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Fünfzehn Kilometer und fünf Almen

Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern

Das auf Agersgschwend aufgenommene Bild zeigt von links Ersten Bürgermeister der Gemeinde Unterwössen Ludwig Entfellner, Zweite Bürgermeisterin der Gemeinde Grassau Daniela Ludwig, Zweiten Bürgermeister der Gemeinde Unterwössen Johannes Weber, Landwirtschaftsministerin und Landtagsabgeordnete des Freistaates Bayern Michaela Kaniber, Ersten Bürgermeister der Gemeinde Schleching Josef Loferer, Landtagsabgeordneten des Freistaates Bayern Klaus Steiner, Oberst der Bundeswehr a.D. Hermann Minisini sowie Landrat des Landkreises Traunstein Siegfried Walch.
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Das auf Agersgschwend aufgenommene Bild zeigt von links Ersten Bürgermeister der Gemeinde Unterwössen Ludwig Entfellner, Zweite Bürgermeisterin der Gemeinde Grassau Daniela Ludwig, Zweiten Bürgermeister der Gemeinde Unterwössen Johannes Weber, Landwirtschaftsministerin und Landtagsabgeordnete des Freistaates Bayern Michaela Kaniber, Ersten Bürgermeister der Gemeinde Schleching Josef Loferer, Landtagsabgeordneten des Freistaates Bayern Klaus Steiner, Oberst der Bundeswehr a.D. Hermann Minisini sowie Landrat des Landkreises Traunstein Siegfried Walch.

Am Mittwoch, den 4. August, fand im Almgebiet rund um den Hochgern, Gemeindegebiet Unterwössen, die Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) statt. Die insgesamt rund 15 Kilometer lange Strecke führte für die Ersten bereits ab 6.30 Uhr morgens von Unterwössen hinauf nach Agersgschwend.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Unterwössen - Nach der Begrüßung dort oben ging es dann hinauf zum Weitalmgebiet um das Hochgernhaus unterhalb des Hochgerngipfels, ehe man diesen über den Hochgernsattel erreichte. Von dort ging es hinunter zur Bischofsfellnalm, wo die Mittagsrast stattfand. Weiter führte der Weg zur Grundbachalm und von dort hinauf, unterhalb des Hochsattels vorbei zum Mansurfahrn. Von dort ging es zur Jochbergalm, wo die abschließenden Reden und der Ausklang stattfand. Jeweils wurden die auf der Route liegenden Almen, insbesondere deren Geschichte und aktuelle Nutzung, durch deren Besitzer vor Ort vorgestellt und Wissenswertes über die jeweiligen Gebiete und deren Beweidung berichtet.

Organisiert wurde die Hauptalmbegehung dabei federführend vom Vorsitzenden des AVO Josef Glatz mit Vorstandschaftskollegen, dessen Geschäftsführer Hans Stöckl und der Geschäftsstellenmitarbeiterin Marianne Eberhard sowie der Bezirksalmbäuerin für den Bezirk Schleching und Unterwössen Maria König und dem Stellvertretenden Bezirksalmbauern für diesen Bezirk Max Heiß sowie der Gemeinde Unterwössen und deren Erstem Bürgermeister Ludwig Entfellner.

Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedlichster Professionen

Sie alle freuten sich neben Landwirtinnen und Landwirten, Almbäuerinnen und Almbauern, Sennerinnen und Sennern sowie Vertreterinnen und Vertretern und zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedenster Institutionen, Stellen und Behörden auch zahlreiche Politikerinnen und Politiker der verschiedenen Ebenen begrüßen zu können.

So nahmen unter anderem der Stellvertretende Bayerische Ministerpräsident, Bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sowie Bundesvorsitzender und Landesvorsitzender der Freien Wähler Hubert Aiwanger, die Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Landtagsabgeordnete für den Stimmkreis Berchtesgadener Land und Vorsitzende des dortigen CSU-Kreisverbandes Michaela Kaniber, der Landtagsabgeordnete für den Stimmkreis Traunstein Klaus Steiner (CSU), die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl (Bündnis 90/Die Grünen) sowie der Landrat des Landkreises Traunstein und Vorsitzende des dortigen CSU-Kreisverbandes Siegfried Walch teil.

