Grassau verliert mehr und mehr Gäste

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Auch wenn die Wanderwege immer mehr ausgebaut werden: Für solch einen Ritt reicht einfach tiefer Schnee. Foto touristinformation grassau

Grassau - Die Gäste- und Übernachtungszahlen in Grassau sind auch 2009 gesunken. Zudem ist der Rückgang noch stärker ausgeprägt als bei den anderen Chiemseegemeinden!

Der durchschnittliche Rückgang in den anderen Chiemseegemeinden liege zwischen drei und vier Prozent. Grassau hat es mit 5,2 Prozent an Gästen und 6,3 Prozent an Übernachtungen "erwischt", so Jantke in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Dieses Minus macht sich, wie es weiter hieß, besonders bei den Hotels im Seminarbereich bemerkbar, die aufgrund der Wirtschaftskrise an den Fortbildungen sparten und folglich der Seminarbereich nicht so gefragt war, sagte Jantke. Positiv erwähnte er den touristischen Aufschwung in Rottau, was hier besonders am Gasthof "Adersberg" liege, der als Mitglied der "Flair"-Hotel-Kette über eine gute Auslastung verfüge.

Mario Kljajic, der seit 2004 in der Touristinformation tätig ist und seit 2007 an der FH Salzburg studiert, erläuterte den Jahresbericht. 2009 konnten 31.959 Gäste gezählt werden, im Vorjahr waren es 33.723. Dies bedeute ein Minus von 5,23 Prozent. Etwas höher sei der Rückgang an Übernachtungen. Waren es 2008 noch 172.742, so verringerte sich die Zahl 2009 auf 161.759. Nur die Monate Januar, April und August brachten ein Plus an Übernachtungen.

In Rottau setzte sich, dank der guten Ergebnisse der Gasthöfe, der Aufwärtstrend der Übernachtungen mit einem Zuwachs von fast neun Prozent fort. In Grassau hingegen fielen die Übernachtungen, bedingt durch deutliche Rückgänge im Hotelbereich, um über zehn Prozent. Bei den Ferienwohnungen halte der Trend an, dass die Gäste kürzer bleiben, erklärte Kljajic. Um den Gästen einen angenehmen und abwechslungsreichen Aufenthalt zu ermöglichen, habe es im vergangenen Jahr wieder etwa 900 Veranstaltungen in der Gemeinde und der Umgebung gegeben. Kljajic verwies zudem auf steigende Besucherzahlen im Museum Klaushäusl "Salz und Moor" und betonte, dass das "Bayerische Moor- und Torfmuseum", Rottauer Torfbahnhof, ebenfalls immer beliebter werde. Viele verschiedene Führungen, Wanderungen und Bewegungsmöglichkeiten wurden angeboten. Groß sei zudem das kulturelle Angebot mit Brauchtumsveranstaltungen, Bauerntheater, Ausstellungen und Konzerten gewesen.

Investiert wurde im vergangenen Jahr wieder in den Ausbau verschiedener Wanderwege und den Platz um das "Haus der Dorfgemeinschaft in Rottau". Kljajic hob auch die Fertigstellung der Maßnahme "Reifinger See" mit sanitären Anlagen, neuem Rundweg und Matschbrücke für die Kinder hervor. Man erhalte viele positive Rückmeldungen von Gästen, die bestätigen, dass sich in Grassau "vieles tut", so der Tourismusexperte.

Geworben wurde im vergangenen Jahr über den "Tourismusverband Chiemsee" und dem "Chiemgau Tourismus Verband". Der Schwerpunkt der örtlichen Werbung lag auf der Weiterentwicklung des Projekts "genial vital". Die Vermarktung erfolge in erster Linie über ein Werbepaket von "Bayern Tourismus" unter dem Motto "Lust auf Natur". Seit kurzem seien alle Touren über eine "Alpstein"-Kartenlösung auf der Internetseite dargestellt. Jede Tour kann im Vorfeld angeschaut und ausgedruckt oder aber auf Navigationssysteme heruntergeladen werden.

Weiter verwies Kljajic auf die kostenlosen Buslinien, wie Achentallinie, Chiemsee-Ringlinie und Skibus nach Kössen. Kurkartenbesitzer können nun auch erstmals bis Prien, Reit im Winkl und Traunstein kostenlos mit der Achentallinie fahren. Die Linie wurde bisher vom Landkreis mit 42 Prozent bezuschusst. Für Grassau entstehen Kosten von rund 4500 Euro.

Zum Haushalt informierte Bürgermeister Jantke, dass das Defizit im Tourismus im Vergleich zum Vorjahr um 40000 Euro auf mittlerweile 140.000 steigen wird, zurückzuführen in erster Linie auf einen Rückgang der Einnahmen beim Fremdenverkehrsbeitrag und bei der Umsatzsteuererstattung. Es fielen aber auch einmalige Kosten für den Anschluss an die Wärmeversorgung (5000 Euro) und den neuen Internetauftritt (7300) an.

Gleichwohl dürfe nicht übersehen werden, welche Wertschöpfung aus dem Tourismus erfolge. So gebe der Gast durchschnittlich rund 70 Euro pro Tag aus. Rechne man lediglich mit 50 Euro, so Jantke, verblieben bei 160.000 Übernachtungen, wie im Vorjahr, zirka acht Millionen Euro an Umsatz, der in der Gemeinde erwirtschaftet wird. Selbstverständlich habe der Tourismus auch Einfluss auf die Attraktivität in der Gemeinde. Von den touristischen Einrichtungen sollen schließlich auch alle Bürgerinnen und Bürger profitieren, dies wirke sich positiv auf die Lebensqualität aus, so Jantke.

Ohne weitere Diskussion genehmigte der Rat den Haushaltsentwurf. Demzufolge seien mit Einnahmen von rund 281.000 Euro und Ausgaben von 423.000 Euro zu rechnen. Das Defizit werde von der Gemeinde übernommen.

tb/Chiemgau-Zeitung

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