Das Haus zu verlassen sei teils nicht mehr möglich

„Wir werden belagert“: Nachbarn eines Unterwössener Wanderparkplatzes packen aus

Wanderparkplatz in Oberwössen
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Eindrücke aus dem Sommer und Winter von einem Wanderparkplatz in Oberwössen (Landkreis Traunstein).

Nicht nur die Berge südlich von München werden spätestens seit der Corona-Pandemie mit einem Ausflügler-Ansturm konfrontiert, auch im Achental ist es vielerorts nicht besser. Ein Anwohner eines Wanderparkplatzes bei Oberwössen berichtet uns von seinem „Belagerungszustand“.

Unterwössen - Vor 2020 noch eine Art Geheimtipp, inzwischen nahezu jedes Wochenende das Ziel einer Blechlawine. „Wir wohnen hier seit ungefähr zehn Jahren, aber was sich seit vorigen Sommer abspielt, haben wir noch nicht erlebt“, berichtet ein direkter Nachbar eines Wanderparkplatzes in Oberwössen im Gespräch mit chiemgau24.de. Im Sommer habe die Situation mit den Tagesausflüglern „Überhand genommen“, auch jetzt im Winter sei es ähnlich - „ein schlimmes Bild für uns Anwohner“.

Touristenansturm in Corona-Zeiten: Familie aus Oberwössen berichtet

Der Oberwössener Familienvater spricht von einem „regelrechten Belagerungszustand“. Der Gartenzaun grenzt direkt an den Parkplatz am Hammerer Graben, von wo man beispielsweise auf die Rechenbergalm gehen kann. Was die Sache noch schwieriger macht: Ein Kind seiner Familie leidet an einer schweren chronischen Erkrankung, ist zudem organtransplantiert und gehört damit zur Corona-Hochrisikogruppe. Wegen der „Belagerung“ durch die Tagestouristen müsse man wegen möglicher Infektionsrisiken schon überlegen, zu welchen Zeiten man das Haus verlassen könne. Manchmal sei das sogar überhaupt nicht mehr möglich. „Es ist nicht selten so, dass wir von Touristen bedrängt und bedroht werden.“

Die Parksituation entlang der Straße am Samstag, 6. Februar.

Windeln im Gebüsch, Urinflecken im Schnee, Zigarettenkippen, Verpackungsmaterial, Müll auf Wegen und im Wald - „und wenn man manche Tagestouristen drauf hinweist, werden die auch schon mal beleidigend“. Aber auch Mülleimer suche man auf dem Parkplatz vergeblich. Das nächste Problem: Ist der Parkplatz voll, wird schnell am Straßenrand geparkt. Begegnungsverkehr ist nicht mehr möglich, auch für den Rettungsdienst könnte es im Fall der Fälle eng werden.

Auch Polizei muss wilde Parker immer wieder in die Schranken weisen

Im Frühjahr 2020 wurde der obere der beiden Wanderparkplatz vorübergehend gesperrt. Kurz vor Weihnachten wurde seitens der Nachbarn erneut um eine Sperre gebeten, ohne Erfolg. Im vorigen Sommer wurden zumindest auf einer Seite der Straße Parkverbotsschilder angebracht. „Eine Verzweiflungsmaßnahme“ in den Augen des Anwohners. Erst am vergangenen Samstag, 6. Februar, musste die Polizei wieder „zahlreiche verbotswidrig geparkte Fahrzeuge auf den gesperrten Forstwegen an den Ausflugsparkplätzen in Marquartstein und Unterwössen gebührenpflichtig verwarnen“, wie die Beamten mitteilten. Die Grassauer Polizei weiter: „Selbst in den Hochsommertagen wurde an diesen Plätzen ein so hohes Verkehrsaufkommen nicht festgestellt.“

Die Parksituation entlang der Straße im Sommer 2020.

Skitourengeher, Rodler, Langläufer, Paraglider... „Zusätzlich zu den üblichen Wanderern kommen inzwischen alle Arten von Sportlern hier her“, so der Anwohner. Woher viele der Tagestouristen kommen erschließt sich beim Blick auf die KfZ-Kennzeichen: Ebersberg, München, Berchtesgaden, Rosenheim. „Es fehlt ein Gesamtkonzept“, ist der Oberwössener der Überzeugung. Vielleicht würde ein größerer Sammelparkplatz in Richtung Ortsmitte helfen? Oder die abschreckende Wirkung von Parkgebühren? Gar eine Parkplatz-Sperrung, wenn sich die Corona-Pandemie nicht in den Griff bekommen lässt?

Wenig Unterstützung seitens der anderen Nachbarn

An die Gemeinde, das Landratsamt oder Landtagsabgeordnete habe sich die Familie schon gewandt - vergeblich, sieht man von den Parkverbotsschildern entlang der Straße einmal ab. Nicht einmal ein ernsthaftes Gesprächsangebot habe es gegeben. Und auch auf die Unterstützung anderer Anwohner könne sich die Oberwössener Familie nicht verlassen: „Vielen ist‘s einfach wurscht und nicht wenige sind selbst Vermieter und führen Pensionen. Die sind spätestens nach der Corona-Pandemie wieder auf die Touristen angewiesen.“ Für die Anwohner des Wanderparkplatzes scheint es, als würde sich die Situation nicht entspannen - egal ob Sommer, Herbst oder Winter.

xe

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