Lärmschutz an der A8 noch völlig offen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Von vier auf sechs Fahrspuren soll die A8 durchgehend erweitert werden. Wie das gehen soll, wird derzeit geplant.

Bernau - Der Ausbau der Autobahn auf Höhe von Bernau beginnt sich in Umrissen abzuzeichnen. Aber es gibt noch viele offene Fragen in diesem rund vier Kilometer langen Abschnitt.

Von Rosenheim bis zur Landesgrenze will der Bund die Autobahn 8 zwischen München und Salzburg ausbauen. Trotz anhaltender Kritik aus dem Lager der Naturschützer hält der Bund nach wie vor an seinem Plan fest, die Zahl der Fahrspuren von vier auf sechs zu erhöhen. Zusammen mit den Gemeinden und Bürgerinitiativen hat die zuständige Behörde - die Autobahndirektion Südbayern - Vorstellungen erarbeitet, die jeweils für die einzelnen Abschnitte in Frage kommen. Dieser Planungsdialog in drei landkreisweiten Arbeitskreisen ist vor Kurzem zu Ende gegangen. Jetzt stehen Entscheidungen an. Der Bund als Geldgeber für den Ausbau bestimmt das weitere Vorgehen.

Diese Weichenstellung werde das Bundesverkehrsministerium "in der ersten Jahreshälfte" vornehmen, sagt Wolfgang Wüst, Abteilungsleiter bei der Autobahndirektion Südbayern. Anschließend werde die planende Behörde mit den Gemeinden den Dialog in "bilateralen Gesprächen" fortsetzen.

Der Bund wolle die Autobahn von Rosenheim nach Salzburg nach wie vor auf sechs Fahr- und zwei Standspuren erweitern. Diese Zielsetzung stehe im Bundesverkehrswegeplan. Und diese Absicht habe der Vertreter des Bundesverkehrsministeriums auch im Planungsdialog bekräftigt.

Nach den Entscheidungen in Berlin will die Autobahndirektion nach Angaben von Wolfgang Wüst auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bernau suchen. Die Behörde will dann seinen Ausführungen zufolge die Planung für den Abschnitt vom Bernauer Berg bis Felden vorantreiben und der Kommune "in der zweiten Jahreshälfte konkretere Pläne" vorlegen. Zur Diskussion stelle sie nicht nur Skizzen für den Ausbau, sondern auch Vorschläge für Lärmschutz. Ein Vorentwurf bereits in diesem Jahr sei aber nicht zu erwarten.

Galerie auf Höhe von Hötzing?

Für den Abschnitt vom Bernauer Berg bis Felden ist ein sechsspuriger Ausbau im Gespräch, der sich am Bestand orientiert. Die geschätzten Kosten betragen laut dem Abteilungsleiter 60 bis 70 Millionen Euro. Die Autobahn werde breiter, erläutert er den Stand der Planung, die jetzt dem Bund vorgelegt wird. Ansonsten jedoch seien keine großen Veränderungen vorgesehen - bis auf eine Ausnahme. Die Autobahndirektion habe im Planungsdialog angeregt, auf Höhe von Hötzing eventuell eine 250 Meter lange Galerie zu schaffen. Auf diese Weise könnten Anwohner der fünf Wohngebäude dort vor Lärm geschützt werden.

Eine Fahrbahn könnte in diesem Bereich abgedeckt werden - und zwar mit einer Wand und einer Decke, die über diese Fahrbahn bis zum Mittelstreifen gehen. Die Galerie bliebe auf einer Seite offen. Wolfgang Wüst schätzt, dass die Galerie rund sechs Millionen Euro kostet. Zum Vergleich: Die Ausgaben für normalen Lärmschutz mit Wand oder Wall betragen eine Million Euro.

Ob sich der Geldgeber letztlich zu dieser teuren Baumaßnahme durchringt, ist offen. Wolfgang Wüst warnt vor zu großen Erwartungen. Der Bund stehe dem Vorhaben skeptisch gegenüber.

Eine weitere Galerie ist im Bereich vom Bernauer Berg bis Felden nicht im Gespräch. Schon längst vom Tisch sind Anregungen von der Gemeinde, einen Tunnel durch den Bernauer Berg zu graben und auf Höhe von Felden eine Einhausung zu schaffen, also eine Umbauung der Autobahn. Die eine Maßnahme wäre zu teuer, die andere nicht landschaftsverträglich gewesen.

Lärmschutz ist eine Wanderung auf einem schmalen Grat. Zum einen muss er wirksam sein, zum anderen darf er jedoch das von Einheimischen und Urlaubern geschätzte Landschaftsbild nicht über Gebühr beeinträchtigen. Richtschnur allen Handels sei, so der Abteilungsleiter, dass die vorgeschriebenen Grenzwerte für Lärmbelästigung eingehalten werden.

Die Autobahndirektion gibt sich offen für Vorschläge. Um Lärmschutz zu schaffen, stehen laut Wolfgang Wüst grundsätzlich mehrere Maßnahmen zur Debatte. Alleine ein Flüsterbelag bringe schon relativ viel. Man könne Erdwälle aufschütten, sie bepflanzen und damit erreichen, dass sie sich in die Landschaft einfügen. Möglich seien auch Lärmschutzwände. In landschaftlich empfindlichen Bereichen wie etwa am Chiemsee müssten sie seiner Ansicht nach transparent gestaltet werden. Zu überlegen seien auch Kombinationen aus Wall und Wand.

Voll und ganz stimmt die Autobahndirektion mit der Gemeinde Bernau überein, dass landschaftsverträgliche Lösungen für Lärmschutz gefunden werden müssen. Und dass sie nicht zu hoch werden dürfen. Wolfgang Wüst sagt, dass am Chiemsee ein Wall oder eine Wand oder eine Kombination beider maximal sieben bis zehn Meter hoch werden dürfe.

Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: A8-Ausbau

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser