150 Unterschriften für Tempo 30 im Wohngebiet

+
Hans-Jürgen Brandl hat 150 Unterschriften von Anliegern für die Anordnung einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Freiweidacher Straße im Wohngebiet gesammelt.

Marquartstein - Seit drei Jahren bemühen sich Anlieger der Freiweidacher Straße um eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h im Wohngebiet.

In ihrer Begründung verweisen sie auf die besonders für Fußgänger, Radfahrer, Kinder und Senioren gefährlichen Eckpunkte der schmalen, unübersichtlichen Straße ab dem Sportplatz Freiweidach bis zur Einmündung an der Brücke.

Aktivster Betreiber dieses Vorhabens ist Hans-Jürgen Brandl, der an der Ecke Freiweidacher Straße/Grießpointweg wohnt und nach eigenen Angaben täglich gefährliche Situationen beobachten kann. 150 Unterschriften hat er innerhalb kurzer Zeit gesammelt und dabei in fast allen Häusern vielfältige Klagen über die Verkehrssituation gehört. Da es weder Fuß- noch Radwege in der Freiweidacher Straße gebe und viele Häuser bis dicht an die Straße gebaut seien, so Brandl, komme es zum Beispiel bei Gegenverkehr und plötzlich notwendigen Ausweichmanövern häufig zu "gravierenden Bremsmanövern".

"Viele Autos fahren schneller als 50 km/h", sagt der Anlieger weiter. Bürger und Gäste, die die Verkehrssituation noch nicht kennen, werden seinen Angaben zufolge auch durch Anhupen oft verängstigt an den Straßenrand gedrängt. Im Winter werde die Lage durch Schnee und Räumfahrzeuge noch prekärer.

Hinzu kommt, dass die Freiweidacher Straße schon durch das Neubaugebiet Brandäcker mit acht neuen Häusern nahe der Tiroler Ache, bewohnt von jungen Familien, immer häufiger befahren wird. Zudem gilt die Straße bei einigen Autofahrern, die zum Beispiel von Traunstein kommen, besonders im Berufsverkehr als "schnelle Abkürzung", um die Bundesstraße zu vermeiden.

Hans-Jürgen Brandl, von Beruf Lehrer und Leiter des Förderzentrums in Prien, wandte sich mit seinem Anliegen auf Änderung der Verkehrssituation an die Gemeinde, die das Anliegen zwar unterstützt, aber für die Kreisstraße selbst nicht zuständig ist. Das Landratsamt beschied die Forderung nach einer Geschwindigkeitsbeschränkung in einem Schreiben vom Mai 2009 und wieder im Mai 2011 abschlägig - trotz der inzwischen gesammelten 150 Unterschriften, unter denen sich auch die mehrerer Gemeinderäte und des Zweiten Bürgermeisters befinden.

Zusammen mit dem Sachbearbeiter für Verkehr von der Polizeiinspektion Traunstein sei der Antrag der Bürger nochmal geprüft worden, heißt es im Antwortschreiben des Landratsamtes vom Mai diesen Jahres. Im Landkreis Traunstein gebe es viele vergleichbare Kreisstraßen in Ortsdurchfahrten ohne Gehsteig. Parallel zur TS 34 verlaufe dagegen ein Fuß- und Radweg auf dem Achendamm und das Verkehrsaufkommen auf der TS 34 sei gering. Seit Januar 2006 sei bis heute kein Verkehrsunfall registriert worden, so das Landratsamt. Gemessen an den gesetzlichen Vorgaben wäre daher "die Anordnung einer Geschwindigkeitsbeschränkung rechtswidrig", da eine gravierende Gefährdungslage nicht bestehe. Auch die Straßenverkehrsordnung verbiete eine Tempo-30-Zone auf Kreisstraßen.

"Ja, muss denn erst was passieren?" fragt Brandl und kann sich nur wundern, dass auch die vielen Unterschriften das Landratsamt nicht zu beeindrucken scheinen. "Autofahrer haben bei uns einfach mehr Rechte als Fußgänger und Radfahrer", schließt auch Annemarie Brandl aus der Antwort der Behörde.

Eine Möglichkeit zur Durchsetzung einer Geschwindigkeitsbeschränkung wäre, dass die Gemeinde beantragt, die Straße von einer Kreis- zu einer Gemeindestraße abzustufen. Das komme bei einer Gemeindeverbindungsstraße, wie es die TS 34 zwischen Staudach und Marquartstein sei, nicht in Frage, sagt Geschäftsleiter Florian Stephan, zumal die Gemeinde dann die vollen Unterhaltszahlungen für die Straße stemmen müsste.

Das Landratsamt weist in seinem Schreiben zudem darauf hin, dass die Bürger eine Änderung der Straßenverkehrsordnung im Rahmen einer Petition an den Bayerischen Landtag versuchen könnten. Hans-Jürgen Brandl weiß noch nicht genau, wie es jetzt weitergehen soll, aber eins sei sicher: "Wir werden weiter kämpfen."

gi/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Achental

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser