Dem Autobahnlärm einen Riegel vorschieben

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Bernau - Vor einer schwierigen Aufgabe stehen die Planer des Ausbaus der A8. Bürger in Bernau fordern einen wirksamen Schutz vor Lärm. Und haben noch andere Wünsche.

Lärmschutzwände oder -wälle dürfen keinesfalls zu hoch sein, sondern müssten sich in die Landschaft einfügen, die nicht nur Einheimische, sondern vor allem auch Touristen schätzen.

Rund 60 Bürger besuchten einen Diskussionsabend, den die Gemeinde veranstaltete. Neben Lärmschutz stand vor allem auch der Umfang des Ausbaus im Mittelpunkt der Diskussion. Viele der Anwesenden hielten sechs Fahrspuren mit zwei Standstreifen für nicht nötig. Sie forderten die Entscheidungsträger in den Behörden und Ministerien auf, im Rahmen der weiteren Planungen für die Autobahn auch und gerade die kleinere Lösung mit vier Fahr- plus zwei Standstreifen weiter im Auge zu behalten. Dieser Tage hatte sich die Arbeitsgruppe im Landkreis Rosenheim mit den Bürgermeistern der Kommunen mehrheitlich für einen sechsspurigen Ausbau ausgesprochen.

Vom Inntaldreieck bis zur Landesgrenze ist die Autobahn von München nach Salzburg bislang meist vierspurig. Die Autobahndirektion Südbayern hat den Auftrag erhalten, einen bedarfsgerechten Ausbau zu planen. In drei Arbeitsgruppen in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land sucht sie den Dialog mit den Gemeinden. Die Gespräche in den Kommunen führen im Auftrag der Autobahndirektion Städteplaner Johannes Dragomir aus München und Landschaftsarchitekt Michael Schober aus Freising. Beide kamen jetzt nach Bernau, um sich vor Ort ein Bild von den Meinungen von Bürgern zu machen.

Der Planungsdialog sei, sagt Michael Schober, einzigartig in Bayern. Die Autobahndirektion habe für einzelne Abschnitte der Autobahn bereits planfeststellungsreife Unterlagen in der Schublade gehabt. Dann jedoch habe sie Stopp gesagt und beschlossen, die gesamte Strecke vom Inntaldreieck bis zur Landesgrenze ins Auge zu nehmen und das Gespräch mit den Kommunen zu suchen.

Laut Johannes Dragomir ist in der Planung vor allem ein grundsätzlicher Konflikt zu überwinden: Die Schwierigkeit, Art und Umfang für Lärmschutz festzulegen. Während sich etwa ein Anwohner einen hohen Wall wünscht, der ihn möglichst gar nichts von der Autobahn hören lässt, fordert ein Unternehmer oder auch ein Wirt einen niedrigen, damit ihn Kunden oder Gäste weiter sehen.

"Für Bernau geht es nicht um vier plus zwei oder sechs plus zwei, sondern um Lärmschutz", sagte Rainer Wicha. Er sprach von zwei neuralgischen Punkten auf der Autobahn - dem Bernauer Berg und der Brücke über die Eisenbahngleise. Zu suchen sei ein Weg, der einerseits zu einem optimalen Lärmschutz für Bürger führe, andererseits aber keine hohe Wand mit sich bringe, die sich dann womöglich durch Bernau ziehe. Günter Obermaier plädierte für einen optimalen Lärmschutz ohne Wenn und Aber. Bürger in Bernau seien lärmgeplagt. Im Ortsteil Eichet an der Autobahn seien schon Leute ausgezogen, sagt Günter Obermaier, weil es ihnen zu laut war.

"Wir wollen die Autobahn nicht hören und keinen Limes durch Bernau", sagte Sepp Genghammer. Er kritisierte, dass die Planer keine Vorschläge mit nach Bernau gebracht hätten und diese Veranstaltung dann offensichtlich verfrüht angesetzt worden sei.

Horst Brüning meinte, dass die Lärmbelästigung nachts besonders hoch sei. Dann, wenn Lkw vorbeifahren. Er höre deren Reifen singen. Roland Hinke hingegen sagte, dass vor allem Autos und Motorräder den ganzen Tag über die Ruhe stören: "Das brutale Durchröhren stört mich." Raser seien, ergänzte er, überwiegend Österreicher, die es endlich mal krachen lassen können, weil sie es zu Hause nicht dürfen.

Wie ein roter Faden zog sich die Forderung nach einem Tempolimit durch die Diskussion. Ferdinand Hinke sagte zum Beispiel, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht nur die Lärmbelästigung von Anliegern verringere, sondern auch die Staugefahr. Wenn die Autofahrer mit 120 oder 130 Kilometern pro Stunde unterwegs seien, fließe der Verkehr in der Summe besser, als wenn sie mehr Gas geben.

Die Gemeinde habe schon wiederholt ein Tempolimit beantragt, sagte Bürgermeister Klaus Daiber, bislang jedoch ohne Erfolg. Eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung müsse von der Bundesregierung kommen. Landschaftsarchitekt Michael Schober ergänzte, dass für ein Tempolimit auf Höhe von Bernau die rechtlichen Voraussetzungen fehlten. Das Gebiet sei nicht verstädtert.

Gertrud Zacherl meinte hingegen, dass sehr wohl etwas erreicht werden könnte. Und zwar, wenn die Gemeinden an der Autobahn an einem Strang ziehen und gemeinsam ein Tempolimit fordern würden. Dann könnte die Entscheidung wohl auch in München fallen.

Sechs plus zwei oder vier plus zwei? Auch diese Diskussion führten Bürger. Und viele hielten die kleinere für die bessere Lösung. Klaus Pusemann etwa hielt pro Richtung zwei Fahrspuren mit einem Standstreifen, der im Bedarfsfall zugeschaltet wird, für ausreichend. Auch Sepp Leitner bedauerte, dass vier plus zwei offensichtlich nicht so sehr in der Planung berücksichtigt werde.

Hanna Fochler kritisierte, dass die Verfechter eines sechsspurigen Ausbaus mit der Angst vieler Bürger arbeiteten, dass sie womöglich keinen Lärmschutz bekämen, wenn vier plus zwei verwirklicht werde. Manfred Dederichs erwiderte, dass sehr wohl berechtigte Chancen bestehen, ihn auch in diesem Falle zu erhalten.

Hartl Hinterholzer meinte, dass vier plus zwei schneller kommen könnte und weniger kosten würde. Der neue Tourismusverband Chiemsee-Alpenland könnte sich dafür einsetzen, dass Lämschutz auch in diesem Fall gewährleistet werde. Susi Pfliegl sagte, dass sechs plus zwei der Super-Gau für den Chiemgau wäre.

Städteplaner Johannes Dragomir erwiderte daraufhin, dass der vierspurige Ausbau sogar teurer käme als der sechsstreifige. Unter anderem müssten Leitsysteme für das Zuschalten der Standspuren angebracht werden. Geräte, die ihm zufolge viel Geld kosten.

pü/Chiemgau-Zeitung

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