedener Gruppen das Wort, um den Koasawinklern zu gratulieren und ihnen Respekt zu bekunden. Manche brachten auch Geschenke mit, Bürgermeister Josef Heigenhauser etwa. Er übergab Vorstand Hans Bauhofer eine Fahne, die fast genauso alt ist, wie der Trachtenverein selbst. Diese kleine Fahne war bei den umfangreichen Sanierungsarbeiten im Keller der Grundschule im vergangenen Jahr aufgefunden worden. Der ehemalige Vorstand der "Koasawinkla", Michi Neumaier, hatte ergänzend dazu herausgefunden, dass 1908 eine der ersten Reisen die Trachtler des Gebirgsortes zum Münchener Volkstrachtenfest führte. Irgendwie war die Fahne mit dem Bild des Münchner Kindls nach dem dreitägigen Besuch nach Reit im Winkl gelangt und über 100 Jahre im Schulhauskeller aufbewahrt worden, aber dort auch in Vergessenheit geraten. Jetzt ist sie zurück im Besitz des Trachtenvereins und ergänzt dessen Archiv.

Eine besondere Ehre erfuhren drei Mitglieder des Vereins, die aufgrund ihrer hohen Verdienste um das Trachtenwesen und insbesondere um den örtlichen Verein zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden: Bärbel Rieder, Georg Speicher und Michi Neumaier. Sie seien die "Stützpfeiler" bei der Ausrichtung des Gaufestes 2001 in Reit im Winkl gewesen und erhielten diese Auszeichnung, obwohl alle drei das 50. Lebensjahr noch nicht erreicht hätten. Die Vereinsvorschriften sähen diese Mindest-Altersgrenze für eine Ehrenmitgliedschaft eigentlich vor.

Geht es nach den Auszeichnungen, dann war Michael Neumaier gewissermaßen "der Mann des Abends". Aus der Hand von Ludwig Entfellner, dem Gauvorstand des Chiemgau-Alpenverbandes, erhielt Neumaier für seine langjährigen Verdienste in führenden Positionen das Gauverdienstzeichen in Gold, "die höchste Auszeichnung, die wir zu vergeben haben", wie Entfellner bemerkte.

Der Gauvorstand wollte den Koasawinklern zwar nachdrücklich zu ihrem 110-jährigen Bestehen gratulieren, mahnte aber auch an, "sich nicht auf dem Status Quo" auszuruhen. "Jede Generation trägt dazu bei, dass die Kultur weitergetragen wird und dass sie weiter wächst", ansonsten wären die Trachtenvereine ja nur "Museumswärter", so Entfellner. Bei den Koasawinklern sei ihm allerdings wegen ihrer "hervorragenden Jugendarbeit" in dieser Hinsicht nicht bange.

ost/Chiemgau-Zeitung

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