Am Abbruch scheiden sich Geister

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Am Abbruch des alten Bauernhauses aus dem Jahr 1865 scheiden sich in Frasdorf die Geister. Was künftig dort entstehen werde, sei noch nicht spruchreif, so Grundstücksbesitzer Isidor Niedermair.

Frasdorf - An einem alten Bauernhaus aus dem Jahr 1865 an der Hauptstraße 6 in Frasdorf scheiden sich die Geister. Bis vor einiger Zeit stand es sogar unter Denkmalschutz - jetzt wurde es abgerissen.

Der neue Eigentümer des alten Bauernhauses, Isidor Niedermair, hat es jetzt abreissen lassen. Zuvor hatte die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim dafür "grünes Licht" gegeben.

Und auch Frasdorfs Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller meint, dass es "nicht wirklich schade drum war". Das alte Bauernhaus sei mit den Jahren schon recht heruntergekommen gewesen. "Ein attraktives Aushängeschild in exponierter Lage am Ortseingang war es sicher nicht mehr." Doch sie sieht mit Sorge der Folgebebauung entgegen. "Wir im Rathaus wissen nicht, wie die Pläne des Eigentümers aussehen." Auf alle Fälle will sie dafür sorgen, dass es eine "sensible Bebbauung" am Ortseingang wird. "Es sollte zum gesamten Erscheinungsbild der Hauptstraße passen", erklärt Steindlmüller.

Ganz anders sehen es einige Frasdorfer Mitbürger. Sie bedauern, dass in einer "Nacht- und Nebelaktion" das alte Bauernhaus, das noch mit Bachkugeln gebaut war, abgebrochen wurde. Es sei zwar heruntergekommen gewesen, doch hätte es ihrer Ansicht nach durchaus saniert werden können. Nun fehle wieder ein "Baudenkmal aus alter Zeit". Auch ein noch so attraktiver Neubau könne dies nicht ersetzen. Außerdem bezweifelten sie, ob der Abbruch am Sonntag überhaupt genehmigt gewesen sei.

Tatsächlich hat wohl nicht alles genau gepasst, bestätigt die Polizei in Prien. "Der Abbruch wurde am Sonntag durchgeführt und führte zu deutlichen Behinderungen des Verkehrs auf der Hauptstraße", so Anton Schauer, zuständig für Verkehrsangelegenheiten. Die von Mitbürgern gegen Mittag gerufene Polizei habe die Arbeiten dann eingestellt. "Das Feiertagsgesetz verbietet öffentliche Arbeiten an Sonn- und Feiertagen", so Schauer. Außerdem sei der Straßenverkehr enorm behindert gewesen. Der Verkehr habe nur noch in einer Richtung rollen können, weil Abbruchschutt auf einer Fahrbahnseite gelegen habe.

Auch Isidor Niedermair gesteht, dass die Freigabe zum Abbruch durch die Denkmalschutzbehörde sehr kurzfristig gekommen sei, und die Erlaubnis zum Abbruch bereits auf dem Postweg gewesen sei, ihn aber noch nicht erreicht hatte. Doch er habe handeln müssen, denn die Dachkonstruktion habe gedroht, auf die Straße zu kippen. In seinen Augen sei "Gefahr im Verzug" gewesen. Zudem habe am nächsten Tag der Montessori-Kindergarten, der im hinteren Teil des Grundstücks ist, seinen Betrieb nach den Sommerferien wieder aufgenommen. "Ich musste kurzfristig handeln", so Niedermaier dem OVB auf Anfrage.

Welche Art von Bebauung künftig an Stelle des alten Bauernhauses kommt, werde man sehen. Es sei noch nichts spruchreif, so Niedermair. Auf alle Fälle werde der alte Getreidekasten aus dem 17. Jahrhundert, der in unmittelbarer Nähe zum nun abgerissenen Bauernhaus steht, und der bei der jüngsten Begehung durch die Untere Denkmalschutzbehörde als denkmalgeschützt und erhaltenswert angesehen wurde, erhalten bleiben. Er soll in das künftige Ensemble mit einbezogen werden, erklärte Niedermair.

Sigrid Knothe (Oberbayerisches Volksblatt)

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