"Führerscheine fliegen ohne Ende"

Marquartstein - Mit zehn Ja- und drei Nein-Stimmen hat jetzt der Marquartsteiner Gemeinderat beschlossen, probeweise für ein Jahr dem "Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung Südostbayern" beizutreten.

Das bedeutet, dass vom kommendem Jahr an stichprobenweise ein Geschwindigkeitsmessgerät aufgestellt wird und die Autofahrer bei Überschreitung der erlaubten Geschwindigkeit zur Kasse gebeten werden. Die Blitzgeräte werden dann in Autos, aber auch versteckt nach Absprache mit der Gemeinde stundenweise an besonders wichtigen Stellen, auch an der Bundesstraße, aufgestellt.

Bauamtsleiter Eric Oberhorner berichtete von "zum Teil ernüchternden Ergebnissen" bei der Aufstellung des Geschwindigkeitsmessgerätes, das die Gemeinde in den vergangenen zwei Jahren an verschiedenen Punkten in der Gemeinde immer wieder aufgestellt hatte, um die Autofahrer für die Geschwindigkeiten zu sensibilisieren. Am Hellschreiber zeigte er die genaueren Ergebnisse der Messungen, zum Beispiel auf der Bundesstraße Richtung Unterwössen, Nähe Wurbichl, wo über 20 Prozent der Fahrzeuge 55 bis 60 km/h fuhren, manche aber sogar 90 km/h. In der Schlossstraße, einer 30er-Zone, die in einem weiten Bereich ohne Gehsteige zur Heimvolksschule Niedernfels führt, wurden am Wochenende und werktags hohe Überschreitungen der Geschwindigkeit festgestellt, ebenso in der Burgstraße, ebenso 30er-Zone, wo rund zehn Prozent der Fahrer 65 Kilometer pro Stunde und schneller fuhren.

Für Mitglieder im kommunalen Verband kostet eine Stunde Überwachung die Gemeinde 100 Euro plus 26,50 Euro für die Verwaltung, wenn nur eine vorübergehende Zweckvereinbarung geschlossen wird, 125 Euro. Die Kosten könnten jedoch durch die Bußgelder amortisiert werden, sagte Oberhorner. "Das ist ein harter Einschnitt, Führerscheine fliegen ohne Ende", meinte er wörtlich.

Die meisten Gemeinderäte einschließlich Bürgermeister Andreas Dögerl hielten diesen Schritt, besonders in einem Schulort wie Marquartstein, für unbedingt notwendig. Lediglich Anke Entfellner-Häusler sprach sich entschieden gegen den Plan, denn das sei "kein probates Mittel, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen".

"Hindernisse" für Ortsmitte angeregt

Mehrfach wurde auch die besondere Situation in der verkehrsberuhigten Zone in der Ortsmitte angesprochen. Hans-Peter Butz sagte, man müsse hier baulich etwas ändern, damit das zu schnelle Fahren nicht mehr so leicht möglich sei und außerdem eine Vollsperrung der Straße für Autos überdenken. Dagegen sprach sich Zweiter Bürgermeister Günter Richter aus, meinte aber ebenfalls, dass baulich etwas getan werden sollte.

Bürgermeister Dögerl sagte, Marquartstein sei mit dieser Entscheidung die erste Gemeinde im Landkreis, die sich dem Zweckverband anschließt. Viele hätten auch wegen der Urlauber Bedenken. Aber auch er hielt die sicher unpopuläre Entscheidung in einem Ort mit fast 2000 Schulkindern für unbedingt notwendig.

gi/Chiemgau-Zeitung

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