Wasser marsch für Reit im Winkl

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Rad auf und Wasser marsch: Der Dritte Landrat Herbert Häusl, Bürgermeister Josef Heigenhauser, Professor Heinrich Zankl, Fachbereichsleiter Andreas Klemm vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein und Ingenieur Anton Schmuck (von links) nahmen mit einer symbolischen Geste die neue Wasserversorgung für den Ortskern von Reit im Winkl in Betrieb.

Reit im Winkl - Von einem "Meilenstein" für die Gemeinde Reit im Winkl wurde mehrfach gesprochen, von einem "Generationenprojekt" war die Rede, von der langfristigen Sicherung existentieller Lebensgrundlagen:

In Anwesenheit von Vertretern des Landratsamtes, des Wasserwirtschaftsamtes, des Planungsbüros Dippold & Gerold aus Prien, Vertretern der Kirchen und vieler Handwerksbetriebe sowie der Gemeinde wurde nach zweijähriger Bauzeit am gestrigen Freitag die neue Wasserversorgung des Bergortes offiziell ihrer Bestimmung übergeben.

600 Anschlussnehmer werden in den kommenden Jahrzehnten von diesem Wasser profitieren, sie haben auch die finanzielle Last von 1,7 Millionen Euro an Bausumme zu tragen. Während Domkapitular Monsignore Wolfgang Huber, der evangelische Pfarrer Thomas Schmeckenbecher und Ortspfarrer Johann Spiolek der Anlage in den Weißbachgräben vor etwa 50 Gästen den kirchlichen Segen zuteil werden ließen, wurde bei diesem Anlass der Marburger Geologie-Professor Dr. Heinrich Zankl besonders geehrt: Er war in den vergangenen Jahren mit großer Überzeugungskraft und Leidenschaft maßgeblich an der Realisierung dieser neuen Wasserversorgung beteiligt. Um diesen Einsatz angemessen zu würdigen, soll nach dem Willen des Gemeinderats die neue Wasseranlage "Professor Zankl Brunnen" heißen.

Anton Schmuck vom beauftragten Planungsbüro Dippold&Gerold gab einen kurzen Rückblick über den Entwicklungsverlauf dieses Projektes. Demzufolge habe man vor fast drei Jahrzehnten bereits begonnen, an einem Gesamtkonzept für die künftige Trinkwasserversorgung zu arbeiten. Damals waren mit dem Brunnen Groissenbach I und der Pankratiusquelle aufgrund von Verunreinigungen plötzlich wichtige Wasserlieferanten weggefallen. So wurden in der Folge mehrere Varianten von den verschiedenen Institutionen diskutiert: ein Anschluss an den Tiroler Nachbarn Kössen etwa oder eine Anbindung an die Laubau: Aus Kostengründen jedoch wurden diese Varianten wieder verworfen, die Verantwortlichen am Ort wollten auf eine gesicherte Eigenversorgung setzen.

So wurde die Suche nach neuen Wasserquellen intensiviert, Bohrungen bis in Tiefen von über 200 Metern in den Weißbachgräben unterhalb des Masererpasses brachten schließlich den Durchbruch. Nachdem auch die Pankratiusquelle, die nur wenige Meter hinter den erfolgreichen Tiefenbohrungen liegt, wieder aktiviert werden konnte, sah man hier in der gleichzeitigen Nutzung aller Quellen die Lösung für eine über Jahrzehnte hinaus reichende Trinkwassersicherheit.

Während das Bayerische Landesamt für Wasserwirtschaft Reit im Winkl im Rahmen eines Forschungsprojektes die ersten Bohrungen finanzierte, überzeugte Professor Zankl die Verantwortlichen der Gemeinde, weitere Bohrungen voranzutreiben. Die Kosten hierfür waren zunächst auf 236000 Euro veranschlagt, letztlich verblieben aber nur 47000 Euro, der Freistaat übernahm in Würdigung der überregionalen Bedeutung des Projekts die verbleibende Summe.

Während der beiden vergangenen Jahre wurden rund 3,6 Kilometer an Leitungen verlegt, das Wasserwerk in den Weißbachgräben mit der technischen Einrichtung erbaut, wo auch die vier Wasserzuflüsse zusammengeführt werden. Mit zwölf Litern je Sekunde aus der Pankratiusquelle und zehn Litern aus den drei Tiefgesteinszuläufen ist die Versorgung auch in Zeiten gesichert, in denen mit den Urlaubsgästen weit mehr Personen als nur die Einwohner beliefert werden müssen.

Für Dr. Christian Kassebaum ist dieses Tiefenwasser jedoch nicht nur reiner Trinkwasserlieferant, es zeichne sich insbesondere durch seine sehr hohe Qualität aus: Kassebaum, der seine Doktorarbeit über das Gesamtprojekt geschrieben hat, erklärt dies so: "Das Wasser ist sehr alt und damit völlig frei von negativen Umwelteinflüssen, es ist absolut keimfrei, es muss nicht erst aufbereitet werden und es hat ein sehr ausgewogenes Calcium-Magnesium-Verhältnis - insgesamt ein Glücksfall."

Bürgermeister Josef Heigenhauser, der nachdrücklich die positive und konstruktive Zusammenarbeit mit den Fachbehörden und den zahlreichen beteiligten Firmen lobte, stellte abschließend fest: "Wir sind heute besonders stolz, dass wir der Gemeinde dieses neue Wasserwerk mit seinen drei Tiefbohrungen übergeben dürfen."

ost/Chiemgau-Zeitung

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