Alpensegelflugschule im Trudeln

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Anders als von Alfred Sieger (Mitte), dem scheidenden kaufmännischen Vorstand, erhofft, geht die Deutsche Alpensegelflugschule Unterwössen in ein schwieriges Jahr 2011. Der Verein unter seinem Nachfolger Rüdiger Ettelbrück (links) sah aber auch die positive Entwicklung unter seiner Führung. Er und Bürgermeister Hans Haslreiter für die Gemeinde Unterwössen dankten ihm für seine Leistungen für den Verein und den Flugplatzstandort Unterwössen.

Unterwössen - Eigentlich wollte der scheidende kaufmännische Vorstand Alfred Siegert seinem Nachfolger in der Deutschen Alpensegelflugschule Unterwössen (DASSU) einen gesunden Betrieb übergeben.

Die Zahlen des Jahresberichtes und des Jahresabschlusses gaben dazu auch berechtigte Hoffnung. Doch Altlasten haben jetzt den zukünftigen Haushaltsplan für das Jahr 2011 enorm belastet.

Pflichtbewusst haben die Verantwortlichen jetzt um 105.000 Euro als Höchstbetrag in den Haushaltsplan für solche Verbindlichkeiten eingestellt, in der Hoffnung, dass sich dieser Betrag nur zu einem geringen Teil als nötig erweist. Trotzdem sind die Enden auch für 2011 wieder erfolgreich zusammen gebracht, wie Siegert ausführte.

Die DASSU ist mit Ihrem Flugjahr 2010 zufrieden. Die Vulkanaschwolke über Europa hatte den Flugbetrieb im April zeitweise beeinträchtigt. Zwar hatte man das Fluggerät rechtzeitig vor dem Hochwasser am 3. Juni gesichert, doch Schäden an den Hallen und Einschränkungen im Flugbetrieb blieben. Das hervorragende Wetter Angang Aprils und dann wieder überwiegend von August bis Mitte September brachten in der Summe aber einen leichten Zuwachs in den Startzahlen gegenüber dem Vorjahr.

223 Flugschüler absolvierten in 2010 Ausbildungen zu verschiedenen Fluglizenzen. Die Schülerzahlen steigen seit mehreren Jahren langsam aber kontinuierlich. Die DASSU hat sich auch in 2010 am bayerischen Schulsportprogramm "Sport nach eins" engagiert, mit dem Schülern neben dem Sportpflichtprogramm der Schulen eine Art Schnupperkurs in den Vereinen geboten wird. Dazu bestehen enge Kontakte zum Chiemgau-Gymnasium in Marquartstein und dem Gymnasium Marquartstein, über die schon Schüler dauerhaft für den Segelflug gewonnen wurden.

Die Streckenfluglehrgänge in 2010 und auch für wieder 2011 sind ausgebucht. Trotz der Wettereinflüsse konnten in 2010 die Lehrgangsziele in Theorie und Praxis erreicht werden. Die große Nachfrage danach belebt auch das Individualtraining mit den Piloten in Platznähe, die damit u.a. ihre Gebirgssegelflugfertigkeiten verbessern. Die Nachfrage, Standard-Flugzeuge der DASSU zu chartern, ist nach wie vor lebhaft, so dass in 2010 trotz teilweise schlechter Wetterbedingungen hohe Charterzeiten erreicht wurden.

Trotz des Schwerpunktes auf dem Segelflug war die Saison 2010 Siegert zufolge auch für den Motorsegel- und Ultraleichtflug erfolgreich.

Verschiedene Lehrgänge des Luftsport-Verband Bayern wurden auf dem Flugplatz ausgetragen. Die Platzgenehmigung durch das Luftfahrtamt sei geringfügig ausgeweitet worden, was jetzt und in Zukunft die Streckenflugbedingungen verbessere. Mit Jörg Präfke ist ein neuer Schul- und Ausbildungsleiter zur DASSU gekommen.