An der Begehung teilgenommen haben des Weiteren der Erste Bürgermeister der Gemeinde Unterwössen Ludwig Entfellner (CSU), der Zweite Bürgermeister der Gemeinde Unterwössen und Vorsitzende des dortigen CSU-Ortsverbandes Johannes Weber, der Erste Bürgermeister der Gemeinde Schleching Josef Loferer (CSU), der Erste Bürgermeister der Gemeinde Marquartstein Andreas Scheck (Bürger für Marquartstein), die Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Staudach-Egerndach Martina Gaukler (CSU), die Zweite Bürgermeisterin der Gemeinde Grassau und Vorsitzende des dortigen CSU-Ortsverbandes Daniela Ludwig sowie der Erste Bürgermeister der Gemeinde Bergen und Vorsitzende des Ökomodells Achental e.V. Stefan Schneider (Bündnis 90/Die Grünen).

Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern

Mit der Gründung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern in der Nachkriegszeit wollten seine Gründer vor allem durch einen Zusammenschluss aller oberbayerischen Almbauern bessere Lebensbedingungen für ihre Berufskollegen schaffen und aktiv ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Am 30. August 1947 fand im Sitzungssaal des “Landwirtschaftlichen Wochenblattes” in München die Gründungsbesprechung statt. Aus der Niederschrift zu dieser geht hervor, dass sich die anwesenden siebzehn Almbauern für eine eigene Organisation aussprachen und einen Anschluss an den Bayerischen Bauernverband ablehnten. Gegliedert ist der Verein in verschiedene Bezirksalmbauernschaften. Die Organisation der oberbayerischen Almbauern diente und dient der Wahrung ihrer Interessen, die speziell bei den vielen Berechtigungsalmen in Oberbayern individueller Lösungen bedürfen.

Die Almwirtschaft in Wössen – Vom Rückzug zum neuen Erblühen

Im Gemeindegebiet des heutigen Unterwössen, das sich bis 1972 in die Gemeinden Unter- und Oberwössen aufteilte, liegt das Gros der Achentaler Almen. Es ist erstaunlich, wie viele Almen noch heute im Gemeindegebiet von Unterwössen bestehen und teilweise auch bewirtschaftet werden. Aktuell sind es rund 75 existierende und dabei rund 45 bestoßene Almen.

Denn die Geschichte voriger Jahrzehnte war überwiegend eigentlich eine Geschichte des Niedergangs der Almwirtschaft und damit verbunden der Auflösung und sogar oft des Abbruchs von Kasern, gefolgt vom Zuwachsen der Almlichten und dem örtlichen Aussterben vieler Pflanzen- und Tierarten. Vor allem nach dem 2. Weltkrieg schien der endgültige Untergang der Almkultur schon nicht mehr aufzuhalten zu sein. Das Almpersonal war nicht mehr bezahlbar, da nun Industriefirmen in Grassau, Unterwössen, Traunreut, Ruhpolding oder Siegsdorf wesentlich höhere Verdienstmöglichkeiten und eine ganzjährige Beschäftigung boten. Nur noch einige Traditionsbauern bewahrten ihr Almrecht und trieben auf.

Beim 4. Almbauerntag 1951 bemerkte der Bundestagsabgeordnete Bazinger: „A guade Almdirn z‘kriagn is schwerer als an Oberregierungsrat.“. Etliche Almgebiete wie am Hochkienberg, die Hörndlalm, am Rauschberg oder am kleinen Rechenberg wurden vollkommen aufgelassen. Die aufgelassenen Kaserstätten kann man dabei im Frühjahr noch an den Umrissen der Mauern und Vertiefungen der Kellerlöcher erkennen. Auch die damalige Staatsforstverwaltung hat zielstrebig die Almrechte und Kaser für oftmals geringe Beträge abgelöst und leider vielfach die ehrwürdigen Gebäude abgerissen. Wer länger als zehn Jahre nicht auftrieb verlor sogar das Almrecht.

