Oberwössen will keine Gleichstellung mit Unterwössen

Posse im Gemeinderat

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Unterwössen - Ein Verein lehnt ein finanzielles Geschenk der Gemeinde ab? So etwas gibt es wohl nur selten. Entsprechend überrascht reagierten die Räte auf die kuriose Absage.

Kurios und selbst für einige Gemeinderäte nicht nachvollziehbar entwickelte sich die Diskussion in der jüngsten Sitzung nach einem Antrag von Gemeinderätin Sandra Sonntag (FDP). Sie hatte die Gleichstellung der beiden Ortsteile Unter- und Oberwössen bei den Kosten und der Pflege der Loipen und Winterwege durch die Gemeinde Unterwössen beantragt. Der Antrag scheiterte, weil der Verkehrsverein Oberwössen, der diese Aufgabe bisher in eigener Regie inne hatte, an diesem "Geschenk" nicht interessiert ist.

Bisher galten folgende Regelungen: Die Gemeinde Unterwössen hatte stets Pflege und Kosten für die Loipen und Winterwege in Unterwössen zu 100 Prozent übernommen. Im Gemeindeteil Oberwössen kümmerte sich der Verkehrsverein in eigener Regie um die Pflege. Die Kosten wurden einvernehmlich, zumeist mit einem Pauschalbetrag, von der Gemeinde Unterwössen getragen. Zudem galt die Absprache für die Oberwössener, sich bei Mehrkosten an die Gemeinde zu wenden.

Mit ihrem Gleichstellungsantrag von Unter- und Oberwössen sowohl in Pflege als auch in Kosten wollte Sonntag nach eigenen Worten nun die vereinfachen. Außerdem wollte sie den Verkehrsverein Oberwössen finanziell entlasten, nachdem dort im vergangenen Jahr ein Verlust von über 1000 Euro gemacht worden war und vieles nur über ehrenamtliches Engagement bewerkstelligt werden konnte.

Ihr Antrag diene auch dem Bürokratie-Abbau, meinte Sonntag. Bei einer Gleichstellung sei der Verkehrsverein Oberwössen von immer neuen Antragstellungen bei der Gemeinde Unterwössen für die Kostenübernahme durch Pauschalen und Mehrkosten befreit.

Zur Überraschung des Gremiums informierte Barthl Irlinger (Oberwössener Wählergemeinschaft), Zweiter Bürgermeister und Vize-Vorstand des Verkehrsvereins, die Versammlung über einen Beschluss des Verkehrsvereins, alles so zu belassen, wie es ist. "Deshalb plädierte ich für die Ablehnung des Gleichstellungsantrags", so Irlinger.

Verwundert reagierte Andreas Bichler (Verein Freie Wählergemeinschaft, FWG): "Es ist schon komisch und wohl auch einmalig, dass ein Verein ein finanzielles Geschenk der Gemeinde ablehnt." Bürgermeister Hans Haslreiter sah die Lage mehr von einem ideellen Standpunkt: "In Oberwössen gibt es viele Ehrenamtliche, die offensichtlich gerne eine Beitrag zum Allgemeinwohl leisten möchten."

Ebenso wie Anton Greimel (FWG) war auch Claudia Schweinöster (Unabhängige Wählergemeinschaft Wössen) der Meinung, man sollte dem Wunsch des Verkehrsvereins folgen. "Allerdings sollten wir klar signalisieren, dass wir bereit sind, alles zu finanzieren", so die Rätin.

Ohne den befangenen Irlinger, kam der Gemeinderat schließlich zu folgendem einstimmigen Beschluss: Die Aufgabe der Pflege und Präparation der Winterwanderwege in Oberwössen bleibt beim Verkehrsverein Oberwössen. Die Kosten hierfür trägt die Gemeinde Unterwössen nach Anforderung durch den Verkehrsverein Oberwössen.

vd/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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