Der vom Traunsteiner Steuerberater Joseph Weiß ausführlich erläuterte Jahresabschluss hat ein positives Ergebnis gebracht. Umfangreich erläuterte Weiß auch, dass eine im April 2009 durch das Zollamt erfolgte Prüfung nach der dortigen Auffassung zu einer anderen Bewertung der Umsatzsteuer gekommen ist, mit erheblichen Folgen für Lohnsteuerzahlungen und Sozialabgaben. Dies könne zu erheblichen Belastungen durch zusätzliche Verbindlichkeiten von nach derzeitigen Schätzungen bis zu rund 105.000 Euro führen. Die Ursachen für die Verbindlichkeiten fanden ihren Anfang in der Zeit vor 2005, und dauerten an bis in die Zeit des jetzigen Vorstandes.

Die Verbindlichkeiten berührten den schwierigen Bereich der Einordnung von Selbständigkeit/Scheinselbständigkeit und der Verdienstgrenzen in Arbeitsverhältnissen. Ein Bericht der Zollbehörde, aus dem man sich mehr Informationen erhoffe, sei die nächsten Wochen zu erwarten.

Bürgermeister Hans Haslreiter berichtete, dass er mit Manfred Schneider die Kasse geprüft habee. Außerdem seien sie ausführlich über das Zollverfahren informiert worden. Die Kasse sei korrekt und übersichtlich geführt. Es habe keine Beanstandungen gegeben. Auf Wortmeldung von Werner Meyer vom Luftsport-Verband Bayern wurde zwischen den Mitgliedern kurz erörtert, ob die Entlastung des Vorstandes wegen des Zollverfahrens zurück zu stellen sei. Ausschlag gab letztlich die Auffassung von Florian Amann, Jurist und Regierungsdirektor am Landratsamt Traunstein, der als Stellvertreter des Landrats und damit Ersten Vorstandes an der Versammlung teilnahm. Amann führte aus, dass die Entlastung sich auf das Geschäftsjahr 2010 beziehe, und insgesamt nicht erkennbar sei, dass dem jetzigen Vorstand da Fehler unterlaufen seien. Darauf wurde die Entlastung einstimmig erteilt.

Der entschuldigt verhinderte Erste Vorstand, Landrat Hermann Steinmaßl, hatte signalisiert, wieder zu kandidieren und wurde in Abwesenheit gewählt. Nachfolger Alfred Siegerts wurde der bisherige Dritte Vorstand Rüdiger Ettelbrück. Jörg Stadter folgt dem als Dritter Vorstand. Die Kassenprüfer Haslreiter und Schneider wurden wiedergewählt. Alle Wahlen erfolgten einstimmig.

Der neue Vorstand stellte noch einmal die großen Verdienste des scheidenden Vorstandes Siegert um die DASSU aber auch um die Gemeinschaft auf dem Flugplatz heraus und bedankte sich nachdrücklich für das Geleistete. Auch Siegert dankte seinen Weggefährten der letzten Jahre ausdrücklich. Er zog eine kurze Bilanz seiner Vorstandjahre und legte die negativen und positiven Punkte dar. Wortmeldungen aus der Mitgliedschaft belegten, die Positiven überwogen eindeutig.

Der geschäftsführende Vorstand Ettelbrück übernahm es dann, den Haushaltsplan 2011 vorzustellen und zu erläutern. Danach verlangen die hohen Verbindlichkeiten aus dem Zollverfahren gegebenfalls eine Neuverschuldung in Höhe von rund 25.000 Euro, die aber - so haben Nachfragen bei den Hausbanken ergeben - durchweg möglich ist. Ansonsten wird das Jahr 2011 zur Konsolidierung des Vereines nach diesem Rückschlag dienen, wie es hieß. Große Investitionen seien so nicht geplant, nach den Feststellungen im vorangegangen Jahresbericht aber auch nicht erforderlich, weil man noch bis 2010 alles auf den neuesten Stand gebracht hat.

von Ludwig Flug/Chiemgau-Zeitung

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