In den letzten Jahren wurde dieser Negativtrend glücklicherweise gestoppt und sogar umgekehrt. Ein gestiegenes Bewusstsein für die von der Almbeweidung mitausgehende Biodiversität, deren hohe umwelt- und naturschutzfachliche und auch touristische Bedeutung sowie verschiedene Projekte und Programme, wie etwa Vertragsnaturschutzprogramme, haben eine Stärkung für die Almwirtschaft und ihre Sicherung gebracht. Beispielhaft zu nennen sind das Vertragsnaturschutzprogramm für das Weitalm-Gebiet, das Projekt zur Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Rasse „Alpines Steinschaf“ und sein Beweidungseinsatz am Kleinrechenberg sowie aktuell das Bergmähderprojekt am Hochgern.

Dass die Almwirtschaft aber stets vor neuen Herausforderungen steht, beweisen die aktuell und so denn auch bei der Hauptalmbegehung geführten Diskussionen zum Thema „Rückkehr des Wolfs“. Heute zählt das Gemeindegebiet von Unterwössen mit seinen rund 75 existierenden und davon 45 bewirtschafteten Almen zu einem der almenreichsten Gebiete in Oberbayern, wenn nicht gar in Bayern oder in den Alpen. Eine eigene Almenausstellung im Alten Bad in Unterwössen widmet sich deren vielfältigen Aspekten.

Die herausragende, vielfältige Bedeutung der Almwirtschaft

Für Landwirte ist die Bedeutung der Almwirtschaft groß. Der Heimbetrieb und die dazugehörige Alm bildeten schon immer eine Bewirtschaftungseinheit. Die Almflächen liefern etwa 15 – 30 % des gesamten Futterbedarfs. Nur bei wenigen Betrieben geht der gesamte Kuh- und Jungviehbestand auf die Alm. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn im Tal nur geringe Flächen zur Verfügung stehen.

Den Schwerpunkt bildet heute mit über 90 % Anteil der Auftrieb von Jungvieh. Almbauern halten in der Regel einen überdurchschnittlich hohen Jungviehbestand. Die nicht für die eigene Bestandsergänzung benötigten Tiere werden über Auktionen abgegeben. Almen waren – wo sie vorhanden waren – immer schon Grundlage für eine vitale Jungviehaufzucht. So verfügen die auf der Alm gehaltenen Kühe über eine bessere körperliche Konstitution, da sie in den Hochlagen im Gebirge unter extremeren Witterungsverhältnissen leben und bei der Futteraufnahme oft weite Wege im steilen Gelände bewältigen müssen. 

In der Öffentlichkeit herrscht breite Zustimmung zu den positiven Auswirkungen der Almwirtschaft. Wenn die Beweidung der Gebirgsflächen eingestellt und keine Pflegemaßnahmen mehr durchgeführt würden, erobert sich der Wald die Flächen wieder zurück, die der Mensch einst unter großen Mühen gerodet hatte. Mit dem Verschwinden von Freiflächen verlieren viele seltene und oftmals sogar geschützte Pflanzen und Tiere, die auf diese, also eine offene Gebirgslandschaft angewiesen sind, ihren Lebensraum. Wenn Almflächen mit Gestrüpp und mit Bäumen zuwachsen, verschwindet die Kulturlandschaft und das reizvolle, durch den Wechsel von Wald-, Weide- und Felsflächen geprägte Landschaftsbild. Die von Einheimischen wie Touristen gleichermaßen als Naherholungsgebiete genutzten und geschätzten Almflächen gingen verloren.

Dieser Verlust hätte auch Auswirkungen auf den Tourismus, insbesondere auch den Wandertourismus, der wiederum für die wirtschaftliche Entwicklung der jeweiligen Region in der Regel große Bedeutung besitzt. Im Bewusstsein für diese vielfältigen vorteilhaften Aspekte für Menschen, Tiere und Pflanzen gilt es dieses gewachsene landwirtschaftskulturelle Erbe zu erhalten und zu bewahren.

Pressemitteilung CSU Wössen

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