Abkürzung führt über Rumänien

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Im Augustiner Chorherrenstift hat der Freistaat in den vergangenen 20 Jahren viel investiert. Zuletzt wurden im vergangenen Jahr restaurierte Prunkräume der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Rechts im Bild hinter den Bäumen verborgen liegt das Schlosshotel. Es ist seit gut einem Jahr zu. Wann die nötigen Mittel für die Renovierung zur Verfügung stehen, ist derzeit offen.

Prien - Die Vereinigung der Freunde von Herrenchiemsee arbeitet unermüdlich daran, die Geschichte, Kunst und Kultur der beiden Chiemseeinseln und ihrer Klöster für die Nachwelt zu erhalten.

Wenn es ums Geld geht, muss der Verein auf den Freistaat hoffen. Er ist Eigentümer der Insel und ihrer Bauten. Bei der Jahresversammlung des Vereins hat der Präsident der staatlichen Schlösserverwaltung eine aktuelle Bestandsaufnahme vorgenommen.

Der frühere Priener Bürgermeister und stellvertretende Landrat Lorenz Kollmannsberger war vor Jahren die treibende Kraft, als die Idee geboren wurde, Schloss Herrenchiemsee zusammen mit Linderhof und Neuschwanstein zum Weltkulturerbe zu machen. Inzwischen werden die Bemühungen auf höchster politischer Ebene weiter vorangetrieben. Die Warteliste zur Aufnahme ins Weltkulturerbe der Unesco ist lang, das Verfahren äußerst komplex und kompliziert. Es kann Jahrzehnte dauern. Trotzdem: "Es wird sehr gut vorbereitet und es schaut gut aus", zeigte sich Kollmannsberger als Vorsitzender der Vereinigung der Freunde von Herrenchiemsee vor rund 100 der fast 400 Mitglieder im Priener Regionalmarkt optimistisch.

Weil der einzige freie Platz für Bayern auf der Warteliste vom Bayreuther Opernhaus besetzt ist, sollen die Königsschlösser auf einem anderen Weg zum Zug kommen. Derzeit wird ein transnationaler Antrag vorbereitet, der dann ohne Umweg direkt bei der Unesco auf den Tisch kommen soll. Die Schlösser von Ludwig II . sollen zusammen mit der Sommerresidenz eines früheren rumänischen Königs deutscher Herkunft am Rande der Karpaten zum Weltkulturerbe werden. Im Juni wird eine hochrangige rumänische Delegation zu Verhandlungen in München erwartet. "Es sieht im Moment ganz gut aus", so die Einschätzung von Dr. Johannes Erichsen. Er könne aber angesichts vieler "Haken und Ösen nichts versprechen".

Der Präsident der staatlichen bayerischen Schlösserverwaltung hatte aber auch schlechte Nachrichten mitgebracht. So scheint derzeit völlig offen, wann das Schlosshotel auf Herrenchiemsee saniert und modernisiert werden kann. "Die Zahlen entsprechen nicht dem, was man bräuchte", deutete Erichsen an, dass die Kostenkalkulation der staatlichen Bauexperten offenbar viel zu niedrig angesetzt war. "Deshalb wird jetzt nur das Restaurant renoviert." An Arbeiten am Hotel ist wohl erst zu denken, "wenn sich die Zeiten ändern", verwies der Präsident auf die momentan knappen finanziellen Mittel. Das Hotel war nach 99 Jahren in Pächterschaft der Priener Familie Huber im vergangenen Jahr im Vorgriff der Renovierung bis auf Weiteres geschlossen worden.

Planmäßig sollen dagegen Räume im Nordflügel des Königsschlosses für knapp fünf Millionen Euro ausgebaut und erstmals zur Landesausstellung 2011 anlässlich des 125. Todestags von Ludwig II . der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. "Der Rohbaucharakter muss erhalten bleiben, er gehört zur historischen Essenz", machte Erichsen aber deutlich, dass die Weiterentwicklung der bisher als Lager und Depot genutzten Säle behutsam erfolgen soll.

Klare Vorstellungen hat der Präsident für eine künftige Nutzung des Inseldoms - allerdings scheint diese unverändert in weiter Ferne zu liegen. Erichsen nannte das "Endziel Konzertraum", eine Variante, die auch in der Region viele Freunde hat. Der Inseldom, der im Zuge der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer Brauerei umgebaut worden war, darf aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Der Freistaat hatte vor Jahren lediglich statische Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um die Einsturzgefahr der historischen Gemäuer zu mildern.

"Ich glaube, dass das Innere es verlangt, den Gesamtraum wiederherzustellen", lehnte Erichsen eine teilweise Wiederherstellung ebenso ab wie eine Nutzung als Museum. Die Kostenschätzungen für eine vollständige Instandsetzung schwanken, liegen aber allesamt weit im zweistelligen Millionenbereich. "Wir werden weiter drängen", kündigte Kollmannsberger an, war sich aber im Klaren darüber, dass diese Frage "nur politisch gelöst werden kann".

Für Erichsen hätte ein Konzertsaal im Dom auch einen praktischen Nebeneffekt - die Entlastung der Räume im Schloss, denn für diese seien solche Veranstaltungen "ein ungeheurer Stress", spielte er auf das Inventar an, das unter solchen Ereignissen leide. "Irgendwann, wenn wir mit den anderen Dingen auf der Insel fertig sind, kommt auch der Dom wieder dran", legte der Präsident den Freunden von Herrenchiemsee nahe, nicht aufzugeben und "einen "langen Atem" zu haben.

Über weitere Punkte der Versammlung berichten wir noch gesondert.

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