Versorgung mit Trinkwasser

Aschau - Der Bürgermeister unterrichtete den Gemeinderat, dass gegen den Bebauungsplan zur Errichtung eines Penny-Marktes ein Normenkontrollverfahren eingereicht wurde. Aber Hauptthema war die Trinkwasserversorgung.

Das Hauptthema der Sitzung aber war die künftige Versorgung der Gemeinde Aschau mit Trinkwasser. Der Leiter des Tiefbauamtes, Heinz Scheck, informierte den Gemeinderat, dass die Gemeinde Aschau vom Landratsamt aufgefordert worden sei, baldmöglichst die erforderlichen Unterlagen für die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes vorzulegen. Die Gemeinde Aschau bezieht seit 1970 aus zwei Brunnen in Haindorf ihr Trinkwasser. Die gemeindliche Wasserschutzgebietsverordnung verlor nach 20 Jahren ihre Gültigkeit. Der Gemeinderat beauftragte das Ingenieurbüro Dr. Knorr, ein neues Gutachten für das Wasserschutzgebiet der Wasserversorgungsanlage Aschau zu erstellen. Durch die Bohrung von drei Grundwassermessstellen und die anschließende Beprobung verstrichen einige Jahre. Bei mehreren Besprechungen mit den betroffenen Grundstückseigentümern tauchte die Frage auf, ob die vorgeschlagenen Schutzgebietsgrenzen im Süden und Westen verkleinert werden könnten.

Bei einer Besprechung im Wasserwirtschaftsamt wurde der Gemeinde empfohlen: Da die beiden Brunnen nur wechselseitig betrieben werden, kann im Westen die Schutzgebietsgrenze zurückgenommen werden. Für die Begrenzung im Süden fordert die Fachbehörde, dass zwei neue Grundwassermessstellen errichtet werden. Anschließend sind an allen Messstellen Isotopenuntersuchungen durchzuführen, um die Fließrichtung des Grundwassers genauer zu bestimmen. Erst danach könne eine endgültige Entscheidung über die Größe des Schutzgebietes getroffen werden. Die Gesamtkosten für diese Maßnahme belaufen sich auf rund 24400 Euro.

Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim wies die Gemeinderäte auf Paragraph 50 des Wasserhaushaltsgesetzes hin, dass es sich bei der Wasserversorgung um Daseinsvorsorge, sprich eine Verpflichtung der Gemeinde gegenüber ihren Bürgern, handle. Die Gemeinde sei bei der Versorgung ihrer Bürger und Gäste mit Trinkwasser aufgerufen zu agieren, nicht zu reagieren. Grundsätzlich handle es sich für die Gemeinde Aschau um zwei Verfahren: zunächst gelte es, die wasserrechtliche Genehmigung der Entnahme zu vereinbaren und dann um die Herstellung eines ausreichenden Schutzes des Trinkwassers für die Zukunft, wobei technische Maßnahmen allein nicht ausreichten. Die Festlegung der Schutzgebietsgrenze sei keine Verhandlungssache, sondern basiere auf Messwerten. Aus diesem Grunde müsse die mögliche Südgrenze des Schutzvorschlags noch erforscht werden, wozu zwei weitere Bohrungen notwendig seien.

Der Leiter der Abteilung Wasserrecht im Landratsamt Rosenheim, Klaus Pernreiter, erläuterte, dass derzeit in Aschau kein Schutzgebiet bestehe und schädliche Maßnahmen aus wasserrechtlicher Sicht nicht verhindert werden könnten. Er wies deutlich darauf hin, dass der noch bis 2013 gültige Bescheid für die Entnahme von Grundwasser nicht erneuert werden könne, wenn bis dahin kein rechtskräftiges Wasserschutzgebiet bestehe. Das Landratsamt werde die Gemeinde "zu nichts zwingen"; die Gemeinde müsse jedoch alle Folgen tragen, die aus einer mangelhaften oder nicht existenten Festlegung herrührten. Die Festsetzung eines für alle verbindlichen Wasserschutzgebietes gebe allen Beteiligten eine größere Rechtssicherheit. Betroffene Landwirte hätten einen Anspruch auf Entschädigung zum Ausgleich von Einschränkungen, die sich durch ein Wasserschutzgebiet ergeben.

Dr. Werner Knorr erläuterte dem Gemeinderat die Zukunftsaussichten der bestehenden Wasserversorgung. Ziel solle es sein, sowohl die Qualität als auch die Quantität des Aschauer Trinkwassers langfristig für 50 bis 100 Jahre zu sichern; das sei mit einem gewissen Aufwand verbunden. Er legte einen Schutzgebietsvorschlag vor, der sich in die drei Bereiche Fassungsbereich/Engere Schutzzone/Weitere Schutzzone gliedere. Der Fassungsbereich liege im Eigentum der Gemeinde, so dass hier keine Einschränkung für Landwirte vorlägen. In der engeren Schutzzone dürfe im Wesentlichen kein Ackerbau und keine Beweidung erfolgen sowie keine Gülle aufgebracht werden.

Der Rat diskutierte die Vorschläge und beschloss, vor einer endgültigen Festlegung des Schutzgebietes zunächst Gespräche mit den Grundstückseigentümern und Pächtern zu führen.

reh/Oberbayerisches Volksblatt

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