Nach Beschwerden aus Unterwössen

Besucherströme machen Anwohnern zu schaffen - Gemeinde: „Versuchen, das Ganze mit Vernunft zu lösen“

Die Parksituation entlang der Straße im Sommer
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Die Parksituation entlang der Straße im Sommer

Wandern, Wintersport, die Natur genießen: Immer mehr Tagesausflügler strömen seit Beginn der Pandemie in die Alpenregion. Was für viele ein kleiner Urlaub ist, ist für die Anwohner eine echte Nervenprobe. Der Gemeinderat Unterwössen befasste sich in seiner jüngsten Sitzung mit den Besuchermassen und deren Auswirkungen auf die Wanderparkplätze.

Unterwössen - Unterwössen zählt schon längst nicht mehr zu den Geheimtipps der Region. Wanderfreunde von nah und fern pilgern jedes Wochenende in die Berggemeinde, um ein bisschen Alpenluft zu schnuppern. Erst im Februar beklagte ein Anwohner aus Oberwössen gegenüber chiemgau24.de, dass besonders die Wanderparkplätze (Plus-Artikel) mancher Tage aus allen Nähten platzen. Die Tagesausflügler nehmen schlicht überhand, Müll im Gebüsch und Parkchaos seien die Folge, berichtete der Anwohner.

In seiner jüngsten Sitzung am 16. März befasste sich nun auch der Gemeinderat Unterwössen mit den Wanderparkplätzen.

Thomas Müllinger, Geschäftsleiter der Gemeinde, bestätigte im Gespräch mit chiemgau24.de, dass seit Beginn der Pandemie die Besucherzahl gestiegen sei. „Wir gehen davon aus, dass auch nach der Grenzöffnung zu Österreich das Level wieder hoch sein wird“, vermutete er.

Viele Herausforderungen für die Gemeinde

Die Herausforderung sehe er darin, die Besucherströme zu lenken und eventuell in einigen umliegenden Gemeinden zu verringern. „Die Notwendigkeit sehe ich in Unterwössen aber eher nicht, wir sind ja an sich froh, wenn die Leute gern Zeit in der Natur verbringen“, beteuerte er.

Besonders die Parkplatz-Situation sei hierbei eine Herausforderung. Denn die müsse so organisiert werden, dass Landwirte und Anwohner entlastet werden und so auch Spannungen zwischen Einheimischen und Besuchern gelöst werden.

Die Gemeinde Unterwössen betreibe drei Wanderparkplätze, einmal den am Hochgern, einen in Oberwössen und den Taubenseeparkplatz. Diese seien nicht so groß wie die in anderen Gemeinden. Um eine Erleichterung zu schaffen, befinde sich die Gemeinde in Verhandlungen, um die Parkplätze um etwas über 100 Stellplätze zu erweitern. Das würde die Kapazitäten verdoppeln.

Auch solle die gemeinsame Touristinfo verstärkt auf den sozialen Medien auf die bestehenden Parkplätze hinweisen, um Wildparker zu vermeiden. Ein weiteres Problem bestehe darin, dass die Rettungswege und Parkverbote freigehalten werden müssen. Das Thema müsse erst weiter verfolgt werden.

Bisher keine einheitlichen Lösungen

Bei den Parkgebühren gebe es keine einheitliche Lösung zwischen den verschiedenen Gemeinden im Achental. In Unterwössen erhebe man bislang keine Parkgebühren, weil man keine zufriedenstellende Variante dafür gefunden habe. Denn rechtlich betrachtet seien Parkgutscheine, die von der Gemeinde verteilt werden, bedenklich. Auch könne man nicht Geld von Besuchern verlangen, die Parkplätze für Einheimische aber freistellen.

„Eine direkte Lösung für das Parkplatzproblem sehen wir bisher nicht“, bedauerte Müllinger. „Wir versuchen das Ganze mit Vernunft und Rücksichtnahme zu lösen und setzen auf Verantwortung.“

Es gebe aber einige Ansätze und Vorschläge, die geprüft werden, wie zum Beispiel eine Park-App. Auch das Aufstellen von weiteren Hinweistafeln könne zur Erleichterung für Anwohner beitragen. Eine Beschlussfassung habe es in der Gemeinderatssitzung nicht gegeben.

Unterwössen wolle die Lösung für die Besucherströme auf jeden Fall mit den anderen Gemeinden des Achentals angehen. Müllinger selbst habe Verständnis für die Klagen der Anwohner, schätze die Lage aber so ein, dass Unterwössen nicht vollkommen von Tagesausflüglern überrannt werde. „Die Lage ist hier noch gut beherrschbar“, versicherte er abschließend.

jv

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