19-Jährige Zeitzeugen Bergens auf der Spur

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Bürgermeister Bernd Gietl überreicht der Geehrten Anna Pillatzki ein Buch über Marilyn Monroe.

Bergen - "Der Zweite Weltkrieg in Bergen anhand von Zeitzeugen" war das Thema einer Facharbeit der 19-jährigen Abiturientin Anna Pillatzki. Sie erhielt dafür den Max-Fürst-Jugendpreis 2009 des Landrats verliehen

Zudem wurde sie von Bürgermeister Bernd Gietl mit dem Buch "Die unbekannte Marilyn Monroe" bedacht. "Mit dieser Arbeit und den dazu enthaltenen beeindruckenden Ausführungen der Zeitzeugen hast du ein äußerst wertvolles, bleibendes Dokument über diese extrem schwierige Zeit deines Heimatortes geschaffen", sagte der Bürgermeister. Er kündigte an, dass dieses 64 Seiten umfassende Werk im gemeindlichen Geschichtsarchiv seinen ihm zustehenden wichtigen Platz einnehmen werde und gratulierte auch zum bestandenen Abitur mit der Durchschnittnote 1,9 am Landschulheim Marquartstein.

Die Absolventin, die sehr gerne liest, viel Musik hört und sich vor allem Spielfilme aus den 50er und 60er Jahren anschaut, möchte in der Region bleiben und habe vor, in Salzburg zu studieren.

Sie sagte der Chiemgau-Zeitung, die Idee im Leistungskurs Geschichte eine Facharbeit über den Zweiten Weltkrieg in Bergen anhand von Zeitzeugen zu schreiben, hatte ihr Opa Alois Neumayer, der damals alles miterlebt habe. Als weitere Zeitzeugen stellten sich aus Bergen Luise Huber, Hubert Schweiger und Ortsheimatpfleger Sigmund Gehmacher für Interviews und Erzählungen zur Verfügung. Bis auf die 90-jährige Luise Huber waren sie, wie auch die Eltern Günter und Steffi Pillatzki, bei der Feierstunde.

Neumayer, Jahrgang 1925, erinnerte sich, dass er im Alter von zehn Jahren dem Deutschen Jungvolk, später der Hitlerjugend automatisch angehört habe. "Judenhass gab es in Bergen nicht", erinnerte er sich und erzählte von einer jüdischen ärztin, die während des gesamten Krieges diesen Beruf in Bergen trotz der Bekanntheit ihrer Abstammung unbehelligt ausüben konnte.

Der 79-jährige Schweiger erwähnte die Einführung der Lebensmittelmarken während des Krieges und erzählte unter anderem, wie im Herbst 1940 vorübergehend gefangene Franzosen in der Maxhütte eingesperrt waren. Er erinnerte an den Volkssturm, der in Bergen jedoch nicht zum Einsatz kam.

Gehmacher, 70 Jahre alt, hatte das Kriegsende als Kind erlebt. Er erinnerte sich noch an die Fliegeralarme, an das erste Einmarschieren erst der US-Amerikaner, dann der Franzosen, später wieder der Amerikaner, die den Bauernhof der Gehmachers als Quartier in Beschlag nahmen.

Die Verfasserin des Dokumentation, das für jeden Interessierten in der Gemeinde Bergen einsehbar ist, sagte, die Beweggründe sich mit dem Thema "Zweiter Weltkrieg in Bergen" zu beschäftigen seien weitgehend persönlicher Natur. "Zum einen befasse ich mich in meiner Arbeit mit dem Dorf Bergen, in dem ich aufgewachsen bin, zum anderen mit dessen Geschichte, die auch die Geschichte meiner Familie ist".

oh/Chiemgau-Zeitung

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